Direktor Marco Frank mit Zirkuskamelen.
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Direktor Marco Frank mit Zirkuskamelen.

Offenbach

Der Zirkus soll weg

  • Timur Tinç
    vonTimur Tinç
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Eigentlich wollte der in Offenbach gestrandete Circus Barus im November zum Weihnachtsmarkt nach Hanau weiterziehen. Durch dessen Absage ist die Not groß, weil die Stadt Offenbach mit Kanalarbeiten auf dem Gelände an der Mainstraße beginnen will.

Marco Frank kann kaum noch schlafen. „Zwei Stunden maximal“, sagt der Direktor des Circus Barus. Ihn und seine Familie plagen große Sorgen. Sie haben kürzlich einen Brief erhalten, dass sie das ehemalige Clariant-Gelände an der Mainstraße verlassen müssen. „Wir wissen nicht, was wir tun sollen“, sagt Frank.

Ursprünglich sollte der Zirkus ab dem 26. November auf dem Weihnachtsmarkt in Hanau gastieren, aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde dieser jedoch abgesagt. „Wir haben aber kein eigenes Winterquartier. Unser nächster Termin wäre erst im Februar, der Fastnachtszirkus in Mainz. Der ist noch nicht abgesagt“, erklärt Frank. „Ich weiß aber jetzt noch nicht, was im Februar ist.“

Aus der Stadt Offenbach hieß es am Freitag, dass in der Ketteler Straße Kanalbauarbeiten anstehen und man extra bis zum 26. November gewartet habe, um der Familie Frank entgegenzukommen. Für den Zirkus hat sich die Situation wegen des erneuten Lockdowns und der Absage des Weihnachtsmarkts dramatisch verändert. „Wir Zirkusleute und Schausteller sind eigentlich immer noch im ersten Lockdown“, sagt Frank.

Schließlich habe er nirgendwo auftreten können. Es gab lediglich kostenlose Vorstellungen für die Offenbacher Bürger. „Die Bevölkerung hat den Zirkus am Leben erhalten“, sagt der Direktor. Immer noch bekommt er Spenden für die Tiere von Menschen, die auf dem Wochenmarkt einkaufen gehen oder die der Familie Frank die Müllsäcke mitnehmen, weil sie keine eigenen Container bekommt. „Das sehen wir als nicht selbstverständlich an“, betont Frank dankbar. „Wir wollen niemandem auf der Tasche liegen, aber wir können nichts für unsere Situation.“

Für November hatte Frank ursprünglich keine Sozialhilfe in seiner Heimatkommune im Vogelsberg beantragt, weil er auf die Einnahmen in Hanau gehofft hat. Jetzt muss er das schleunigst nachholen. Große Kopfschmerzen bereitet ihm auch die Stromrechnung des Offenbacher Energieversorgers EVO in Höhe von 4000 Euro. „Und das war nur die Abrechnung bis September“, berichtet Frank.

Er hofft auf ein Einsehen der Stadt und ist auch bereit, sich mit seinen Tieren und dem Wohnmobil auf dem Gelände woanders hinzustellen, um die geplanten Bauarbeiten nicht zu stören. Hauptsache, er kann dort bleiben. „Wir haben nun mal nichts Eigenes“, sagt Frank. Ansonsten müsse er auf jemanden hoffen, der ihm ein Gelände zur Verfügung stellt. Es müsse aber auch für die Tiere geeignet sein. Sonst droht Ärger mit dem Veterinäramt und dem Tierschutz. Noch eine Sorge mehr kann Frank derzeit wahrlich nicht gebrauchen.

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