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In vielen Frauenhäusern wohlen auch viele Kinder.  

Offenbach

Offenbach: Entlastung für das Frauenhaus

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Die Stadt Offenbach und ein Verein schaffen dauerhaften Wohnraum für Frauen in Not.

Meistens sind wir voll oder überbelegt“, beschreibt Gloria Schmid die Situation im Offenbacher Frauenhaus. Die Sozialarbeiterin arbeitet in der Beratungsstelle des Vereins „Frauen helfen Frauen“, der das Frauenhaus mit seinen zwölf Zimmern und 32 Schlafplätzen betreibt. Frauen und deren Kinder finden dort Zuflucht vor häuslicher Gewalt. Doch auf dem überhitzten Offenbacher Wohnungsmarkt fällt es den so untergebrachten Frauen immer schwerer, anschließend eine neue, reguläre Wohnung zu finden. Sie bleiben deshalb länger als geplant in ihrer temporären Unterkunft im Frauenhaus. Deshalb können dort keine neuen Frauen mehr aufgenommen werden. „Die Belegungen dauern sehr häufig mehrere Monate“, heißt es im aktuellen Sozialbericht der Stadt.

Zufluchtsorte
Der Verein „Frauen helfen Frauen“ führt das Frauenhaus in Offenbach – gefördert von der Stadt und vom Land. In der Einrichtung finden Frauen mit ihren Kindern Zuflucht, die aufgrund einer Gewalterfahrung nicht zuhause bleiben können. Mehr Informationen auf www.frauenhaus-offenbach.de.

Der Bund will sich stärker bei der Finanzierung von Frauenhäusern einbringen und im nächsten Jahr 30 Millionen Euro für den Um- und Neubau von Frauenhäusern ausgeben. Sozialverbände hatten in den vergangenen Tagen Bund und Ländern vorgeworfen, Frauen trotz anderslautender Versprechungen noch immer nicht besser vor Gewalt zu schützen. fab/dpa

Das Sozialamt will deshalb gemeinsam mit dem evangelischen Verein für Wohnraumhilfe in Frankfurt neue Wohnungskapazitäten aufbauen: Konkret sollen in einem Gebäude auf drei Stockwerken jeweils zwei Wohneinheiten mit eigenem Bad und gemeinsamer Küche geschaffen werden. „Diese Zimmer können dann von Frauen aus dem Frauenhaus genutzt werden, damit deren Plätze im Frauenhaus dann wieder zur Verfügung stünden“, heißt es aus dem Sozialdezernat. Die Wohnungen sollen Ende des Jahres bezugsbereit sein.

Das Offenbacher Frauenhaus hat sich in den vergangenen Jahren mehrfach an den Magistrat gewandt, um auf den kritischen Belegungsstand aufmerksam zu machen. Ein Ergebnis dieser Bemühungen war die Unterzeichnung einer freiwilligen Selbstverpflichtungserklärung seitens mehrerer Wohnungsbaugesellschaften im Jahr 2015. Darin sagen die Gesellschaften zu, pro Jahr rund 30 vom Frauenhaus und von der Wohnungslosenhilfe Offenbach vorgeschlagenen Frauen „zeitnah in einer geeigneten Wohnung aus ihrem Pool“ unterzubringen. Allzu gut scheint das nicht zu funktionieren: Offenbachs Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) sagte der FR, dass sie das nächste Treffen der Wohnungsbaugenossenschaften besuchen wolle, um darauf hinzuwirken, dass diese sich auch „an die Selbstverpflichtung halten“. Groß teilte außerdem die Einrichtung eines runden Tisches mit, der sich mit dem Thema befassen soll. Mit dabei sind neben dem Frauenhaus unter anderem das Jobcenter, die städtische Frauenbeauftragte und das Sozialamt.

Eine „besondere Härte“ bestehe für die im Frauenhaus wohnenden Kinder, steht im Einleitungstext der Abmachung mit den Genossenschaften geschrieben. Unter anderem, weil diese „die Adresse des Frauenhauses teilweise bis zu zwei Jahre vor Schulfreundinnen und Schulfreunden geheim halten“ müssten. Sozialarbeiterin Gloria Schmid betont, dass man trotz fehlender Übernachtungsmöglichkeiten in Offenbach „keine Frau“, die sich an die Beratungsstelle ihres Vereins wende, „ohne Platz gehen“ lasse. Man suche ihnen also woanders einen Platz. Ohnehin sei es oft sicherer, von Gewalt Betroffene an einem neuen Wohnort unterzubringen. Doch mittlerweile sei es oft ein „größerer Aufwand“, überhaupt irgendwo freie Plätze in einem Frauenhaus zu finden. Es käme sogar vor, dass Frauen aus Hessen, die in Offenbach anfragten, nach Bayern oder Nordrhein-Westfalen vermittelt werden.

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