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Millionengrab ist verkauft

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Von: Annette Schlegl

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Die Ferienanlage in Göhren-Lebbin in der Region Mecklenburgische Seenplatte hat einen neuen Eigentümer. Damit sind die drohenden Rückzahlung für den Kreis Offenbach endlich vom Tisch.

Landrat Oliver Quilling (CDU) ist erleichtert: Das Kapitel Fleesensee kann endlich abgeschlossen werden. Die Ferienanlage in Göhren-Lebbin in der Region Mecklenburgische Seenplatte hat einen neuen Eigentümer. Damit geht der Landkreis als einer der 1800 Gesellschafter des Freizeit- und Urlaubsresorts zwar trotzdem mit einem großen Verlust aus der unrühmlichen Geschichte hervor, aber er kann sie endlich ad acta legen. Jahrelang schwebte das Damoklesschwert von Nachzahlungen über dem Deal, mit dem einst Steuern gespart werden sollten.

Die Ferienanlage „Land Fleesensee“ wurde 1998/99 über einen Fonds für rund 200 Millionen Euro in Mecklenburg-Vorpommern gebaut – von öffentlicher Hand zusätzlich hoch gefördert. Am 2. Oktober dieses Jahres wurde nun der Verkauf per notariellem Kaufvertrag besiegelt. Die Lindner Investment Management GmbH aus Düsseldorf hat das Freizeit- und Urlaubsresort mit einer Gesamtfläche von rund 550 Hektar von der Fleesensee Entwicklungs KG gekauft. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart.

Kaufpreis nicht genannt

„Fleesensee hat nie was abgeworfen“, sagt der Landrat. Dass der Kreis Offenbach in diese „Geldvernichtungsmaschine“ investiert hat, liegt jedoch nicht in seiner Verantwortung. „Verbockt“ hat das sein Vorgänger, Landrat Peter Walter (CDU). 14 Jahre ist es mittlerweile her, dass die Kreisversorgungsbeteiligungsgesellschaft (KVBG) ihre Anteile an der Energieversorgung Offenbach (EVO) für 78,7 Millionen Euro an die MVV Energie in Mannheim verkaufte. Knapp 8,1 Millionen aus diesem Erlös flossen sofort an die Fleesensee Entwicklungs KG in Berlin, um mit einer Beteiligung am Investmentobjekt „Land Fleesensee“ Steuern zu sparen. Damit kaufte sich der Kreis Offenbach dort als Kommanditist mit acht Prozent ein.

Das Geschäft entpuppte sich als Reinfall. „Anfang der 2000er-Jahre wurden Gelder an die Gesellschafter ausgeschüttet“, sagt Quilling. Rund 900 000 Euro gingen so auf das Konto der KVGB ein. Doch dabei handelte es sich nicht um einen Gewinn, sondern um einen Betrag aus der Stammeinlage. „Das Geld hätte unangetastet bleiben müssen, weil es zum Stammkapital der Gesellschaft zählt“, erklärt Quilling.

Viele Jahre lang lag die Rückzahlung der 900 000 Euro in der Luft. Bei einer Insolvenz der Gesellschaft, mit der Gläubigerbanken drohten, hätte der Kreis diesen Betrag zurückerstatten müssen. „Seitdem wir wussten, dass die Rückzahlung droht, haben wir in der KVBG Rückstellungen gebildet“, sagt der Landrat.

Haftungsfreistellung für die Gesellschafter

Nun konnte der jetzige Käufer laut Quilling mit den Banken aushandeln, dass die bisherigen Gesellschafter von der Haftung freigestellt sind. Damit können die Rückstellungen aufgelöst werden – genauso wie die KVBG, die zum 31. Dezember dieses Jahres liquidiert wird. Das KVBG-Restvermögen von gut 3,9 Millionen Euro fließt dann an den Kreis zurück.

„Schon als ich ins Amt kam, hat man versucht, Fleesensee zu verkaufen“, erinnert sich Quilling. Das war 2010. Dabei habe sich herausgestellt, dass keiner die Anteile des Kreises haben will. Dann kam das Urlaubsresort in Schieflage, im Jahr 2011 drohte die Insolvenz. Seit 2012 gab es immer wieder Gesamtpaket-Verkaufsversuche.

Insgesamt hat das finanzielle Engagement an der mecklenburgischen Seenplatte dem Kreis einen Verlust von rund 7,2 Millionen Euro eingebracht. Wiederholung ausgeschlossen: Der Gesetzgeber hat solchen kommunalen Anlagegeschäften mittlerweile einen Riegel vorgeschoben.

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