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Langer Kampf für eine Zuflucht

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Von: Sigrid Aldehoff

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Eine Ausstellung der Fotografin Andrea Diefenbach im Rathaus begleitet das Jubiläum.
Eine Ausstellung der Fotografin Andrea Diefenbach im Rathaus begleitet das Jubiläum. © Monika Müller

Runder Geburtstag: Seit 20 Jahren gibt es das Offenbacher Frauenhaus. Politik und Polizei sind bei der Jubiläumsfeier voll des Lobes für den Trägerverein.

Es hat lange politische Überzeugungsarbeit gekostet, bis 1993 das Offenbacher Frauenhaus eröffnet wurde. Noch heute wird es „ohne Leitung und unabhängig“, geführt, betonte Margareta Balthasar vom Trägerverein „Frauen helfen Frauen“ gestern Nachmittag während einer Feierstunde zum 20-jährigen Bestehen der Einrichtung.

Damit sei der Trägerverein „Frauen helfen Frauen“ die einzige Organisation, die seit den 1968er Jahren egalitär aufgestellt die Zeiten überdauert hat, stellte Oberbürgermeister Horst Schneider (SPD) in seinem Grußwort fest. Er erinnerte während der Feier im Stadtverordnetensitzungssaal an die politischen Kämpfe, die dort für die Gründung einer solchen Einrichtung schon lange vor 1993 ausgefochten wurden. „Das war eine der wenigen Gelegenheiten, wo die Parteizugehörigkeit keine Rolle spielte, die Frauen haben sich dafür parteiübergreifend verbündet.“ Es sei ein Fortschritt, dass Gewalt dieser Art vom Gesetzgeber aus der dunklen Ecke geholt wurde.

Polizeivizepräsidentin Anja Wetz sprach von den rechtlichen Möglichkeiten für geschlagene Frauen. Im Bereich des Polizeipräsidiums Südosthessen habe es im vergangenen Jahr 1085 Gewalttaten im häuslichen Bereich gegeben, in der Stadt Offenbach waren es 333, im Landkreis 384.

Arbeit der Polizei verändert sich

Die Zahlen würden steigen, weil mehr Frauen auch angesichts des seit 2002 geltenden Gewaltschutzgesetzes Anzeige erstatteten. Auch die Arbeit der Polizei habe sich dadurch verändert. Trat diese angesichts von häuslicher Gewalt früher vermittelnd und schlichtend auf, würde sie heute eingreifen, nach dem Motto „wer schlägt, geht“, sagte Wetz.

Die Polizei weise aber auch Opfer und Täter auf Hilfsangebote und das Frauenhaus hin. „Für uns ist es gut zu wissen, dass die Frauen bei Ihnen gut aufgehoben sind“, sagte sie an den Verein „Frauen helfen Frauen“ gerichtet.

Die kommunale Frauenbeauftragte Karin Dörr erinnerte daran, dass sich in Offenbach bereits 1979 ein erster Verein für die Einrichtung eines Frauenhauses gegründet hatte – und sich zehn Jahre später wegen mangelnden Erfolges wieder auflöste.

Der Status als autonomes Frauenhaus mit einer Basisfinanzierung von rund 130 000 Euro vom Land und 100 000 Euro von der Stadt sei der richtige Weg. „Es ist makaber, Tagessätze nach Belegung zu zahlen und die Träger zu zwingen, das Haus möglichst zu füllen.“

Die internationale Frauenhausaktivistin Rosa Logar aus Österreich, die dort 1978 das erste Frauenhaus gründete, lobte die Arbeit des Offenbacher Frauenhauses als zukunftsweisend. Die Arbeit im gleichberechtigten Team, das Angebot von Beratungsstelle und Interventionsstelle in einer Hand, das umfassende Angebot für die Frauen sei „best practice“ für jedes internationale Frauenhaus-Handbuch.

Die Ausstellung „Frauenhaus - Zuflucht und Chance“ wird anlässlich des Jubiläums im Rathaus gezeigt.

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