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Diese "Sneaker-Gumshoes" sind ein Highlight der Ausstellung.

Ledermuseum in Offenbach

Ledermuseum startet neue Gesprächsreihe

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Die Lederindustrie ist wegen erschreckender Produktionsbedingungen in Asien in Misskredit geraten. Eine neue Gesprächsreihe im Offenbacher Ledermuseum will aufklären und vermitteln.

Schon „Ötzi“ trug Schuhe und Kleidung aus Leder. Es ist ein Urmaterial, das sich der Mensch schon vor Jahrtausenden zunutze gemacht hat. Doch in jüngerer Zeit ist die Lederindustrie in Misskredit geraten: etwa wegen erschreckender Produktionsbedingungen in Asien. Mit einer neuen Gesprächsreihe „Leder im Wandel“ will das Deutsche Ledermuseum informieren und vermitteln.

Die erste Veranstaltung findet am Sonntag, 20. Januar, um 11 Uhr in dem Museum (Frankfurter Straße 86) zum Thema „Leder – Innovation und Experiment“ statt. Unter der Moderation der Frankfurter Journalistin Anett Göthe werden Haiko Schulz, Geschäftsführer des Forschungsinstituts Leder und Kunstoffbahnen aus Freiberg bei Dresden, und Andreas Meyer, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Lederindustrie (Frankfurt), diskutieren.

Museumsleiterin Inez Florschütz bezeichnet Schulz als einen großen Vermittler, der auch komplexe Themen verständlich darstellen könne. Es handle sich um ein unabhängiges Forschungsinstitut, in dem auch nach Alternativen zu dem Naturprodukt und lederähnlichen Materialien geforscht werde.

Ist die Gesprächsreihe auch eine Reaktion auf eine kritische Öffentlichkeit, die in der Lederbranche Nachhaltigkeit und Ökologie vermisst? Ja, sagt Florschütz. Es werde auch um wirtschaftsethische Fragen gehen. „Wir wollen aufklären.“ Denn zu Recht würden die schlechten Arbeitsbedingungen in den Gerbereien in Indien oder Bangladesch kritisiert.

Leder im Wandel

„Leder im Wandel“: Der Titel der Reihe soll Florschütz zufolge möglichst viele Facetten zum Thema Leder beleuchten. „Wir wollen mehr Transparenz und ein Bewusstsein für innovative und nachhaltige Herstellungsprozesse schaffen.“ In Deutschland verfügten die meisten Gerbereien über eigene Kläranlagen und achteten auf die Umweltbedingungen.

Die Museumsleiterin will zeigen, was es an Veränderungen gibt. „Das meinen wir mit ‚Leder im Wandel‘“, sagt sie. Sie will positive Beispiele für eine nachhaltige Lederproduktion vorstellen, etwa das Unternehmen aus Sachsen-Anhalt, das statt auf Chromsalze auf den Extrakt von Rhabarberwurzeln beim Gerben setzt.

Im multimedialen Projektraum „Leder von A bis Z“, der im vergangenen Jahr eröffnet wurde, können bereits vegane Ersatzmaterialien zum Leder bestaunt werden. Bei Besuchern besonders beliebt ist ein Turnschuh, dessen Sohle aus recyceltem Kaugummi ist, der vom Boden der Amsterdamer Innenstadt weggekratzt wurde. Florschütz hat den Schuh in die Sammlung aufgenommen, „weil das Projekt ein Anstoß sein kann zu experimentieren“.

Die Ausstellungen auf einen Blick: „Im Fokus: Taschen“, die Studioausstellung im Deutschen Ledermuseum, Frankfurter Straße 86, läuft bis 3.2.; „Leder. Welt. Geschichte“, die Jubiläumsschau zum 100-jährigen Bestehen des Museums noch bis Ende März. „Fester Stand und schöne Hülle“: Im Oktober 2019 wird die neue Ausstellung eröffnet, die, ausgehend von der einzigartigen Schuhsammlung des Ledermuseums, einen Überblick über Schuhe aus aller Welt und allen Epochen vom Bärenfellstiefel japanischer Samurai bis zu futuristischen Sneakern aus dem 3D-Drucker bietet.

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