Offenbach

Moderne am Main

  • Lara Feder
    vonLara Feder
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Vor 175 Jahren legte das erste Dampfschiff an. Schraube war damals längst keine Selbstverständlichkeit.

Es ist 175 Jahre her: Offenbach zählte etwa 10 000 Einwohner. Am 3. Juli 1842 werden wohl viele von ihnen zum Main geeilt sein, um Sensationelles zu erleben: Zum ersten Mal legte in Offenbach ein Dampfschiff an, ein Raddampfer. Ein Zeichen von Fortschritt und Technik und der Beginn eines neuen Zeitalters. Noch war die Schiffsschraube nicht der selbstverständliche Antrieb.

Die Mainschifffahrt gab es indes schon lange. Dafür gibt es einen glaubwürdigen „Zeugen“. Als Johann Wolfgang von Goethe in Weimar an seinen Lebenserinnerungen arbeitete und sich seines Offenbacher Sommers von 1775 erinnerte, notierte er, damals in Offenbach „oft schon früh eine tätige Schifffahrt, von Flößen, von gelenkten Marktschiffen und Kähnen“ beobachtet zu haben.

Das Dampfschiff mit seinem Tiefgang wiederum kam mit dem Flachwasser des Mains nicht gut zurecht. Noch war der Fluss nicht kanalisiert. Als Lösung empfahl sich nun das Kettenschiff, zwar auch mit Dampf betrieben, aber bei weitaus geringerem Tiefgang.

In den 1880er Jahren erschien die neue Technik auf dem Main. Diese Schiffe hangelten sich an einer im Fluss liegenden Kette entlang. Von Mainz bis Aschaffenburg reichte die Kette auf dem 1886 eröffneten Abschnitt. Später gab es Verlängerungen bis nach Bamberg. Die Kette rasselte und dröhnte. Dazu brüllten die Dampfpfeifen wie wildgewordene Kühe. Das Kettenschiff hatte deshalb den Beinamen „Mainkuh“. In Offenbach war das die „Maakuh“.

Auf dem Main konnte man Kettenschiffe noch bis in die 1930er Jahre sehen, aber ihre Bedeutung war geschrumpft. Da hatten die letzten Dampfschiffe schon den Motorschiffen Platz gemacht, und für flotte Fahrt sorgten längst die Schrauben. Befördert hat das die Mainkanalisierung am Ende des 19. Jahrhunderts.

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