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Christine Sparr (re.) mit Helferin Elvira Gelfen bei der Lebensmittelausgabe.

Offenbacher Tafel

"Die Tafel hat jetzt mehr Arbeit"

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Die Offenbacher Tafel ist seit dem Frühjahr ein eigenständiger Verein. Aufwand und Kosten sind dadurch deutlich gestiegen. Zum Glück gibt es unbürokratische Hilfe.

Die Loslösung der Offenbacher Tafel vom Mutterverein in Frankfurt bereitet Christine Sparr Sorgen. Die Sozialarbeiterin koordiniert ehrenamtlich 19 Helferinnen und Helfer, die in Offenbach an mehreren Ausgabestellen etwa 800 Haushalte mit Lebensmitteln versorgen. Der Magistrat hat nun beschlossen, die Tafel finanziell zu unterstützen.

Die Offenbacher Tafel ist seit Frühjahr selbstständig. Was hat sich damit für Sie geändert?
Die Verantwortung ist größer und wir haben viel mehr Arbeit. Ein paar Beispiele: Ich kriege jetzt GEZ-Rechnungen für die Autoradios unserer Transporter, es kommt Post von der Berufsgenossenschaft, ich muss die Ehrenamtlichen versichern, und so weiter. Ich habe Kosten, von denen wusste ich vorher gar nicht, dass es sie gibt. Das läppert sich. Vor allem aber können wir bei Engpässen jetzt nicht mehr auf die Frankfurter Bestände an Lebensmitteln zurückgreifen. Zum Glück dürfen wir aber selbst zum Frischezentrum in Frankfurt-Kalbach fahren. Es ist halt ein weiter Weg und das kostet einiges an Benzin, aber das nehme ich in Kauf, damit ich mein Obst und mein Gemüse kriege…

…das sie an eine Schule und an Kitas in Offenbach verteilen.
Ja, denn die haben nur ein bestimmtes Budget für Essen und da ist oft kein Geld für Obst und Gemüse da. Es gibt auch Kinder, die zu Hause kein Frühstück bekommen haben. Oder in der Nachmittagsbetreuung, da sagen die Betreuer: „Die Kinder haben Hunger!“ Also kommen wir mit Obst und Gemüse.

Die Benzinkosten übernimmt ab kommendem Jahr die Stadt – 6000 Euro sollen dafür laut Magistrat in den Haushalt eingestellt werden.
Ja, Gott sei Dank nimmt uns die Stadt diesen Posten ab! Am Tag nach Ihrem letzten Artikel über uns zu dem Thema hat Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) bei mir angerufen und gesagt: „Kommen Sie her, wir müssen reden!“ Das fand ich schön. Unser Diesel ist also gesichert.

Ebenso der Treibstoff Ihres dritten Transporters, der mit Erdgas betrieben wird.
Ja, seit Mai bekommen wir das Gas von der Energieversorgung Offenbach. Und auch sonst gibt es viel Unterstützung hier in Offenbach. Ein Notar und ein Steuerberater machen alles kostenlos für uns. Da hätte ich in meinem Leben nicht mit gerechnet! Die haben sich solche Mühe gegeben, das sind ganz tolle Menschen.

Wo hapert es denn noch?
Wir haben im Jahr Ausgaben von etwa 22.000 Euro. Schön wäre es, wenn jemand die Patenschaft für je eines unserer Autos übernehmen würde, falls das mal in die Werkstatt muss – oder die Kosten für Versicherung und Steuern. Und wir haben in Offenbach auch noch nicht alle Supermärkte. Es gibt Märkte in der Stadt, die geben ihre Lebensmittel „Re-Food“ – das ist ein Betrieb, der aus dem Essen Biogas macht. Wir stehen in Konkurrenz mit denen. Und ich habe Angst, dass mit unserer Eigenständigkeit jetzt auch manche Spender aus Frankfurt abspringen.

Kommen denn viele Ihrer Spenden aus der Nachbarstadt Frankfurt?
Aber ja, Frankfurt ist eine reiche Stadt, Offenbach ist nicht so reich. Ohne die Helaba-Bank zum Beispiel wären wir nie soweit gekommen, oder ohne die Mitarbeiter mancher großer Firmen, die etwa im Dezember für Geschenke spenden. Ich brauche die Spenden ja auch für die Projekte, die wir hier machen: Für den Weihnachtsmarkt, den Ostermarkt, das Laternenfest und die Seniorenfeste, oder wenn wir zusammen Grüne Soße machen. Diese Projekte sind mir so wichtig! 

Bekannt ist der Weihnachtsmarkt der Offenbacher Tafel unter anderem für seine Verlosung.
Die Dr. Marschner Stiftung gibt mir jedes Jahr 5000 Euro, damit ich Weihnachtsgeschenke für Kinder einkaufen kann, die dann verlost werden – jedes Kind darf ein Los ziehen. 749 Kinder waren es letztes Jahr. Viel Unterstützung kommt auch von der Firma Erko, vom Rotary Club, vom THW und vom Stadtservice ESO, die danach alles wieder blitzsauber machen. Mitarbeiter der „Bank of New York“ in Frankfurt haben uns letztes Jahr vierzig Lederfußbälle geschenkt. Weißte wie geil das war für die Kinder, denen einen echten „Nike“-Fußball zu geben? Das war ein Traum. Und die Sachen, die übriggeblieben sind, bringen wir dann an Heiligabend zur Kinderklinik. Ich liebe es, Menschen eine Freude zu machen.

Interview: Fabian Scheuermann

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