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Nach den Sommerferien erhalten die Von-Behring-Straße (Bild) und die Rumpenheimer Straße zunächst einen neuen Belag.

Gegen eine Zwangsbeglückung

Bürger ärgern sich über geplante Fahrradstraße in Offenbach

Das haben sich die Verantwortlichen sicher etwas entspannter vorgestellt. Nach der öffentlichen Präsentation, wie die Initiative Bike-Offenbach die Von-Behring-Straße zur Fahrradstraße umgestalten möchte, melden sich einige Leser zu Wort. Sie sparen dabei nicht mit Kritik.

Bürgel – Ob ihre Einwände Gehör finden, darf bezweifelt werden. Schließlich soll das gesamte Projekt in Bürgel noch in diesem Jahr abgeschlossen werden.

Projekt in Offenbach erklärt

Das Projekt in aller Kürze: In Bürgel soll die Von-Behring-Straße auf der ganzen Länge und die Bildstockstraße teilweise zur Fahrradstraße werden. Damit möchten die Verantwortlichen das Fahrradnetz in Richtung Rumpenheim erweitern – so haben Radfahrer auf etwa einem Kilometer Vorrang. „Dadurch verkürzt sich für Nutzer die Strecke von der Mainfähre bis zur Innenstadt um etwa zwei Kilometer als die bisherige Route entlang des Mains. Und besser beleuchtet“, so Ulrich Lemke, der mit dem Projektmanagement für Bike Offenbach beauftragt ist.

So lenkt Fred Stephan, der sich als Nachtwächter früher pointierte Gedanken zum Ortsgeschehen gemacht hat, die „zwei wunderschönen und beleuchteten Radwege“ auf dem Mainzer Ring in Erinnerung. Er sagt: „Für mich ist demnach ein noch direkterer Weg nach Rumpenheim vorhanden und die neue und kostenträchtige Variante absolut nicht notwendig. Es müsste lediglich eine kurze Verbindung dorthin geschaffen werden, für den, der den Radweg am Mainufer nicht benutzen will.“

"Pendlerstrecke statt Touristikroute"

Auch Christa Bulla ist wenig angetan: „Der Plan, zusätzlich einen Radweg aufzumalen (denn mehr ist es nicht), ist vom Bürostuhl aus geboren. Pendlerstrecke statt Touristikroute; auf so etwas muss man erst mal kommen... Es ist einfach ohne Worte...“ Ein Detail der Planung stößt ihr besonders auf. Die Bildstockstraße habe zwischen Von-Behring-Straße und Offenbacher Straße einen Radweg, der verbreiterte Bürgersteig münde genau an dem Zebrastreifen nach der Bushaltestelle Bildstockstraße in Richtung Offenbach. „Wunderbar, was muss da zusätzlich eine weitere Mittelinsel gebaut werden?“

„Es genügt nicht, irgendwo Fahrradstraßen zu planen, weil hierfür Fördergelder zur Verfügung gestellt werden. Man muss auch zuhören können, wenn Bedenken geltend gemacht werden“, zeigt sich Architekt und Bauhistoriker Gerhard Plath unzufrieden. Und er moniert: „Da wurden Bürgeler Einsprüche schlichtweg mit einer Kilometer-Berechnung abgekanzelt.“

Fahrradstrecke führt über gefährlichste Kreuzung in Bürgel

Mitentscheidend für die Streckenwahl seien für Radler die kreuzenden Straßen, die ein zügiges Vorankommen verhindern. „,Entlang der Mainroute kommt mir keiner quer’ ist die meist genannte Maxime von Radlern“, gibt er zu bedenken. Auch wenn das Argument mit der als Fahrradstraße dann bevorrechtigten Von-Behring-Straße (die Rechts-vor-Links-Regelung entfällt) nicht mehr ganz zieht, hat der Bürgeler noch eine andere Problemstelle ausgemacht.

„Die Überquerung der geplanten Fahrradstraße mit der gefährlichsten Kreuzung in Bürgel, die 5-Finger-Kreuzung an der Altkönigstraße, dürfte einer Quadratur des Kreises gleichkommen. Die dortige rot-weiße Hütchenspielerei gefällt allenfalls einigen Kickers-Fans, einer tauglichen Verkehrslösung kommt es allerdings nicht nahe“, blickt Plath eher bange in die Zukunft. Er fährt fort: „Wenn hier die vielen Berufspendler, die morgens und abends am Main entlang zischen, diese Kreuzung überqueren sollen, dann ,Gud-Nacht-Sannche’. Auf eine solche Art der Zwangsbeglückung mit einer Fahrradstraße kann der Stadtteil Bürgel locker verzichten.“

Weitere Infos: bikeoffenbach.de

Von Martin Kuhn

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