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Blick aus der Landschaft in Richtung des zentralen Platzes im neuen Wohngebiet Waldhof-West.

Offenbach

Neues Stadtviertel mit viel Grün: Die letzte große Wohnbaufläche in Offenbach soll bebaut werden

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Offenbach: Architektenbüro Rheinflügel Severin gewinnt Ideenwettbewerb für zehn Hektar großes Wohngebiet in sensibler Landschaft.

Das Architekturbüro Rheinflügel Severin (Düsseldorf) hat zusammen mit dem Büro Landschaftsarchitektur (Solingen) den Ideenwettbewerb für das zehn Hektar große, in einem sensiblen Landschaftsraum gelegene Neubaugebiet zwischen Offenbach-Bieber und Waldhof gewonnen. Nach Ansicht der Jury unter Vorsitz von Professor Franz Pesch sollte der Preisträgerentwurf für die Entwicklung des Waldhof-West genannten Wohngebiets weiterverfolgt werden. Die Entscheidung treffen aber die Stadtverordneten.

Zehn Büros aus Deutschland hatten Pläne eingereicht. Die Herausforderung für Architekten und Landschaftsplaner war groß: Sie sollten für das letzte große Neubaugebiet im Offenbacher Südwesten Vorschläge für mindestens 600 Wohneinheiten entwickeln, aber gleichzeitig möglichst wenig Fläche verbrauchen, auf die hochwertige Landschaft mit ihren Biotopstrukturen und ihrer Bedeutung für die Naherholung Rücksicht nehmen sowie den massiven Bedenken der Bewohner im angrenzenden Viertel Rechnung tragen. Der Ideenwettbewerb hat laut Stadtplanungsamtsleiter Simon Valerius „fantastische Ergebnisse“ gebracht. Den zweiten Platz belegten Hille Architekten (Ingelheim), gefolgt von Thomas Schüler (Düsseldorf).

Baudezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) verteidigte bei der Vorstellung der Arbeiten am Montag das von Bürgern teilweise heftig kritisierte Neubauvorhaben. Es werde schon viel gebaut, aber das reiche nicht. 2008 habe die Stadt 118 000 Einwohner gezählt, Ende 2018 seien es 138 000 gewesen.

Noch ist die Aussicht von Waldhof aus ins Grüne frei.

2016 hatten die Stadtverordneten wegen des boomenden Wohnungsmarktes beschlossen, Baurecht für Waldhof-West zu schaffen, um den prognostizierten Bedarf von 10 000 Wohnungen mittelfristig zu decken. Bewohner des benachbarten Waldhof-Viertels hatten dagegen protestiert, unter anderem wegen der geplanten Sozialwohnungen, der Sorge vor neuen Hochhäusern und dem Verlust von Erholungsflächen.

Waldhof-West Ziel des Wettbewerbswar es, einen attraktiven Übergang vom Landschaftsraum der Bieber zum bestehenden Wohngebiet Waldhof zu schaffen. Innerhalb des 25 Hektar großen „Suchraums“ sollten maximal 10 Hektar mit rund 600 neue Wohneinheiten für 1500 Einwohner bebaut werden.

Nachhaltigkeitwurde in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht gefordert. Geplant sind 35 Prozent frei finanzierter, 30 Prozent geförderter und 35 Prozent gemeinschaftlicher/genossenschaftlicher Wohnungsbau.

Der Bebauungsplansoll im ersten Quartal 2020 beschlossen werden. Die ersten Häuser werden frühestens in fünf Jahren stehen. ags

Dieter von Lüpke (Frankfurt), einer von fünf Preisrichtern, griff die Kritik auf. Er sagte, die Planer hätten zwei Fragen beantworten müssen: ob es vertretbar sei, eine so sensible Landschaft in Anspruch zu nehmen. Und ob den Bürgern eine Bebauung direkt vor ihrer Nase zumutbar sei.

Beides bejahte er auch mit Blick auf den Preisträgerentwurf, der eine enge Vernetzung mit dem angrenzenden Stadtteil und der Bebauung an der Seligenstädter Straße vorsehe. Neben den Straßen gebe es ein dichtes Netz von Fuß- und Radwegen auch zum S-Bahnhof Bieber. Die fächerförmige Öffnung des neuen Stadtquartiers zur freien Landschaft sei auch ein Gewinn für Waldhof.

Lüpke sprach von „robusten Wohnblocks“ mit Innenhöfen, die Gemeinschaft förderten. Es sei eine Mischung unterschiedlicher Gebäudetypen vom Reihenhaus bis zum Geschosswohnungsbau möglich. Geplant seien zwei bis vier Geschosse, in einem Fall fünf. Nach dem Severin-Entwurf entstehen am zentralen Platz eine Quartiersgarage und ein Blockheizkraftwerk, am Rand Tiefgaragen und ebenerdige Stellplätze. Autos sollen nur Tempo 20 oder Schrittgeschwindigkeit fahren dürfen.

Die Ausstellung mit den Wettbewerbsarbeiten ist im Bernardbau, Herrnstraße 63, bis Freitag, 8. November, geöffnet. Montags bis mittwochs von 12 bis 14 Uhr und von 16 bis 18 Uhr, donnerstags und freitags von 15 bis 20 Uhr.

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