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Koordiniert ein Projekt zur besseren Sprachförderung an Kitas: Erzieherin Senay Öztürk.

Offenbach

Mehr Förderung für Kitakinder in Offenbach

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Deutschprojekt beginnt. Ausweitung der Kurse auf alle städtischen Kitas geplant

Im Jahr vor ihrer geplanten Einschulung sprechen in Offenbach viele Kinder noch nicht flüssig Deutsch: Bei den Kindern mit Migrationsgeschichte – und die machen in der Stadt knapp drei Viertel aller Kinder im Einschulungsalter aus – sprachen 2017 nur rund 28 Prozent fehlerfrei Deutsch. Und es werden jedes Jahr weniger. Das zeigen die Eingangsuntersuchungen, die vor der Einschulung vom Gesundheitsamt durchgeführt werden. Die Zahlen verdeutlichen, dass bei der Sprachförderung von Kitakindern über die laufenden Angebote hinaus Handlungsbedarf besteht. Der städtische Eigenbetrieb Kindertagesstätten Offenbach (EKO) hat deshalb mit dem Verein „Kinder Zukunft fördern“ ein einjähriges Pilotprojekt an der Kita 18 in der Bismarckstraße initiiert – bei Erfolg soll es 2020 auf alle städtischen Kitas ausgeweitet werden.

Kitakinder, die sich im letzten Jahr vor der Grundschule befinden, besuchen in der Kita 18 nun täglich einen Sprachförderkurs – in Gruppen von zehn Kindern. Vier 45-minütige Kurse gibt es jeden Tag. „Ziel ist es, das Sprachverständnis und den Sprachgebrauch der Kinder maßgeblich zu verbessern, damit sie erfolgreich an der Schule teilhaben können“, heißt es bei der Stadt. Damit das Team die Kurse in den Tagesablauf integrieren kann, wurde für ein Jahr die Erzieherin Senay Öztürk angestellt. Sie konzipiert die Förderkurse und berät ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Umsetzung. „Kinder Zukunft fördern“ stellt für die Stelle 75 000 Euro bereit.

„Viele Kinder haben einen ganz eingeschränkten Wortschatz“, sagt Karin Bahlo vom EKO. So wüssten zum Beispiel alle, wie sie eine Tür öffneten – den Begriff „Türgriff“ kennten viele aber nicht. Auch wüssten sie nicht, dass Türen „rechteckig“ seien. Gerade das sei aber wichtig, um später in Mathe bestehen zu können. „Wir setzen bei der Erfahrungswelt der Kinder an“, erklärt Öztürk. Man verbinde Spielen und Lernen. Ob das funktioniert, wird evaluiert. „Wenn Kinder mit fehlenden Deutschkenntnissen in die Schule gehen, sind weitere Probleme vorprogrammiert“, sagt der Vorsitzende von „Kinder Zukunft fördern“, Peter Matteo. Deshalb fördere sein Verein das Projekt.

Die Kita 18 am Offenbacher Hauptbahnhof wurde vom EKO bewusst ausgewählt: „Hier haben wir einen besonders hohen Bedarf für zusätzliche Sprachförderung festgestellt“, sagt Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne). In den städtischen Kitas gibt es schon Sprachprogramme – und Kinder, die bald in die Schule gehen und nicht gut Deutsch sprechen, können Vorlaufkurse besuchen, die das Land anbietet. Das Problem mit diesen Kursen ist Groß zufolge aber, dass sie oft an Schulen stattfinden und nicht direkt in den Kitaablauf integriert sind – Kinder, die von ihren Eltern nicht zu den Kursen gebracht werden könnten, nähmen oft nicht daran teil.

Die Stadt möchte solche Kurse deshalb künftig an allen städtischen Kitas anbieten. Wer das bezahlen soll, ist noch unklar. Beim hessischen Kultusministerium will man sich nicht festlegen. Auf Nachfrage heißt es, man werde „die Zusammenarbeit zwischen regionalen Trägern und Grundschulen stärken“. Zudem soll der Besuch der Vorlaufkurse für Kinder mit Sprachproblemen ab nächstem Jahr Pflicht werden.

Deutschkenntnisse

Alle Kinder eines Jahrgangs werden in Hessen neun Monate vor Schuleintritt untersucht. Der Fokus liegt neben Gesundheit auf Sprachentwicklung.

Die jüngsten Ergebnisse aus Offenbach stammen aus 2017. Untersucht wurden 1369 Kinder. Die Resultate im Bereich Sprachentwicklung waren schlechter als in den Vorjahren.

Grundschulen bieten Vorlaufkurse für Kinder an, die bei der Anmeldung zur Einschulung nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen.

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