+
Die Tage des Polizeiladens im Pavillon sind gezählt: Die Stadt will dort ein Restaurant samt Kantine für Rathausangestellte unterbringen.

Umwandlung des Polizeiladens

Die Ein-Millionen-Euro-Kantine soll die Stadt als Arbeitgeber attraktiv machen

Fachkräftemangel beschäftigt nicht nur die Arbeitgeber der freien Wirtschaft, auch Kommunen sind davon betroffen, wie Offenbach schmerzlich zu berichten weiß.

Offenbach – In Offenbach werden etwa Mitarbeiter für das Bauamt händeringend gesucht. Auch beim Stadtarchiv war die Suche nach Nachfolgern für die ehemalige Leiterin Anjali Pujari schwierig, eine mehrmonatige Schließung drohte.

Die Stadt müsse daher dringend als potenzieller Arbeitgeber attraktiver werden, lautet der Befund von Oberbürgermeister und Personaldezernent Felix Schwenke (SPD). So weit, so unspektakulär. Dass dieser Befund und der Polizeiladen im eher tristen Betonpavillon auf dem Stadthof vor dem Rathaus aber in unmittelbarer Verbindung stehen, hätte wohl kaum ein Offenbacher geahnt. Besucher der Stadtverordnetenversammlung am Donnerstag wurden jedoch eines Besseren belehrt.

Offenbach: Linke beklagt unverantwortliche Ausgabe

Wie berichtet, möchte die Stadt den Mietvertrag mit dem Polizeiladen kündigen, in dem Pavillon soll eine Gastronomie und, wenn möglich, auch eine Kantine für die Rathausbediensteten eröffnen. 171.000 Euro kostet die Aufhebung des Mietvertrags mit der Gemeinnützigen Baugesellschaft (GBO).

Für die Fraktion der Linken in Anbetracht der Finanzlage der Stadt eine unverantwortliche Ausgabe. Man müsse sich fragen, „weshalb die Stadt über eine Million Euro für ebenerdiges Kantinenessen auszugeben gedenke“, sagt Markus Philippi, Fraktionsvize der Linken. Denn vor vier Jahren habe eine Berechnung des Hauptamtes ergeben, dass der Umbau des Pavillons samt Einrichtung einer Kantine rund 850 .000 Euro koste – zusammen mit der Zahlung für die Mietvertragsauflösung komme man damit auf Kosten von über einer Million Euro für die Stadt.

OB Schwenke übernimmt daraufhin die Rolle des Verteidigers der Magistratsvorlage. Ob wirklich eine Kantine im Pavillon entstehen solle, sei ja noch gar nicht hundertprozentig geklärt, sagt er, allerdings sei es wünschenswert. Denn die Stadt habe – und damit schlägt er den Bogen zum Fachkräftemangel – ein massives Problem: Sie sei als Arbeitgeberin nicht attraktiv genug, manchmal würden sich auf Stellenausschreibungen „gar keine Bewerber melden“.

Offenbach: Stadt will Bewerbern mehr bieten

Also müsse die Stadt etwas bieten: Dazu würde eben neben einem Jobticket oder einem Kita-Platz auch eine gute Kantine gehören. Bei im Kaiserlei ansässigen Unternehmen gebe es für die Angestellten etwa kostenlos Frühstück, Mittag- und Abendessen, was das Unternehmen laut Schwenke zu einem attraktiven Arbeitgeber mache.

„Höhere Bezahlung können wir als Stadt den Bewerbern nicht bieten, also müssen wir uns Anderes einfallen lassen“, sagt Schwenke. Von kostenlosem Kantinenessen für die Rathaus-Beschäftigten ist dann jedoch keine Rede –lediglich von einem geringeren Betrag als dem, der für normale Restaurantbesucher anfallen würde.

Außerdem könne laut Schwenke ein „ordentliches Restaurant“ die Innenstadt deutlich aufwerten. Diese bräuchte bekanntlich nicht nur Einkaufs-, sondern vor allem auch Erlebnis- und Ausgehmöglichkeiten, um für die Zukunft gerüstet zu sein.

„Weshalb ist die jetzige Kantine im 15. Stock des Rathauses mit Ausblick nicht attraktiv?“, fragt Philippi nach den Ausführungen des OB. Das wiederum veranlasst Kämmerer Peter Freier (CDU) zum Zwischenruf, dass eine Sanierung der bestehenden Kantine teurer sei als der Umzug auf den Stadthof.

Offenbach: 15. Stock des Rathauses muss saniert werden

Da die Fenster im 15. Stock des Rathauses noch saniert werden müssten, „um die Arbeit hier im Haus erträglich zu machen bei Hitze“, habe der bisherige Kantinen-Betreiber seinen Vertrag gekündigt, sagt Schwenke. Eine neue Kantine würde also ohnehin gebraucht, und als Nebeneffekt würde das städtische Gastronomieangebot gleichzeitig bereichert. Dass in Offenbach sogar Spitzengastronomie möglich ist, beweist das Restaurant Schau-Mahl.

Der Stadthof könne gar damit eine vergleichbare Entwicklung wie der Wilhelmsplatz erfahren, sagt der OB. Daher sei die hohe Ausgabe gerechtfertigt: „Es ist kluge Verwendung von Steuergeld, wenn es mehreren Zielen auf einmal dient.“ Gewinner sei zudem auch die GBO, die sich dann nicht mehr dem Pavillon, sondern wieder vermehrt ihrem Kerngeschäft, den Wohnungsaufgaben, widmen könne.

Die Stadtverordneten der Linken kann Schwenke mit seinem Plädoyer für eine Stärkung des Offenbacher Ansehens durch einen Restaurant-Kantinen-Mix in der Innenstadt nicht überzeugen. Mit den Stimmen der Tansania-Koalition und der SPD wird dennoch beschlossen, den Mietvertrag über den Rathauspavillon zu kündigen und den Weg für ein Restaurant frei zu machen.

VON FRANK SOMMER

Zudem droht in Offenbach der Bahnhof Bieber einzustürzen. Der Eigentümer weigert sich bisher, das Gebäude sanieren zu lassen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare