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Studierende der TU Kaiserslautern erläutern ihre Ideen für den Offenbacher Ortskern.
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Studierende der TU Kaiserslautern erläutern ihre Ideen für den Offenbacher Ortskern.

Offenbach

Offenbach diskutiert Konzepte für historischen Ortskern

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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In Offenbach zeigen Studierende der TU Kaiserslautern Gestaltungsmöglichkeiten für den historischen Ortskern auf. Probleme lauern etwa in der Sandgasse und in der Berliner Straße.

Selbst mit Mikrofon und Lautsprecher ist Lena Kalmbach nur schwer zu verstehen. Die Studentin der TU Kaiserslautern steht mit vier Kommilitonen auf dem Platz vor dem Isenburger Schloss in Offenbach, nebenan fahren Autos durch die mit Kopfstein gepflasterte Schlossstraße, was den Verkehrslärm potenziert. Deswegen sollte die Pflasterung durch normalen Asphalt ersetzt werden, sagt Kalmbach. Rund 30 Interessierte, darunter viele Stadtverordnete, hören der Studentin der Stadt- und Raumentwicklung zu, während sie und die anderen Studierenden im Zuge ihrer Bachelorarbeit Vorschläge für ein ganzheitliches Konzept für den historischen Ortskern Offenbachs präsentieren. Das reicht von einer Verkehrsberuhigung in der Herrnstraße über eine Sanierung im historischen Kontext am Schlossplatz hin zu Gebäudeabrissen und Neubebauungen in der Sandstraße.

Spuren vieler Epochen

Bei der Suche nach einem interessanten Forschungsprojekt für seine Studierenden kam Holger Schmidt mit Hilfe seiner wissenschaftlichen Assistentin Ragna Körby, die aus Offenbach stammt, auf die Idee, den mehrfach überformten Ortskern untersuchen zu lassen. „Die unterschiedlichen Epochen haben ihre Spuren hinterlassen“, sagt der Professor für Stadtumbau und Ortserneuerung. „Man muss erkennen, dass das besonders ist.“

Der Ortskern wird gebildet zwischen der Mainstraße und der Berliner Straße und wird im Westen vom Büsingpark und im Osten von der Sandgasse begrenzt. Das Gebiet ist rund 17 Hektar groß, es leben rund 4900 Menschen dort. Für ihre Arbeit haben die Studierenden Expertengespräche geführt, Statistiken und historisches Kartenmaterial ausgewertet. „Als zusammenhängendes Gebiet wurde es nie erkannt“, sagt Student Louis Jäger. In den Gesprächen hieß es, es sei chaotisch, habe keinen Zusammenhang und somit keine Identität.

Beim Blick in das erste Teilgebiet, die Herrnstraße und die Kirchgasse, „sind die Straßen von parkenden Autos dominiert“, sagt Jäger. Der Platz in Richtung des D’Orville-Parks bringe ein großes Potenzial mit, das aber nicht ausgeschöpft werde. Im ersten Schritt soll das gesamte Gebiet durch Rad- und Fußwege miteinander verbunden werden. „Wir wollen die Gastronomie in den Vordergrund rücken“, erklärt Jäger. Deshalb sollen Parkplätze entfallen und ein Quartierscafé entstehen, um den sozialen Austausch im bunt gemischten Viertel zu fördern.

Da die evangelische Stadtkirchengemeinde in der Kirchgasse ihre Flächen für die Gemeindearbeit nicht mehr braucht und sie bereits vermietet, besteht zudem die Chance, das Gelände städtebaulich neu zu ordnen. Der denkmalgeschützte Kirchturm müsse in allen drei ausgearbeiteten Varianten in die Pläne integriert werden. Auf dem Schlossplatz, der von der Hochschule für Gestaltung (HfG) genutzt wird, aber dem Land Hessen gehört, soll neben der Sanierung ein historischer Stadtlehrpfad seinen Ausgangspunkt haben. Es gibt zwar Schilder und Tafeln am Schloss und am Büsingpark, aber es fehlt ein Gesamtkonzept. „Wir haben deswegen einen Stadtlehrpfad zu den historischen Orten entwickelt“, sagt Jäger.

Am schwierigsten dürfte die Umgestaltung der Sandgasse und des Signal-Iduna-Hauses in der Berliner Straße werden. In der Sandgasse plant die Mevlana-Moschee der islamischen Gemeinschaft Milli Görüs einen Neubau für 600 Gläubige. In den Vorschlägen der Studierenden sind unter anderem Wohnungen für das Gebiet vorgesehen. Die Wohnungen im Signal-Iduna-Haus gehören wiederum vielen Privatpersonen, so dass die vorsichtigsten Vorschläge eine Außenbegrünung vorsehen.

Guter Input

Matthias Seiler vom Stadtplanungsamt glaubt, dass die Vorschläge „einen guten Input in die fachliche und politische Diskussion bringen werden“. Der CDU-Stadtverordnete Dominik Mangelmann, dessen Partei bereits vor 18 Monaten beantragt hat, den historischen Ortskern an die heutige Innenstadt anzubinden und Vorgaben zu entwickeln, wie frühere Wegeverbindungen oder auch Häuser nach historischem Vorbild wiederhergestellt werden könnten, zeigte sich enttäuscht. Nicht wegen der Vorschläge der Studierenden, sondern weil seitens der Stadt „bis heute noch nichts gekommen ist“.

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