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Hautnah testete die Jugend den Beruf des Feuerwehrmannes.

Rodgau

Ausbildung zum Greifen nahe

Die Bildungsmesse in der Rodgauer Heinrich-Böll-Schule ist sehr gut besucht. Besonders groß ist der „Run“ auf Beamtenlaufbahnen.

Von János Erkens

Felix Kloos ist ein eher ungewöhnlicher Fall. „Ich habe mich in der 11. Klasse entschieden, lieber etwas Praktisches zu machen, also eine Ausbildung zum Tischler.“ Der junge Mann, der mit seiner Kollegin Jasmin Trier dicke Holzbretter zu filigranen Spielwürfeln sägt, wirbt am Samstagvormittag bei der jährlichen Bildungsmesse in der Rodgauer Heinrich-Böll-Schule (HBS) für sein Metier, das mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen hat. „Wir müssen das Handwerk bei Schülerinnen und Schülern präsenter machen“, erklärt Uwe Czupalla von der Kreishandwerkerschaft. Neben den Handwerker-Innungen, die etwa die Berufe Tischler, Raumausstatter, Kfz-Mechatroniker und Frisör präsentieren, sind auch noch über hundert andere Aussteller in der und um die HBS zugegen.

Die Messe ist die kreisweit einzige und wirbt um Interessierte aus der gesamten Region – für einige Jugendliche aus dem Kreis ist der Besuch der Bildungsmesse sogar verpflichtend. Die Zöglinge von Sina Koch etwa müssen am Samstagvormittag auf der Messe erscheinen. „Die Schülerinnen und Schüler haben hier die Möglichkeit, direkt in Kontakt mit den Ausbildungsbetrieben zu treten und sich aus erster Hand zu informieren“, erklärt die Lehrerin von der Adolf-Reichwein-Schule.

Die Haupt- und Realschule in Heusenstamm kooperiert schon im regulären Schulbetrieb mit regionalen Unternehmen, um ihren Schülern den Einstieg in den Beruf zu erleichtern. Umso mehr ist Koch enttäuscht, dass sich die Stände der Lebensmittel-Discounter Aldi und Lidl keiner besonders großen Beliebtheit erfreuen. „Das sind auch Kooperationspartner von uns und die Aufstiegschancen dort sind ziemlich gut“, findet die Pädagogin.

Dennoch sind Arbeitgeber wie etwa das Land Hessen mit den Abteilungen Polizei, Justiz und Finanzverwaltung sichtlich besser besucht: „Weißt du, was du für Vorteile hast, wenn du Beamte bist?“, schwärmt eine Mutter ihrer skeptisch dreinschauenden Tochter vor.

Eine andere Mutter informiert sich im Auftrag ihres abwesenden Sohnes über die Ausbildungsmöglichkeiten beim Kommunikationsdienstleister Telekom. Xenia Knapp, die in Bielefeld ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre absolviert und darin gerade bei der Telekom in Darmstadt Station macht, erklärt, was im Zeugnis wichtig ist: „Neben guten Noten sollten da natürlich auch keine unentschuldigten Fehltage drin stehen.“ Außerdem könne es nicht schaden, wenn Bewerber in ihrem Anschreiben erwähnen, dass sie auf der Bildungsmesse gewesen sind.

Ein zumindest optisches und interaktives Highlight der diesjährigen Bildungsmesse ist der zweistöckige „Biotechnikum“ – ein Truck, mit dem das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) durch Deutschland tourt. In dem Ausstellungsfahrzeug zeigen Tim Fechtner und Anne Wiekenberg die „riesige Bandbreite an Jobs“, in denen Biotechnologie eine Rolle spielt. Neben zahlreichen möglichen Studiengängen zählen auch Ausbildungsberufe wie biologisch-technische Assistentin, chemisch-technischer Assistent, landwirtschaftlich-technischer Assistent, umweltschutztechnischer Assistent und diverse andere zu dem interdisziplinären Fach.

„Ich schwanke noch zwischen einem naturwissenschaftlichen und einem sozialen Beruf“, erzählt Imane Meziani, während sie mit einer Präzisions-Pipette tropfenweise Apfelschorle in ein Röhrchen zieht. Unter Anleitung von Tim Fechtner ermittelt die Neuntklässlerin gerade, welcher Saft oder Softdrink am meisten Zucker enthält. „So oder so muss ich aber erst mal die Hauptschule fertig machen und dann die Mittlere Reife draufsetzen.“ Ein Handwerk kommt, soviel ist sicher, für sie nicht in Frage.

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