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Mann in Bar erschossen

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Nach den Schüssen: Polizisten sichern Spuren an der Bar in Offenbach am Main.
Nach den Schüssen: Polizisten sichern Spuren an der Bar in Offenbach am Main. Boris Roessler/dpa © dpa

Nach den Schüssen mit einem Toten und einem Schwerverletzten in Offenbach: Augenzeugen aus der Nachbarschaft berichten von Hinrichtungs-Szenario.

Nach der Schießerei am Sonntagabend in der Bar „Black Diamond“ an der Hebe-straße/Ecke Friedhofstraße, bei der ein 48-Jähriger erschossen und ein 45-Jähriger schwer verletzt worden sind, gibt es neue Erkenntnisse. Es soll sich laut Polizei um einen 30- bis 40-jährigen Täter handeln, der mit einem schwarzen Pullover, schwarzer Baseball-Cap und dunkelblauer Jeans bekleidet war. Laut Zeugen soll der Schütze mit einem weißen SUV vorgefahren sein. Nachdem er die Black-Diamond-Bar betreten hatte, schoss er gezielt auf eine Personengruppe, die sich im Gastraum aufhielt. Nach den Schüssen sei der Täter geflüchtet, beschreibt die Polizei den Hergang.

Die Hinweise, dass es sich bei der Tat nicht, wie von vielen vermutet, um eine eskalierte Kneipenstreiterei gehandelt haben könnte, verdichten sich unterdessen immer mehr. Darauf deuten auch die Beobachtungen mehrerer Augenzeugen hin, die der Redaktion ihre Beobachtungen geschildert haben. „Es waren definitiv sechs oder sieben Schüsse“, sagt Jasmin L.. „Ganz schnell hintereinander.“ Sie sei gerade in ihrem Bad gewesen, als sie das Knallen gehört habe. Ihr Mann hätte sofort das Fenster aufgemacht und beide hätten gesehen, wie die Menschen aus der Bar stürmten. Auch die Kinder der Familie haben das Drama mitbekommen. Die Tochter: „Mehrere Leute haben laut um Hilfe geschrien.“

Anwohner Jürgen A. bestätigt L.s Schilderung. „Die sind alle wie wild raus und haben sich in den Seitenstraßen verteilt.“ Viele hätten telefoniert. Auch er spricht von einer extrem kurzen Schussfolge. „So schnell kann keiner abdrücken, das war eine automatische Waffe“, ist er sich sicher. Er spricht von „etwa fünf, sechs Schüssen“, die zu hören waren. „Das klang wie eine Hinrichtung.“

Auffällig: Beide Zeugen berichten übereinstimmend, dass keine Person nach den Schüssen weggerannt oder schnell weggefahren sei. Das bestätigt auch ein weiterer Zeuge aus der direkten Nachbarschaft. Er sei gerade am gegenüberliegenden Kiosk Zigaretten kaufen gewesen, als die Schüsse fielen. Laut Polizei gibt es Hinweise darauf, dass ein weißer SUV kurzfristig direkt vor der Bar geparkt wurde. Ist der Täter also nach der Tat in aller Seelenruhe in sein Fahrzeug gestiegen und weggefahren? Der Zeuge ist sich sicher: „Die Leute waren zwar aufgeregt, aber keiner ist zu Fuß geflüchtet oder mit dem Auto weggerast.“

Dass es sich um eine geplante Hinrichtung gehandelt haben könnte, wird auch in Ermittlerkreisen vermutet. Demnach sei es vor allem die Kombination aus der extrem schnellen Schussfolge und der Erkenntnis gewesen, dass der Täter die Bar nach der Tat offenbar unauffällig verlassen habe, die zu diesem Schluss geführt hätten. Die Beobachtungen der Anwohner wollte Rudolf Neu, Sprecher des Polizeipräsidiums Südosthessen, nicht kommentieren: „Wir können zum Tathergang oder zum Umfeld, in dem ermittelt wird, keine Angaben machen. Wir würden sonst die Ermittlungen gefährden.“

Was nach der Tat geschah, hat Jasmin L.s Lebensgefährte Matthias K. aus nächster Nähe beobachtet. Auf seinem Weg zum Kiosk habe er die dramatische Szenerie durch die geöffnete Bartür sehen können. „Der Tote lag im linken Bereich der Bar. Der Schwerverletzte im Eingangsbereich, eher mittig“, schildert er die Situation.

Am Anfang hätten die Polizisten, die zuerst vor Ort waren, noch wie wild nach mehr Verbandskästen gerufen. Als dann der Notarzt kam, wurde der Mann reanimiert. „Ich konnte sie deutlich zählen hören“, erinnert sich K. „Nach zwanzig Minuten war es dann vorbei.“ Der Schwerverletzte sei zügig abtransportiert worden. Unterdessen habe die Polizei die rund „20 bis 30 Barbesucher“ als Zeugen festgehalten und nacheinander vernommen. Er selbst sei dann wieder schnell zu seiner Familie gegangen, „um gemeinsam den Schock zu verarbeiten“.

Der Täter war bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe noch auf der Flucht. Hinweise von weiteren möglichen Augenzeugen erbittet die Kriminalpolizei unter 069 /80 98 12 34.

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