+
Thomas Picard schaut jeden Tag in der Fabrikation vorbei.

Lederwarenmesse

Ein Leben rund ums Leder

  • schließen

280 Anbieter stellen auf der Lederwarenmesse in Offenbach aus. So auch das Traditionshaus Picard aus Hausen. Thomas Picard leitet als Vizepräsident auch die Geschicke der Messe.

Ruhige Geschäftigkeit bestimmt die Atmosphäre in der Fabrikation, es riecht nach Leder und Klebstoff. Beim Gang durch die Halle macht der Chef überall halt, berührt die Lederteile in den verschiedenen Stadien der Fertigstellung: Häute, Streifen, die zu Handtaschengriffen werden sollen, Taschenhüllen, Taschenfutter. „Hier wird das Leder geschärft“, erklärt Thomas Picard einen Arbeitsvorgang; zeigt, wo entworfen, zugeschnitten, geklebt, genäht, gestanzt wird.

Am Firmensitz im Obertshausener Stadtteil Hausen produziert der bekannte Lederwarenhersteller Picard seit der Gründung im Jahr 1928. Hier, wo auch heute noch 60 Mitarbeiter Taschen in Handarbeit fertigen, ist Thomas Picards berufliches Zuhause. „Schon als Kind habe ich in der Fabrik gespielt“, erzählt der 64-jährige Geschäftsführer des Familienunternehmens, das sein Großvater ins Leben rief. Wenn er Ende des Jahres die Geschäfte an seinen Neffen Georg Picard übergeben wird, kann er auf fast 40 Jahre in der Geschäftsführung zurückblicken.

Direkt nach seinem Studium der Betriebswirtschaft trat er Anfang der 70er Jahre in die Firma ein. „Ich wollte immer ins Unternehmen“, hebt Picard hervor. Dort hat er sich um das Controlling gekümmert, war Verkaufsleiter und hat designt – ohne Computer: „Man muss das im Bleistift haben.“ Und er hat die Fertigung im Ausland aufgebaut. Denn am deutschen Stammsitz wird nur noch die exklusive „Made in Germany“-Kollektion des international aufgestellten Hauses hergestellt. Die Mehrheit der insgesamt rund 2000 Mitarbeiter fertigt in den firmeneigenen Produktionsstätten – „wir beauftragen keine Subunternehmen“ – in Tunesien, Bangladesch und der Ukraine. In Obertshausen sitzt das Know-how. Hier wird entworfen und die Musterstücke werden gefertigt. Hier werden die Feintäschner ausgebildet, die dann in den Fabriken weltweit ihr Wissen an die Beschäftigten weitergeben. „Wir sind immer wieder vor Ort“, sagt Picard, „wir wollen, dass überall so gearbeitet wird wie hier.“ Dabei lege das Unternehmen Wert auf hohe Arbeitsstandards für die Mitarbeiter und engagiere sich auch sozial, etwa mit einem firmeneigenen Kindergarten in Bangladesch. Die „Zufriedenheit der Mitarbeiter und ihre Freude an der Arbeit“, nennt Picard als eines der Dinge, die ihm im Rückblick auf sein Berufsleben besonders wichtig waren und sind.

#article

Was sein vorrangiges Ziel gewesen sei? „Die Firma als Familienunternehmen erhalten.“ In den 70er Jahren ging es dem Lederwarenhersteller nicht gut. Dagegen stemmte sich Picard nicht nur mit der Verlagerung der Produktion ins Ausland, sondern auch mit der Entwicklung der Marke. „In Deutschland haben wir einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht, jetzt möchten wir das auch international schaffen.“ Trotz des globalen Engagements ist Picard in der Region verwurzelt. So lebt der weitgereiste Mann nicht nur in seinem Elternhaus in Hausen, sondern nimmt auch viele Ehrenämter wahr. Der Stadt Offenbach ist er etwa als Vorsitzender des Förderkreises des Ledermuseums verbunden sowie als Vizepräsident der Lederwarenmesse. „Controlling und strategische Entwicklung“ gehören hier zu seinen Aufgaben. Dabei sei dieses Engagement „nicht ganz uneigennützig“, sagt Picard. „Es ist für uns als Hersteller wichtig, dass wir eine Messe mit guten Angeboten haben.“ Und das die Messe sich weiterentwickelt. Zur „Nummer eins“ in Europa solle sie werden.

Ehrenämter, soziales Engagement, Hobbys – für seinen Ruhestand ist dem dreifachen Familienvater nicht bange. „Ich freue mich, wenn ich Zeit für andere Dinge habe.“ So ist er etwa in seiner Heimatstadt im Verwaltungsrat der katholischen Kita St. Josef aktiv. Außerdem treibe er viel Sport. Und vor kurzem hat er sich ein Hobby zugelegt, dass man bei dem eleganten Geschäftsmann nicht auf Anhieb vermuten würde: das Imkern.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare