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Lust, Liebe und Verehrung

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Von: Madeleine Reckmann

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Robert Schwarz montiert seine Collage.
Robert Schwarz montiert seine Collage. © Chris Hartung

In einer neuen Doppel-Ausstellung zeigt das Klingspor-Museum Illustrationen zu Goethes Werken und dem Hohen Lied der Liebe - mit einem Künstlerbuch von Robert Schwarz als Klammer.

Wild, dunkel, geheimnisvoll – so wirkt die Collage des Künstlers Robert Schwarz zu dem Hohen Lied der Liebe des Salomo. Die 18 Bögen aus seinem Künstlerbuch nehmen zusammen fast die ganze Frontseite des Ausstellungsraums im Erdgeschoss des Klingspor-Museums ein. Erotische Frauenfotos aus Magazinen hat Schwarz mit Blumen- und Blätterornamenten kombiniert, so dass sich der Goethe'sche Text, die Übersetzung der griechischen Überlieferung, fast in dem Motiv-Mix verliert.

Das Künstlerbuch, eine Auftragsarbeit des Museums, bildet die Klammer für die beiden Ausstellungen „Kosmisch: Buchkunst zu Goethe“ und „Biblisch: Das Hohe Lied der Liebe“. Darin präsentiert das Museum im Wesentlichen Exponate aus dem eigenen Bestand. Die Ausstellung der Goethe-Ausgaben stellte die Bibliothekarin Martina Weiß aus dem zusammen, was sich in den Lagern angesammelt hat.

„Es war nicht einfach, aus der Vielzahl der Goetheausgaben auszuwählen“, sagt sie. Mit dem Goethe-Thema huldigt das Museum zum 200-jährigen Bestehen der Offenbacher Freimaurerloge „Carl und Charlotte zur Treue“ in diesem Jahr dem großen Dichter. Goethe war Freimaurer und fühlte sich dem Humanitätsideal verpflichtet.

35 Titel zum Hohen Lied der Liebe stammen aus Museumsbeständen. Kurator Christian Scheffler, der frühere Leiter des Klingspor-Museums, gelang es aber auch, Stücke aus einer Mainzer Privatsammlung zu zeigen. Es sind auch Bücher und Drucke aus seinem persönlichen Besitz dabei. „Wir möchten mit den bekannten Titeln zeigen, was das Museum alles bietet“, sagt Stefan Soltek, der das Museum leitet. Das älteste Werk der Hohe-Lied-Ausstellung und laut Scheffler eine typographische Kostbarkeit ist eine italienische Version des Liedes der Liebe von 1800 vom Meisterdrucker Giambattista Bodoni, das Napoleon gewidmet ist.

Goethe und Herder erkannten zum ausgehenden 18. Jahrhundert in dem Text aus dem Alten Testament weltliche und erotische Liebeslyrik. Zuvor waren sie als Darstellung der Gottesliebe gelesen worden. Die Illustrationen zeigen also Lust, Verführung und Sinnlichkeit. Gerhart Kraatz schuf 1962 Lithographien, die mal mit Tüchern verhüllte, mal nackte Frauen zeigen. Auch die Lithographien von Lovis Corinth strahlen Sinnlichkeit aus.

Die Goethe-Ausstellung zeigt mit den Volksausgaben, Kinderbüchern und Persiflagen vor allem, wie populär der Dichter ist. Das Kabinettzimmer ist den Verulkungen gewidmet. Statt Blümlein findet ein Autor Fleischwurst am Wegesrand, als er so für sich hinging.

Ernst und Würde sprechen aus den Lithographien von Max Liebermann und Ernst Barlach zu Gedichten. Viele berühmte Künstler haben Goethe illustriert. Henry Moore hat 1950 zum Drama Prometheus gearbeitet. Werke von Max Beckmann, Max Slevogt und Max Peiffer-Watenphul sind zu sehen. Auch zeitgenössische Künstler wie Ryoko Adachi und Anja Harms sind dabei.

Goethe selbst habe den Illustrationen seiner Werke kritisch gegenübergestanden, sagt Kuratorin Weiß. Die Faust-Darstellung von Eugène Delacroix habe es ihm aber angetan. Ein Nachdruck ist ausgestellt.

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