+
Der „massige Baukörper“ des Baus an der Berliner Straße wirke „geradezu wie eine biblische Arche“, schreiben die Denkmalschützer.

Offenbach

Offenbach: Für besonders sorgfältige Sanierung ausgezeichnet

  • schließen

Ein Architektenteam erhält für den Umbau des markanten brutalistischen N+M-Hauses in der Offenbacher Innenstadt einen Denkmalschutzpreis.

Das Gebäude war völlig kaputt. Sowohl energetisch als auch haustechnisch“, erinnert sich Claus Marzluf. Der Architekt hatte 2015 mit seinem Kollegen Raimund Maschita von der MMZ Real Estate GmbH das markante N+M-Haus an der Berliner Straße mitten in Offenbach erworben und in den folgenden Jahren aufwändig saniert. Ein besonders schwieriges Unterfangen, denn der 1970 nach Entwürfen der bekannten Architekten Fritz Novotny und Arthur Mähner fertiggestellte Bau, der in Offenbach wegen der darin residierenden Volkshochschule auch als VHS-Haus bekannt ist, steht seit vier Jahren unter Denkmalschutz. Und es ist ein Gebäude im Stil des Beton-Brutalismus. Das heißt: Hinter den Innen- und Außenverkleidungen, ließ sich hier weniger als üblich machen – weil es nicht überall Verkleidungen gibt. Der Aufwand, aus dem Haus trotzdem ein energiesparendes und alle Brandschutzbestimmungen erfüllendes Gebäude zu machen, hat sich aber anscheinend gelohnt: Das Büro von Marzluf und Maschita hat für die sorgfältige Arbeit am N+M-Haus am Freitag den Denkmalschutzpreis der Stadt Offenbach erhalten.

Das achtgeschossige Gebäude ist das jüngste Denkmal Offenbachs. Es gilt neben dem ebenfalls denkmalgeschützten Rathausturm schräg gegenüber als Musterexemplar des Brutalismus – einem umstrittenen Baustil, der mit viel rohem Beton arbeitet und in den letzten Jahren, wo derlei Bauten vermehrt abgerissen wurden, wieder mehr Beachtung findet.

Laut der städtischen Denkmalschutzbehörde handele es sich bei dem Haus um das „mutige Produkt eines damals noch jungen Architektenteams“, das den Brutalismus „konsequent weiterentwickelt“ habe – es sei von „hohem künstlerischem Anspruch“. Die Mischung aus Büros und Wohnen sei heute wieder aktuell. Den Sanierern Marzluf und Maschita attestiert die Jury des Denkmalschutzpreises ein Auge für die Details: So haben die ungewöhnlichen runden Eckbereiche des Gebäudes zum Beispiel eine runde Isolierverglasung und einen runden Sonnenschutz bekommen. „Viel einfacher wäre es gewesen, die Eckbereiche einfach zu verschließen“, schreibt die Jury: „Dieses Detail zeigt, dass die Planer mit großer Sensibilität vorgegangen sind“.

Der Preis
Seit 2005 vergibt die Stadtverordnetenversammlung fast jedes Jahr einen Denkmalschutzpreis. Seit 2008 ist die Auszeichnung dank Rotary Club mit 3 000 Euro dotiert. Die Auswahl der Preisträger erfolgt in Absprache mit Denkmalbeirat und Ältestenrat.

Letztes Jahr gewannen den Preis Jacqueline und Peter Luh – für die Restaurierung einer Villa im Nordend. Claus Marzluf ist Architekt und Gesellschafter bei MMZ Architekten. Raimund Maschita ist Architekt und geschäftsführender Gesellschafter bei MMZ. (fab)

Der N+M-Bau ist seit einigen Jahren ein großer Bildungsstandort: Die Stadt mietet für die VHS alle sechs Bürogeschosse des Gebäudes – für 914 000 Euro im Jahr. Auf diese Nutzung habe man bei der Sanierung „alles abgestimmt“, erklärt Marzluf. Etwa die Zuschnitte der Büroräume und das Farbkonzept im Innenraum, das dezent genug in den typischen gelb-blau-roten VHS-Farbtönen daherkommt. Außen haben die Architekten – nachdem die Fassade in den Achtzigern teils rot und türkis angestrichen worden war – wieder für ein einheitliches Grau gesorgt. „Wir wollten das Gebäude wieder zu seinem Ursprung zurückführen“, sagt Marzluf. Er selbst beschreibt die brutalistische Architektur des Gebäudes als „herausragend in dieser Konsequenz“.

An vielen Stellen sei der rohe Beton zu sehen. Und die Grundrisse der in den oberen Etagen befindlichen 30 Wohnungen seien schlichtweg „genial“ – weshalb man sie auch nicht verändert habe. Auch habe man viele „filigrane“ Details wie die dünnen, abgerundeten Treppengeländer erhalten können.

Umsonst war eine solch detailverliebte Sanierung samt ungeplanter kostspieliger Asbestentsorgung freilich nicht zu haben: 15 Millionen Euro hat die MMZ Real Estate GmbH in das Gebäude investiert. Kein Wunder, dass nach Abschluss der Sanierung auch die Mieten erhöht wurden. „Ein paar Mieter sind aber verblieben“, sagt Marzluf.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare