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Alles hausgemacht: Wiener Schnitzel und Bratkartoffeln.
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Alles hausgemacht: Wiener Schnitzel und Bratkartoffeln.

Offenbach

Österreichische Küche halal

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Ein Ägypter bringt in seinem Restaurant "Rosmarin" Wiener Schnitzel und Kaiserschmarrn nach Offenbach.Wie kommt er dazu?

Da liegt es, das österreichische Nationalgericht, das genauso aussieht, wie es auszusehen hat: dünn und mit welliger Kruste. Derjenige, der das echte Wiener Schnitzel auf den Teller gezaubert hat, sieht aber ganz anders aus als der Koch aus dem Alpenland, den man hier eigentlich erwartet: Mohamed El Amir ist Ägypter. Der Araber hat mit seinem Café-Restaurant „Rosmarin“ die österreichische Küche mitten in die Offenbacher City gebracht.

Warum bietet ein Ägypter in seinem Lokal Wiener Schnitzel an, statt die typisch orientalischen Falafeln auszubraten? „Ich liebe die österreichische Küche“, begründet der Mann mit dem kleinen Kinnbärtchen. Das ist nicht einfach nur so dahin gesagt: Mohamed El Amir hat österreichische Küche von der Pike auf gelernt. Erst im Hotel von Onkel und Vater im ägyptischen Hurghada, wo österreichische und deutsche Spezialitäten auf dem Speiseplan standen. Dann bei seiner Ausbildung zum Koch im Hotel des Onkels in Wien. „Seit 20 Jahren mache ich Wiener Schnitzel“, sagt er. Und noch viel mehr, was man mit der deftigen Küche aus dem Nachbarland verbindet: Kaiserschmarrn, Sissi-Schmarrn, Tafelspitz, Backhendl, Kasnocken und Rindersaftgulasch.

Auch das Ambiente gereicht jedem Wiener Kaffeehaus zur Ehre: Silberne Kerzenleuchter auf den Tischen, eine Ansicht der Stadt Wien im 17. Jahrhundert auf der einen Seite, ein Schwarz-Weiß-Bild eines Alt-Wiener Cafés auf der anderen Seite. Im Hintergrund läuft Mozart.

Das Restaurant belebt nicht nur das Stück Fußgängerzone vom Marktplatz zum Wilhelmsplatz, sondern ist auch ein Beispiel für gelebte Integration – und damit genau das, was das Miteinander in Offenbach ausmacht.

6,50 Euro für ein Drei-Gänge-Menü

Vor fünf Monaten hat El Amir zusammen mit seiner deutschen Frau Anke Hertrich das „Rosmarin“ im Kleinen Biergrund eröffnet. Mittlerweile hat das kleine Lokal Stammgäste gefunden. „Mittags sind wir immer voll besetzt“, sagt El Amir. Bei einem Kampfpreis von 6,50 Euro für ein Drei-Gang-Menü sind die 30 Plätze drinnen und die 20 Plätze draußen stets belegt. „Am Mittagsmenü verdiene ich nichts“, sagt der 41-Jährige, der seit 20 Jahren in Deutschland lebt. Seine Frau spricht von einem „Werbepreis“.

Das „Rosmarin“ ist ein Halal-Restaurant. Das heißt: Es gibt weder Schweinefleischgerichte noch Alkohol. Dass es sich trotzdem nur selten arabische Landsleute dort schmecken lassen, liegt nach Meinung von El Amir am fehlenden finanziellen Spielraum. „Die meisten essen in Offenbach billig am Imbiss“, erklärt er. Seine Frau Anke begründet das anders: „Die arabischen Frauen kochen meist selbst.“ 90 Prozent seiner Gäste seien Deutsche, sagt er.

Das Ehepaar, das sich keinen Ruhetag gönnt, geht mit dem vom Islam auferlegten Alkoholverbot locker um: Ein guter Wein zu gutem Essen ist hier durchaus möglich – wenn man ihn selbst von zu Hause mitbringt. „Der Gast darf hier mit seinem Lieblingswein ankommen, und wir schenken ihn dann aus zum Essen“, sagt Anke Hertrich. Ein Korkgeld werde nicht verlangt.

Das „Rosmarin“ ist schon das dritte Restaurant, in dem El Amir österreichische Küche anbietet. „Ich bin nach Offenbach gegangen, weil hier ein solches Restaurant fehlte“, sagt er. Erst betrieb er drei Jahre lang ein Lokal an der Sprendlinger Landstraße. Dann suchte er einen zentraleren Standort und zog an die Berliner Straße um. Ein Jahr später folgte dann die Eröffnung im Kleinen Biergrund. „Die Räume waren dort zu klein“, begründet er den Ortswechsel. Dem Namen ist er aber immer treu geblieben. Die Erklärung ist einfach: „Rosmarin ist mein Lieblingsgewürz.“

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