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Mit der Besoldungsstufe A12 sind die Pädagogen unzufrieden. 

"Käme einer Realitätsverweigerung gleich"

Demonstration in Offenbach für mehr Fairness: Grundschullehrer fordern mehr Geld

Gut 40 Grundschullehrer, Mitglieder des Verbands Bildung und Erziehung (VBE) und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) haben gestern vor dem Staatlichen Schulamt in Offenbach für eine bessere Besoldung demonstriert. 

Offenbach – Wie berichtet, werden Grundschullehrer in Hessen nach der Besoldungsstufe A12 bezahlt, wobei ihre Kollegen an allen anderen Schulen nach A 13 eingestuft werden. Während das Einstiegsgehalt an Grundschulen bei etwa 3.370 Euro liegt, bekommen Kollegen von weiterführenden Schulen 550 Euro mehr. Der VBE-Landesvorsitzende Stefan Wesselmann betonte bereits im Vorfeld der Aktion: "Wenn Hessen im Wettbewerb um den Lehrernachwuchs nicht den Kürzeren ziehen möchte, muss die Landesregierung A13 zum Berufseinstieg für alle Lehrkräfte endlich einführen."

Edeltraud Trinowitz vom Offenbacher GEW-Kreisverband kämpft dafür schon lange. "Wir demonstrieren jetzt das fünfte Jahr in Folge vor dem Schulamt", sagt sie im Gespräch mit "OP". "Wir machen das stets am 13. November, weil die Grundschulkollegen von diesem Tag an umsonst arbeiten, legt man die Besoldung der Kollegen weiterführender Schulen zugrunde."

Offenbach: Grundschullehrer fordern mehr Geld - Belastung steigt jedes Jahr

Ihrer Erfahrung nach wird die Belastung für die Grundschullehrer mit jedem Jahr größer. "Zur Zeit ganz besonders, weil der Lehrermangel so eklatant hoch ist." Jenen Kollegen, die berufsfremd - also ohne entsprechendes Studium - hinzugekommen seien, um die gröbste Lücke zu füllen, müssten sie zusätzlich zur eigenen Arbeit noch bei der Vorbereitung von Unterricht und Elterngesprächen helfen. Das Mehr an Personal bedeute also nicht unbedingt weniger Arbeit.

Gemeinsam mit den Landtagsabgeordneten Katy Walther (Grüne), Nadine Gersberg (SPD) und Ulrike Alex (SPD) überreichte Edeltraud Trinowitz gestern Nachmittag einen Brief mit dem gemeinsamen Anliegen an Dr. Volker Stürzer, den stellvertretenden Leiter des Staatlichen Schulamtes. Amtsleiterin Susanne Meißner war wegen eines Termins in Hanau an diesem Tag nicht abkömmlich.

Dr. Volker Stürzer nimmt den Brief von Edeltraud Trinowitz entgegen.

Grundschullehrer überbringen Brief in Offenbach, doch Stürzer verweist auf die Politik

Stürzer zeigt sich verständnisvoll, verweist aber darauf, dass er im Grunde gar nicht die richtige Adresse dafür sei: "Die Gehaltsfragen werden natürlich nicht von uns entschieden, sondern eine deutliche Etage höher. Die Politik entscheidet das, nicht die Bildungsverwaltung." Er werde das Schreiben natürlich weitergeben. "Wir schätzen das Engagement der Kollegen und verstehen auch die Not dahinter."

Der VBE begründet seine Forderung nach einer höheren Besoldung für Grundschul-Lehrkräfte sowie Aufstiegsmöglichkeiten für alle Lehrämter damit, dass die Arbeit von Lehrkräften in allen Schulstufen und -formen gleichwertig sei. Mit der Besoldungsstufe A12 verdienen die Grundschulpädagogen jedoch deutlich schlechter als alle anderen Lehrer.

Grundschullehrer fordern mehr Geld: 7 Bundesländer lenken ein - wann zieht Hessen nach?

Mit ihren Forderungen hat die GEW bereits deutschlandweit Aufmerksamkeit erreicht. Sieben Bundesländer haben in jüngster Zeit eingelenkt oder angekündigt, Grundschullehrer nach A 13 zu besolden. "Im vergangenen Jahr hat sich in Sachen A13 so viel bewegt, dass ein Verharren auf dem alten Stand einer Realitätsverweigerung gleichkäme", fasst VBE-Landesvorsitzender Stefan Wesselmann die Auffassung der Offenbacher Demonstranten zusammen.

VON MARIAN MEIDEL

Auch die Elternvertretung in Offenbach beklagt den Mangel an Lehrern, die vielen Ausfälle und die nötigen Sanierungen. 

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