„Aber Vorsicht, it’s cool man“, sagt der Frankfurter Künstler Max Weinberg. Er steht vor der Christine Wagner Gallery, in der er seine „Frau mit Hut“ präsentiert. Inspiriert hätten ihn Frauen bei Pferderennen in England, wo er noch nie war.
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„Aber Vorsicht, it’s cool man“, sagt der Frankfurter Künstler Max Weinberg. Er steht vor der Christine Wagner Gallery, in der er seine „Frau mit Hut“ präsentiert. Inspiriert hätten ihn Frauen bei Pferderennen in England, wo er noch nie war.

Offenbacher Kunstansichten

’nen schönen Gruß aus Frankfurt

  • Christina Franzisket
    vonChristina Franzisket
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Bei den 13. Offenbacher Kunstansichten beweist Malerin und Fotografin Christine Wagner in ihrer neuen Galerie im Mathildenviertel, dass Offenbach Frankfurts Kreativzentrum ist.

Eine Frau mit Hut in Pink mit vielen Brüsten und nur einem Auge lehnt an einer Hauswand in der Mathildenstraße. Sie ist ein Kunstwerk, gemalt über drei Leinwände und steht vor der Christine Wagner Gallery, als ein erster Vorbote der 13. Offenbacher Kunstansichten, die am Freitag beginnen. 120 Künstler präsentieren dabei ihre Werke an 50 Orten in Offenbach.

Vor dem mannshohen Gemälde steht ein kleiner, alter Mann mit Rauschebart. Er trägt eine schwarz-weiße Damensonnenbrille, schlabbrige Hosen und ein gelbes T-Shirt. Seine Klamotten hat er mit Graffitifarbe pink besprüht. Es ist der Frankfurter Künstler Max Weinberg, das Gemälde eines seiner Originale.

Es scheint, als sei der fast 85-Jährige beflügelt von der frühlingshaften Luft in Offenbach, denn er versucht mit fuchtelnden Armen und strahlendem Gesicht überraschte Passanten als Besucher für die Kunstansichten zu gewinnen.

Offenbach bietet Ateliers

Hinter dem großen Schaufenster der kleinen Galerie von Malerin und Fotografin Christine Wagner laufen die Vorbereitungen für das Wochenende auf Hochtouren. Mit dem Titel „’nen schönen Gruß aus Frankfurt“ möchte Wagner bei den 13. Kunstansichten die These aus Albert Speers Denkschrift „Frankfurt für alle“ belegen. Darin behauptete Architekt Speer, dass die Zukunft der Frankfurter Kreativwirtschaft in Offenbach liege, und sorgte damit für einigen Wirbel.

Wagner sieht diese These heute als belegt an, denn immer mehr Künstler aus Frankfurt mieten Ateliers in Offenbach: „Wegen der desolaten Raumsituation von Kunstschaffenden in der Mainmetropole“, sagt Wagner. In Offenbach sei hingegen noch Raum vorhanden, Ateliermieten seien noch bezahlbar. Außerdem seien Künstler aus Frankfurt und Offenbach gut vernetzt und befreundet. Als Beweis stellt Wagner am Wochenende ihre Kunstfreunde aus Offenbach und Frankfurt aus. Darunter sind neben Max Weinberg auch Maler Martin Hakan Weigl und Barbara Greul Aschanta aus Frankfurt.

Weigl hat für die Kunstansichten sein Werk „Vanitas“ mitgebracht. Das große Gemälde zeigt in Weigls typischer Darstellungsweise, mit grellen Farben, eckig und hart gemalt, verschiedene Szenen, in denen er die Menschen und die Gesellschaft kritisiert. Weigl beschreibt darin auf moderne Weise die Todsünden Neid, Eitelkeit, Hochmut und Wollust. In der Mitte schwebt der schwarze Tod, als einzige Wahrheit.

Weigl wünscht sich, dass Betrachter sich Zeit nehmen für sein Werk: „Sie sollen entdecken und sich eigene Gedanken dazu machen“, sagt er.

Auch er fand kein bezahlbares Atelier in Frankfurt mehr: „Ich habe zur Zeit ein Atelier in Offenbach“, berichtet er. Barbara Greul Aschanta ärgert sich mit ihm: „Einen Ateliermietvertrag kriegt man in Frankfurt nur noch befristet auf zwei Jahre“, sagt sie, „wie soll man sich da als Künstler einrichten?“

Umso mehr begrüßen die Künstler die gute Zusammenarbeit mit der Stadt Offenbach und dem Kulturforum sowie den Einsatz von Wagner.

Christine Wagner eröffnete erst Ende 2012 ihre Galerie in der Mathildenstraße. Hinter einem großen Fenster verbirgt sich ein schmaler heller Raum mit einer Natursteinwand. Wagner, die vorher als Künstlerin im Atelierhaus B71 ansässig war, will nun im Mathildenviertel Raum für lokale, europäische und internationale Künstler schaffen und ihr Wirken bekannt machen. Dafür organisiert sie „spontane Lounge-Abende“, bei denen sie Kunst in ihrer Galerie erlebbar machen möchte. Bei ihren „Eventwochen“ zeigt sie Ausstellungen von Künstlern zu einem bestimmten Thema.

Greul Aschanta zeigt am Wochenende ihr Werk 1848: „Ich habe den Titel schönen Gruß aus Frankfurt ernst genommen und den Freiheitskampf in Frankfurt im Jahr 1848 thematisiert“, sagt die Künstlerin. Ihre Arbeit aus hochformatigen Leinwänden zeigt das Ideal eines Denkmals und mehrere Freiheitskämpfer.

Wagner stellt ihre Fotografien aus, die sie von Reisen mitbringt. Als Aufnahmen im Vorbeifahren beschreibt sie sie: „Mit Acrylglas und Beleuchtung verleihe ich den Momenten Tiefe.“

Sechs Künstler sind während der Kunstansichten in ihrer Galerie vertreten. Die Gäste können also direkt mit ihnen plaudern. Gemeinsam wollen die Künstlerfreunde bei der Vernissage am Freitagabend auch den 85. Geburtstag von Weinberg feiern.

Programm der Wagner Galerie (cwg), Mathildenstraße 18: Freitag, 26. April, beginnt die Vernissage um 19.30 Uhr; Samstag, 27. April, von 15 bis 21 Uhr mit Chansons von Eva Simonis; Sonntag 28. April von 12 bis 18 Uhr. Für Essen, Trinken und Atmosphäre ist gesorgt.

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