Offenbach: Gewerkschaft kritisiert Entscheidung des Krisenstabs

  • Agnes Schönberger
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Der Corona-Krisenstab in Offenbach verpflichtete Lehrer dazu, bei der Aufklärungsarbeit für Reiserückkehrer mitzuhelfen. Bei der Gewerkschaft stößt das auf Kritik.

Reiserückkehrer stellen auch in Offenbach einen immer größeren Teil der neuen Corona-Infizierten dar. Deshalb hat der Krisenstab der Stadt vergangene Woche kurz vor Schulbeginn in Absprache mit dem Staatlichen Schulamt beschlossen, die Lehrkräfte aller 28 Schulen in die Aufklärungskampagne einzubinden. Am Donnerstag erfuhren die Pädagogen, dass sie die Eltern von rund 14 500 Kindern auf die Corona-Bestimmungen und die geltenden Regeln bei der Rückkehr aus Risikogebieten, also die Testpflicht, die Quarantäne und die Anmeldung beim Gesundheitsamt, hinweisen sollen.

Mit dieser Aktion wollte die Stadt auch jene Offenbacherinnen und Offenbacher erreichen, die die Informationskampagne bislang noch nicht wahrgenommen haben. Bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft sowie dem Stadtelternbeirat kam die Vorgabe überhaupt nicht gut an. Sie kritisierten, dass die Lehrkräfte dafür nicht zuständig seien und ohnehin Besseres zu tun hätten, als von ihren Privattelefonen aus die Familien ihrer Schüler anzurufen.

Zudem sei die Abfrage persönlicher Daten problematisch. Moniert wurde auch, dass die Aktion „auf den letzten Drücker“ verabschiedet worden sei. Schließlich sei die Problematik mit den Reiserückkehrern schon länger bekannt.

Der Stadtelternbeiratsvorsitzende Rolf Joachim Rebell sagte gestern im Gespräch mit der FR, er wisse von relativ vielen Schulen, dass es trotz der Vorbehalte mit der Elterninformation geklappt habe. Schulamtsleiterin Susanne Meißner warb um Verständnis für das Vorgehen der Stadt, das sie unterstützt habe. Die Zeit sei sicher knapp gewesen, aber es habe gut funktioniert, viele Eltern seien erreicht worden.

Meißner zufolge wurden Bedenken wegen des Datenschutzes „zerstreut“. Die Lehrer hätten einen Gesprächsleitfaden erhalten, der sie auch ermahnte, sensibel vorzugehen und keine Fragen zu Reisenden, Reisezeitraum oder Zielort zu stellen. Sie meinte auch, in besonderen Situationen wie diesen könne es den Lehrern durchaus zugemutet werden, solche Gespräche auch vom Privattelefon aus zu führen.

Nach ihren Worten gab es bis zum gestrigen Schulbeginn in Offenbach keine besonderen Vorkommnisse. Allerdings seien etliche Schüler nach Hause geschickt oder abgeholt worden, weil sie möglicherweise in einem Risikogebiet gewesen waren.

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