Offenbach

Müllheizkraftwerk verbrennt künftig auch Klärschlamm

  • schließen

Das Müllheizkraftwerk in Offenbach darf eine Anlage zur Verbrennung von Klärschlamm bauen.

Die Energieversorgung Offenbach (EVO) darf in ihrem Müllheizkraftwerk an der A3 bei Heusenstamm jährlich bis zu 100 000 Tonnen Klärschlamm aus kommunalen Anlagen verbrennen. Das Regierungspräsidium (RP) Darmstadt erteilte dem Unternehmen die Erlaubnis zur Errichtung und zum Betrieb einer Anlage, die aus zwei Drehrohröfen, in denen Temperaturen von 900 Grad herrschen, einem Klärschlammbunker inklusive Annahmehalle und einem Aschesilo besteht. Nach Angaben der Behörde wurde die Genehmigung mit zahlreichen Auflagen, etwa zu Lärmschutz und Abgasen, versehen.

Die Arbeiten für die neue Anlage sollen im April oder Mai 2019 beginnen. Die Fertigstellung ist für Mitte bis Ende 2020 vorgesehen, teilte EVO-Sprecher Harald Hofmann auf Anfrage mit. Derzeit liefen die Ausschreibungen. Die Kosten gab er mit 18 bis 20 Millionen Euro an. Ursprünglich war die Rede von 25 Millionen Euro gewesen.

Hofmann betonte, es werde keine zusätzlichen Belastungen in der Region durch die Klärschlammverbrennung geben. „Denn die gesamte Verarbeitung spielt sich innerhalb des Gebäudes ab. Es bleibt äußerlich unverändert und wird nicht erweitert“, so der Sprecher. Es komme modernste Technik zum Einsatz.

Außerdem sei schon 2016 in dem Müllheizkraftwerk an der Dietzenbacher Straße eine Rauchgasreinigungsanlage in Betrieb genommen worden, die vorhandene Schadstoffe vernichte. Der Klärschlamm werde mit Unterdruck verarbeitet. „Es wird keine Geruchsbelästigung geben“, versprach Hofmann.

Die neue Anlage soll Klärschlämme aus dem Rhein-Main-Gebiet annehmen. Das Interesse der Kommunen sei groß, sagte er. Das dürfte daran liegen, dass die braune, mit Schwermetallen, Chemikalien und Medikamenten belastete Brühe aus den Kläranlagen bald nicht mehr als Dünger in der Landwirtschaft verwendet werden darf. 

Darüber hinaus besteht nach Angaben des RP für Betreiber großer kommunaler Kläranlagen mittelfristig die Pflicht, den im Klärschlamm oder in der Asche enthaltenen Phosphor zurückzugewinnen. Dies wird in Offenbach der Fall sein. Der getrocknete Klärschlamm wird also nicht nur zur Energiequelle, die zur Trocknung der wässrigen Schlämme dient und auch ins Fernwärmenetz eingespeist wird. Hoffmann sagte, jährlich sollten mehrere 100 Tonnen des wertvollen und seltenen Rohstoffs Phosphor aus der Asche recycelt werden. 

Der angelieferte Klärschlamm wird trotz vorheriger mechanischer Entwässerung immer noch zu 70 bis 80 Prozent aus Wasser bestehen. Nach der Trocknung bleiben von den 100 000 Tonnen nur noch rund 20 000 bis 30 000 Tonnen ausgebrannter Klärschlamm übrig, der anschließend der Müllfeuerung zugeführt wird. 

Das Regierungspräsidium verlangt für die Bauphase ein Baustellenlärmminderungskonzept, um die Belastung für Mensch und Umwelt möglichst gering zu halten. Außerdem muss die EVO spätestens sechs Monate nach Inbetriebnahme der neuen Anlagenteile Messungen gemäß der Geruchsimmissionsrichtlinie durchführen. Darüber hinaus hat der Versorger sicherzustellen, dass bei allen Anlieferungen von Klärschlamm zum Bunker die Be- und Entlüftung in der Anlieferhalle eingeschaltet ist. 

Die Behörde genehmigte der EVO auch, künftig 300 000 Tonnen Hausmüll und gewerbliche Abfälle zu verbrennen. Das sind 50 000 Tonnen mehr als bisher. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare