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Ahmet Gezer bekommt vom Arzt Mut zugesprochen.
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Ahmet Gezer bekommt vom Arzt Mut zugesprochen.

Offenbach

Offenbach: Corona-Impfung in der Moschee

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Ein mobiles Impfteam pikst in einem Testlauf zehn Mitglieder der Offenbacher Ditib-Gemeinde Yavuz Selim. Die Stadt plant großflächige Aktionen, wenn die Priorisierungen fallen.

Ahmet Gezer kann gar nicht hinsehen. „Ich habe Angst vor Spritzen“, sagt der 66-Jährige. Die Impfung gegen das Coronavirus am Montagmittag hat er aber trotzdem tapfer über sich ergehen lassen und lachte anschließend mit den Umstehenden. Gezer ist einer von zehn Mitgliedern der Offenbacher Ditib-Moschee Yavuz Selim, die von einem mobilen Team des Offenbacher Impfzentrums geimpft worden sind. „Ich wollte das anfangs nicht“, erzählt Gezer. Allerdings habe er sich seine Gedanken darüber gemacht und auch mit vielen Leuten gesprochen, die an Verschwörungstheorien rund um das Impfen glauben. Er ist für sich mit einer Analogie zum Schluss gekommen, dass selbst kleine Schwimmflügel ihm im Ozean helfen können zu überleben, also sind sie besser, als darauf zu verzichten.

„Das war ein erster Feldversuch“, sagte Niko Kern, der bei der Feuerwehr das Aufgabengebiet Katastrophenschutz leitet. Bereits am vorvergangenen Freitag war ein mobiles Team in der Moschee, um Schnelltests zu machen und den Kontakt zu den überwiegend türkischstämmigen muslimischen Menschen zu suchen. „Wir haben dann gefragt, wie die Impfbereitschaft in der Gemeinde ist“, berichtete Kern. Die war vorhanden.

Die Sprachbarriere sei das Hauptproblem. Nach dem Freitagsgebet hätten nach dem Besuch des Testteams die Jüngeren den Älteren geholfen, sich über das Portal des Landes für die Impfung anzumelden. Weil sich nicht genügend Menschen in Offenbach dort anmelden, sollen ab Juni vermehrt mobile Teams in Vereinen und Gemeinden zum Einsatz kommen. „Wenn die Prio-Gruppen entfallen, werden wir auch großflächig impfen“, betont Kern. Am Montag war ein türkischer Arzt mit seinem Team und dem Impfstoff Biontech vor Ort. Das schafft noch mal zusätzlich Vertrauen.

Selim Tunç, der Vorsitzende der Gemeinde, hat genügend Mitglieder auf seiner Liste gesammelt. Knapp 130 waren es, die zur Priosierungsgruppe 3 gehören, also zum Beispiel über 60 Jahre alt sind. „Wir haben auch das Angebot bekommen, eine eigene Reihe im Impfzentrum für unsere Mitglieder zu bekommen. Aber wir haben hier bei uns genügend Platz“, sagt Tunç.

Während des muslimischen Fastenmonats Ramadan, der am Mittwoch endet, hat die Gemeinde ein Zelt vor den Türen der Moschee aufgebaut. Dort, wo sonst zu der Zeit abends über hundert Menschen zusammen zum Sonnenuntergang das Fasten brechen, sind weiße Streifen als Markierung angebracht, um die Abstände beim Gebet einzuhalten. Vorgabe ist, sich in Listen einzutragen und den eigenen Gebetsteppich mitzubringen sowie fortwährend eine Maske zu tragen. Bei den Tests nach dem Freitagsgebet waren alle 70 negativ, berichtet Tunç.

Einer der großen Vorteile des Impfens sieht Bedri Can darin, dass er sich nach der zweiten Impfung nicht mehr überall testen lassen muss. „Dann kann ich auch wieder ohne Bedenken in die Türkei fliegen“, sagt der 60-Jährige. Auch eine ältere Frau hat sich trotz Bedenken piksen lassen. Sie und ihr Mann befürchten, dass, wenn sie mit dem Auto in die Türkei fahren wollen, es plötzlich an der Grenzkontrolle in einem Land heißt, dass sie zurückmüssen. „Deshalb ist es nicht ganz freiwillig“, sagt er.

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