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Zwölf Interessierte folgten dem Biologen Erik Martiné durch den Lohwald.
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Zwölf Interessierte folgten dem Biologen Erik Martiné durch den Lohwald.

Offenbach

Offenbach: Buchen statt Ausbau der B448

  • Clemens Dörrenberg
    VonClemens Dörrenberg
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Die Initiative Stadtfieber spaziert durch den Lohwald und betont dessen Bedeutung. Die Stadt will die Bundesstraße verlängern, um den Innovationscampus zu erschließen.

Dass die Buchen angeschlagen sind, ist den stattlichen Laubbäumen deutlich anzusehen. In den Stämmen sind Risse. Teilweise fehlt die Rinde im trockenen Holz. „So sieht es aus, wenn Buchen Sonnenbrand haben“, sagt Erik Martiné, der am Sonntagvormittag ein Dutzend Interessierte durch den Lohwald führt. An dessen südwestlichem Rand ist als eine Variante die Verlängerung der Bundesstraße 448 geplant. Deshalb hat die Bürgerinitiative „Stadtfieber – Für ein lebenswertes Offenbach“ zu dem Waldspaziergang eingeladen.

Martiné, der Biologe und Mitglied des Bündnisses gegen einen Ausbau der B448 ist, zeigt auf die Lichtung gegenüber. Der „Kahlschlag“ sei Grund dafür, weshalb die Buchen zu viel Sonne abbekämen und das drohe auch den Bäumen am Rand des Laubwaldes, entlang der S-Bahnstrecke, wo die B448 entlang führen könnte. 16 Meter breit solle die Fahrbahn dort werden. Einer der Teilnehmenden stellt sich unter die grünen Riesen in den ersten Reihen, um zu zeigen, wie viele Meter gerodet werden müssten. Die Bäume dahinter könnten einer „plötzlichen Sonneneinstrahlung nicht standhalten“, sagt Martiné. Unter den Rissen der Rinde würden sich Pilze ansiedeln und die Bäume nach und nach absterben, ergänzt der 25-Jährige. Auf rund 700 Jahre schätzt Martiné das Alter des Waldes mit einem kalkhaltigen Boden, der „für botanische Fachkundige wie Fresenius schon immer ein absoluter Geheimtipp“ gewesen sei. Ahorn, Ulmen, Silberpappel, Stiel- und Traubeneichen: „Der Wald beherbergt allein 20 Baumarten“. In ganz Hessen gebe es maximal 30 unterschiedliche Arten.

Der lohwald

Der 134 Hektar große Lohwald liegt im Osten Offenbachs und ist durch die höchste Erhebung der Stadt, den künstlichen Mülldeponie-Hügel Schneckenberg (179 Meter hoch), bekannt. Am südwestlichen Rand des Waldes, entlang der S-Bahnstrecke zwischen den Stationen Offenbach-Ost und Offenbach-Bieber ist möglicher Ausbau der Bundesstraße 448 angedacht, die dann in den Lämmerspieler Weg münden würde. cd

„Sind gegen Versiegelung“

Martiné berichtet, dass unter dem Schneckenberg, auf dessen grünem Hügel Solar-Module zu einer Photovoltaik-Anlage zusammen geschaltet sind, 4,5 Millionen Tonnen Müll abgelagert seien, darunter Altöle, Laugen und Basen. Der poröse Kalkboden sei durchlässig, sodass der Müll tiefer sacken könne. Eine Teilnehmerin befürchtet, dass durch „Erschütterungen“, den der Bau und die Nutzung der Straße hervorrufen würden, dieser Prozess beschleunigt werden könnte.

Während die Gruppe tiefer in den Wald hinein geht, wird es schattig und Martiné weist auf die „kühlende Wirkung des Wald-Mikroklimas im fast sub-mediterranen Rhein-Main-Gebiet“ hin. Ein Raunen geht nach diesen Worten durch die Gruppe. Harry Ness, von der Stadtfieber-Initiative, sagt: „Wir sind vor allem gegen Versiegelung“ und weiter: „Der Wald dient auch als Frischluftschneise für die Stadt“. Neben der Ansiedelung der Samson AG, für dessen Zulieferfirmen sowie Mitarbeitenden die B448 in erster Linie ausgebaut werde, fürchtet Ness „zwei bis drei Rechenzentren, die ihre Wärme in die Stadt reinpusten. Das potenziert sich“. Er fordert ein Umdenken, etwa, dass Lieferungen für Firmen über die Schiene transportiert werden sollten.

Ähnlich sieht das Andrea Rupp. Sie ist Anwohnerin und Mitglied der Bürgerinitiative „Natürlich Bieber-Waldhof“. Die 41-Jährige sagt: „Ein Ausbau der B448 bringt keine Entlastung der Bieberer Straße, sondern nur mehr Verkehr“. Sie fügt hinzu: „Die können doch nicht alles abholzen und irgendwo eine Ausgleichsfläche im Odenwald schaffen“. Das helfe der Offenbacher Stadt und Umgebung kaum. Tochter Sophia gibt sich kämpferisch wie ihre Mama. Die Neunjährige weiß: „Ohne Bäume gibt’s keinen Sauerstoff“. Und dem „Klimawandel“ müsse entgegen gewirkt werden.

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