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Die furchtlosen Nil- und Graugänse nehmen viel Platz am Main ein– aber deshalb abschießen?

Nilgänse

Nilgänse sollen in Offenbach sanft vergrämt werden

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Die Stadt Offenbach erachtet die Jagd auf die Vögel am Mainufer als unmöglich. Jetzt im Spätsommer werden einige andere Maßnahmen eingeleitet. Kritik kommt von der SPD.

Offenbachs Gänse können aufatmen – zumindest etwas. Denn gejagt und erschossen werden sollen sie nicht. Zumindest nicht am Mainufer, wo sich zwar viele Nil-, Grau- und Kanadagänse aufhalten – aber auch viele Menschen. Und das mache eine Bejagung kompliziert, wie die Leiterin des Offenbacher Umweltamts, Heike Hollerbach erklärt. Auch müsse man die Schifffahrt auf dem Main stoppen, das Areal großräumig absperren und parallel mehrere getarnte Schützen einsetzen. In der Gesamtschau sei eine Jagd auf die Vögel deshalb „unmöglich“ – zumal Erfahrungen zeigten, dass die Vögel selbst nach solch einer Aktion wiederkämen. Einfacher sei eine Jagd nur im Waldschwimmbad, wo sich die Tiere ebenfalls gerne aufhalten.

Die Gänse waren am Donnerstag ein großes Diskussionsthema im Offenbacher Stadtparlament. Auslöser war ein Antrag der SPD mit dem Titel „Bevölkerung vor Nilgänsen schützen“. „Das Problem hat sich in diesem Jahr nochmal vergrößert“, sagte der Fraktionsvorsitzende der oppositionellen Sozialdemokraten, Martin Wilhelm. Als störend wird vor allem der Kot der Tiere wahrgenommen, der am Mainufer, aber auch in Parks und im Freibad viele Wiesen bedeckt. Einige stören sich aber auch an der Furchtlosigkeit, mit der manche Gänse gegenüber den Menschen vor allem in der Brutzeit ihr Revier verteidigen.

Die Forderungen der SPD: Mehr Schilder, die auf das Fütterungsverbot hinweisen, höhere Ordnungsgelder bei Verstößen – und „die Möglichkeiten einer Reduktion der Population“ prüfen – „als letztes Mittel“ auch die Bejagung. Der regierenden Koalition wirft Wilhelm vor, das Thema „nicht ernst zu nehmen“.

Die Koalition konterte mit Verweis auf eine Präsentation der Umweltamtsleiterin, die diese vor kurzem im zuständigen Ausschuss gezeigt hat. Darin steht: „Viele Probleme im Zusammenleben von Mensch und Nilgans ließen sich durch konsequentes Fütterungsverbot verbunden mit dem Verzicht auf allzu häufige Mahd der besuchten Wiesen bereits lösen“. Denn die Vögel liebten das üppige städtische Nahrungsangebot und kurzrasige Flächen. Ein Naturschutzproblem seien sie nicht.

Der Fraktionsvorsitzende der FDP, Dominik Schwagereit, warf der SPD deshalb vor, „zu fordern, was die Verwaltung schon lange tut“. Tatsächlich sollen diese oder nächste Woche großformatige Schilder am Mainufer aufgestellt werden, um auf das Fütterungsverbot hinzuweisen. Zudem wird im Herbst eine Art Hecke neu gepflanzt, die die Sichtbeziehung zwischen Gänsen und Wasser stören soll – was diese wohl überhaupt nicht mögen. Die erste Hecke dieser Art ist wegen des trockenen Sommers vertrocknet und muss ausgetauscht werden.

Dass die neuen Schilder und Bepflanzungen erst zum Ende des Sommers kommen, sei nicht ideal, gab Umweltdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) zu: „Es gab ein Umsetzungsdefizit“ sagte er mit Blick auf überlastete Ämter. Grundsätzlich äußerte sich der grüne Stadtverordnete Tobias Dondelinger: Man könne Gänse „nicht einfach abschießen, bloß weil sie nervig sind“. Die „ehemals invasive Art“ Nilgans sei zudem heute hier heimisch.

Hetze mit Tiervergleichen

Der AfD-Stadtverordnete Hans-Joachim Münd nutzte die Debatte zum Thema Nilgänse im Offenbacher Stadtparlament am Donnerstag, um gegen Migranten zu hetzen. In Richtung der SPD-Fraktion, die den Antrag „Bevölkerung vor Nilgänsen schützen“ gestellt hatte, sagte Münd: „Die SPD will einheimische Tiere vor invasiven Arten schützen, propagiert beim Mensch aber Vielfalt. Das ist ein Widerspruch“. Außerdem sagte der Ex-Republikaner: „Sie können sich hier nicht hinstellen und sagen, wir wollen unsere Tiere schützen, unsere eigene Bevölkerung schützen wir aber nicht vor Kriminalität“. Niemand äußerte sich im Plenum dazu. Auf Twitter merkten nach Ende der Sitzung Stadtverordnete von SPD und Grünen an, dass sie geschockt waren – und den Aussagen eigentlich gerne widersprochen hätten. 

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