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Glockengasse in der Offenbacher Altstadt 1938

Altstadt in Offenbach

Offenbach: Verdrängung verhindern

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Häuser sollen rekonstruiert und alte Wegeverbindungen wiederhergestellt werden. Doch ist das wirklich neu? Ein Kommentar. 

Der Antrag zur Aufwertung des historischen Stadtkerns werde der Start für einen Paradigmenwechsel in Offenbach sein. Sagt CDU-Fraktionschef Roland Walter. Er irrt. Denn die Weichen dazu wurden schon vor Jahrzehnten gestellt: mit dem Wiederaufbau der Kriegsruine Büsingpalais, der Erhaltung des Industriedenkmals Bernardbau oder durch den Rückbau der 31 Meter breiten Berliner Straße sowie den Abbriss der Treppen und Brücken der sogenannten Zweiten Ebene. 

Auch die Forderung nach Wiederherstellung alter Wegeverbindungen ist nicht neu. Die Neubauten an Stelle des Toys“R“Us-Gebäudes orientieren sich an alten Grundrissen und es wird wie früher einen Durchgang zur Sandgasse geben. Man möchte die Antragsteller fragen, ob sie den Masterplan von 2016 nicht kennen. In ihm ist festgelegt, wie sich das Quartier nördlich der Berliner Straße (um das es ihnen geht) entwickeln soll. Dort sind „Grün, Kultur und Bildung“ vorgesehen, ein Leitbild, das wegen der Schulen und der Hochschule für Gestaltung (HfG), der Bibliotheken, der Museen sowie den Parkanlagen und des Mainufers Sinn macht. Dass dabei auch historische Bezüge herausgearbeitet werden, sollte selbstverständlich sein. 

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Es ist unerklärlich, weshalb die Koalition ihr Ideen nicht in die Diskussionen um das Zukunftskonzept Innenstadt eingebracht wurden. Mit ihrem Antrag lenkt die Koalition von Problemen in der City ab, die in ihren Funktionen „Einkaufen und (Er)Leben“ gestärkt werden soll. Es besteht zudem die Gefahr, sich zu verzetteln, zumal das Planungsgebiet bis auf die Sandgasse größtenteils in Ordnung ist. Es entsteht der Eindruck, der CDU gehe es vor allem um die Sandgasse, wo sich eine Moschee, ein großer türkischer Supermarkt und die türkische Bäckerei Cavus befinden. 

Tatsächlich bietet die Sandgasse keinen schönen Anblick mit den schlichten Bauten, den Parkflächen und Brachen. Trotzdem wird diese Gegend intensiv genutzt, ist belebt und Teil der erwünschten Vielfalt in Offenbach als „Arrival-City“. Eine Blockrandbebauung wäre wünschenswert. Warum dort nicht Handel wie bisher und in den oberen Geschossen Wohnen ermöglichen? Eine Verdrängung der jetzigen Nutzungen darf es nicht geben. Die CDU sagt, die Altstadt müsse zum Identifikationspunkt werden. Aber das ist sie mit all den kulturellen Angeboten und Parks bereits. 

Die Sandgasse selbst ist ein beliebter Ort für viele Offenbacher, sofern man darunter nicht nur Ur-Offenbächer versteht. Unklar bleibt, was die CDU eigentlich will und von welcher Altstadt sie spricht. Wahrscheinlich meint sie den Zustand vor dem Krieg. Was meint sie mit Urbanität, wenn sie gleichzeitig dörfliche Fachwerkhäuser rekonstruieren will.

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