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Auszubildende wie Valentin Heß und Sebastian Blank von GKN Driveline stellen Schülern und Eltern ihre Berufe vor

Wirtschaft

Azubis in Offenbach dringend gesucht

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ieben Unternehmen haben sich am Freitag bei der zweiten „Nacht der Ausbildung“ vorgestellt

Ein Wischen über das Smartphone und das Licht an den LED-Panels wird eingeschaltet. Michael Bauer, Auszubildender im dritten Lehrjahr bei Manroland Sheetfed, muss es am Freitagabend oft vorführen. „Die Programmierung von Smart-Home-Geräten gehört bei uns auch zur Ausbildung“, sagt er. Wenn also die Azubis während der Arbeit auf ihren Smartphones tippen, dann habe das nichts mit Nachrichten in Sozialen Netzwerken zu tun, sondern mit „Industrie 4.0“.

Der Besuch im Ausbildungszentrum bei Manroland ist nur eine von insgesamt sieben Stationen am Freitag. Die Industrie- und Handelskammer Offenbach und die beteiligten Unternehmen haben zur zweiten Nacht der Ausbildung geladen. „Die Resonanz vergangenes Jahr war sehr gut, so dass wir die Veranstaltung natürlich fortgesetzt haben“, sagt Thomas Süsser von der Bildungsberatung der IHK.

Busse stehen zur Verfügung, um interessierte Schüler und Eltern quer durch die Stadt zu den Unternehmen zu fahren. „Schon vor Beginn standen hier Schüler und fragten nach Infos zur Ausbildung“, sagt Lars Steinheimer, Azubi bei Manroland. Allein in den ersten eineinhalb Stunden seien rund 50 Besucher durch das Ausbildungszentrum geführt worden. Dort haben die Azubis für die Infonacht das Sagen, um den Schülern ihre Ausbildungsberufe vorzustellen.

Steinheimer selbst fand durch ein Praktikum seinen Ausbildungsplatz als Elektroniker für Betriebstechnik. „Das Praktikum war toll, es geht sehr familiär hier zu und wir können uns sehr viel selbständig erarbeiten“, sagt er. Oft seien es aber die Eltern, die Fragen nach Arbeitszeit oder Verdienst stellen würden. Cem und Felix sind ohne Eltern unterwegs. „Wir waren erst bei zwei Unternehmen, aber was da gezeigt wurde, ist schon interessant“, sagt Cem. „Etwas technisches“ soll es sein, sagt Felix, aber welcher Beruf der richtige für ihn wäre, das weiß er noch nicht.

Über 300 Ausbildungsberufe in der Region

Wie den beiden geht es vielen Schülern. Da es über 300 Ausbildungsberufe in der Region gibt, fällt die Auswahl schwer. „Und viele Schüler entscheiden sich dann erst für ein Studium“, sagt Peter Richter, Ausbilder bei der EVO. Oft würde das Studium dann nach ein paar Semestern abgebrochen und dann doch eine Ausbildung begonnen. Diesen Umweg bräuchte es aber nicht, wenn die Schüler sich gleich für eine Lehre entscheiden würden, sagt Danijela Boric, Personalleiterin von GKN Driveline.

„Vor einigen Jahren gab es noch rund 1200 Bewerbungen pro Ausbildungsjahr – heute sind es gerade einmal 500“, sagt Matthias Derzbach, Ausbildungsleiter bei Manroland Sheetfed. Daher sei es dringend notwendig, dass Ausbildungsbetriebe auf sich aufmerksam machen. „Wir müssen zeigen, wie vielfältig Ausbildung ist“, sagt er.

Teils von weit außerhalb des Rhein-Main-Gebietes würden Auszubildende genommen. „Dann ist aber die Gefahr groß, dass die Leute nach der Ausbildung wieder zurück wollen und uns hier nicht als Fachkräfte zur Verfügung stehen“, sagt Boric.

Wir haben 40 Ausbildungsplätze und nicht mal die Hälfte davon ist besetzt“, sagt Martina Fechter vom Finanzamt. Der Bedarf gerade an Finanzwirten sei groß. „Wobei wir in Offenbach noch gut dran sind, Frankfurt mit seinen fünf Finanzämtern sucht händeringend Nachwuchs.“

„Die Not ist aber bei technischen Berufen am größten“, sagt Richter von der EVO. Also müssen diese besonders beworben werden, so auch bei der Ausbildungsnacht. Dazu gehört auch etwas Show, um Aufmerksamkeit zu erzielen, etwa mit einer Fahrt auf einer Teleskoparbeitsbühne. In 30 Meter Höhe geht es hinauf, die Warteschlange davor ist lang. Die Jugendlichen vom Boxclub, die an der Ausbildungsnacht teilnehmen, wollen alle mitfahren.

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