Glaubt, dass Hemmschwelle für rassistisch motiviertes Handeln sinkt: Yasmaa El-Mallah vor ihrer Bushaltestelle in Offenbach-Bürgel.
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Glaubt, dass Hemmschwelle für rassistisch motiviertes Handeln sinkt: Yasmaa El-Mallah vor ihrer Bushaltestelle in Offenbach-Bürgel.

Rassismus-Vorwurf

Linie 101 fährt ohne Frau El-Mallah

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Eine Busfahrerin der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) weigerte sich, die Marokkanerin Yasmaa El-Mallah zu befördern. Die OVB betont, dass es keine "keine rassistischen Tendenzen" im Unternehmen gebe.

Was ihr am Mittag des 7. Juli passiert ist, das schockiere sie noch heute, erzählt Yasmaa El-Mallah: An diesem Tag sei die 40-Jährige auf der Linie 101 zwischen Offenbach-Bürgel und der Innenstadt mit ihrer Busfahrerin in Streit geraten – unter anderem wegen deren rabiaten Fahrstils, den El-Mallah als „Gefahr für die Allgemeinheit“ beschreibt. Die Busfahrerin habe sie rausschmeißen wollen, und als sie dann am Marktplatz ausstieg, sei es zum Eklat gekommen: „Die Busfahrerin hat mich als dreckige Fotze und Schlampe betitelt und gesagt, dass wir hier in Deutschland wären und sie deshalb tun und lassen kann, was sie will.“

Und genau das hat die Busfahrerin nun offenbar auch getan: Als sie El-Mallah am Dienstag dieser Woche auf Höhe der Hans-Böckler-Siedlung zu sich in den Bus steigen sah, habe sie den Motor ausgestellt und so lange gewartet, bis die Marokkanerin den Bus wieder verließ. „Ich befördere Sie nicht“, habe die Busfahrerin gesagt und sie somit „vor den anderen Fahrgästen gedemütigt“.
Yasmaa El-Mallah hatte sich direkt am 7. Juli mit einer Beschwerde an die Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) gewandt und von einer Anzeige bei der Polizei abgesehen – weil ihr die OVB zugesichert habe, sich um den Fall zu kümmern. Nun, da sie trotz Beschwerde nicht befördert worden ist, wendet sich El-Mallah an die Frankfurter Rundschau: „In meinen Augen hat mich die OVB völlig im Stich gelassen, ich fühle mich so hilflos und nicht wahrgenommen“, sagt die Monatskartenbesitzerin.

Bei der OVB heißt es auf Anfrage, dass die Busfahrerin in einem Gespräch bestritten habe, El-Mallah am 7. Juli „im Zuge der verbalen Auseinandersetzung beleidigt zu haben“. Dass sie die OVB-Kundin am 24. Juli nicht von Bürgel in die Innenstadt befördert hat, ist hingegen bestätigt. „Hier liegt ein eindeutiges Fehlverhalten der Fahrerin vor“, sagt OVB-Sprecher Jörg Muthorst. Man werde deshalb „arbeitsrechtliche Maßnahmen ergreifen“ – was das für Maßnahmen sind, verrät die OVB allerdings nicht.

Yasmaa El-Mallah leitet einen Gastronomiebetrieb in der Offenbacher Innenstadt. Seit ihrer Geburt in dem grauen Hochhaus des städtischen Klinikums vor 40 Jahren lebt sie in der Stadt. Und seitdem habe sie in ihrer rhein-mainischen Heimat keine Probleme mit Rassismus gehabt, erzählt die Tochter marokkanischer Einwanderer. Dass es nun dazu gekommen sei, bringt sie mit dem veränderten gesellschaftspolitischen Diskurs in Verbindung, bei dem es fast nur noch um Abgrenzung, Abschottung und Ausweisung gehe. „Möglicherweise fühlen sich manche Leute, die vorher schon solche Meinungen hatten, bestätigt und trauen sich nun auch, diese zu äußern“, vermutet El-Mallah.

Die OVB betont in diesem Zusammenhang, dass es bei den Offenbacher Busbetrieben  „keine rassistischen Tendenzen“ gebe und man solche auch nicht tolerieren würde. Vielmehr arbeiteten bei der OVB Menschen unterschiedlichster Nationalitäten „kollegial zusammen“. Und dass eine sich friedlich verhaltende Kundin – aus welchen Gründen auch immer – nicht befördert werde, sei ein „Ausnahmefall, den wir bedauern“, sagt OVB-Sprecher Muthorst. Die Verkehrsbetriebe unterlägen der Beförderungspflicht, führt er weiter aus: „Nur in Ausnahmefällen wie etwa starke Alkoholisierung oder den Fahrbetrieb und die Sicherheit der Fahrgäste gefährdendes Verhalten eines Fahrgastes darf unser Personal von seinem Hausrecht Gebrauch machen und eine Beförderung ablehnen.“

Yasmaa El-Mallah fragt sich trotz dieser Entschuldigung nun, was sie machen soll, falls sie wieder einmal nicht befördert – oder ausländerfeindlich beleidigt – werden sollte. Die Polizei rufen? Wieder die Presse verständigen? „Ich habe Angst, dass ich abends an der Bushaltestelle stehe und mich die Busfahrerin wieder nicht mitnimmt“, sagt El-Mallah.

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