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Mevlana-Sprecher Muhsin Senol (Mitte) erzählt Filmstudenten die Geschichte seiner Moschee.

Muslime in Offenbach

Moscheeverein setzt auf Dialog

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Die Mevlana-Gemeinde in Offenbach plant einen Moscheeneubau. Angesichts islamfeindlicher Vorstöße der AfD verstärkt sie ihre Öffentlichkeitsarbeit.

Die unverhohlene Islamfeindlichkeit der Offenbacher AfD und ihre Fundamentalkritik an einem geplanten Moscheeneubau in der Sandgasse führt dazu, dass die seit den 1980er Jahren dort ansässige Mevlana-Moscheegemeinde vermehrt den Kontakt zu anderen Teilen der Gesellschaft sucht – und ihre Öffentlichkeitsarbeit ausbaut. Wie der Sprecher der Gemeinde, Muhsin Senol, der FR bestätigte, wolle man die Pläne für die neue Moschee demnächst im Bauausschuss und in der Stadtverordnetenversammlung vorstellen.

Senol ist überzeugt, dass sich der in der Sandgasse geplante moderne, weiß verputzte Bau mit Glaskuppel und angedeutetem Minarett positiv auf das Image Offenbachs auswirken werde. Das Gebäude soll anstelle der umgebauten LKW-Werkstatt entstehen, die der rund 275 Mitglieder starken Gemeinde als Moschee, Gemeindezentrum und Jugendbildungsstätte dient. Vor allem für die Bildungsangebote – etwa Nachhilfe, Sprachunterricht oder Vorträge zu beruflicher Bildung – soll es im Neubau mehr Platz geben. Senol zufolge sind derzeit Teile dieser Angebote in das Gründerzentrum Ostpol ausgelagert.

Das Erscheinungsbild der Moschee solle europäisch wirken, sagt der Mevlana-Sprecher, dessen Vater die Gemeinde mitbegründet hat: „Du kannst keine orientalische Architektur mitten in Offenbach bauen.“

Noch hat die Gemeinde die 4,5 Millionen Euro nicht beisammen, die für den Neubau angesetzt sind. Dafür sammelt Mevlana deutschlandweit Spenden von Unternehmen und Privatleuten. Laut Baudezernat ist eine Bauvoranfrage vor zwei Jahren positiv beschieden worden. Unter Beachtung einiger Auflagen, es ging unter anderem um Abstandsflächen, könne jederzeit ein Bauantrag eingereicht werden (die FR berichtete).

Dass die AfD das Projekt ablehnt, liegt wohl schlicht an Islamfeindlichkeit – das legen die Redebeiträge der Fraktionsvorsitzenden im Stadtparlament, Christin Thüne, nahe. Unter anderem Vertreter der CDU äußerten die Sorge, dass es bei größeren Veranstaltungen künftig zu Parkplatzproblemen kommen könne. Auch von links kommt Kritik, nicht jedoch an dem Neubau, sondern an anderen Aktivitäten des Moscheevereins. So wirft die in im Rhein-Main-Gebiet lebende Bloggerin Sigrid Herrmann-Marschall, ein SPD-Mitglied, der Mevlana-Gemeinde vor, in deren Jugendarbeit gehe es „nationalistisch-identitär“ zu. Herrmann-Marschall bezieht sich vor allem auf Facebook-Beiträge und kritisiert auch, dass Redner mit „fundamendalistischen Haltungen“ wie der Gießener Turgay Altingeyik eingeladen wurden.

Senol bestätigt zwei Besuche Altingeyiks, betont aber, dass die Jugendabteilung wohl nicht zufrieden war, weil sie ihn sonst häufiger eingeladen hätte. „Referenten wachsen nicht an Bäumen“, ergänzt Senol. Auch ihn selbst hatte Herrmann-Marschall anlässlich seiner OB-Kandidatur 2017 kritisiert – unter anderem, wegen Mitgliedschaft in der Vereinigung „Union Europäisch-Türkischer Demokraten“ (UETD, heute UID), die als Lobby-Organisation der türkischen Regierungspartei AKP gilt. Zudem werde die Bewegung Millî Görüs, zu der die Mevlana-Gemeinde zählt, vom Verfassungsschutz beobachtet.

Senol tut derlei Kritik ab und verweist darauf, dass jeder sich ein eigenes Bild machen könne. Zwar habe die Gemeinde Probleme, deutschsprachige Imame zu finden, die Predigten würden aber stets ins Deutsche übersetzt. Viele Externe seien bislang aber nicht gekommen – selbst zu einer Infoveranstaltung zum Neubau seien nur 20 von 155 geladenen Nachbarn erschienen. Senol setzt deshalb auf sein persönliches Netzwerk: So mache etwa Loimi Brautmann mit seinen beliebten Stadttouren immer wieder Halt bei Mevlana. Und diese Woche besuchten Filmstudenten der Hochschule für Gestaltung die Moschee.

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