+
Hotelier Steffen Waitz und seine Frau schließen das Landhaus Hotel Waitz zum 31. Oktober – nicht nur wegen Corona.

Mühlheim

Landhaus Hotel Waitz schließt nach mehr als 100 Jahren

  • schließen

Das Landhaus Hotel Waitz schließt zum 31. Oktober – nicht nur wegen Corona.

  • Landhaus Hotel Waitz in Mühlheim-Lämmerspiel schließt Ende Oktober
  • 100 Jahre Hotelgeschichte gehen zu Ende
  • 28 Hotelmitarbeiter verlieren ihren Job

Der 31. Oktober ist für Steffen Waitz und seine Frau Sabine ein ominöses Datum: An diesem Tag werden sie ihr gleichnamiges Vier-Sterne-Traditionshotel samt Gastronomie in Mühlheim-Lämmerspiel schließen. Mehr als 100 Jahre Hotelgeschichte haben dann ein Ende. Veränderte Marktbedingungen, behördliche Auflagen und schließlich die Corona-Krise ließen bei dem Ehepaar diese Entscheidung reifen.

„Ich muss nicht schließen, sondern ich möchte schließen“, sagt Steffen Waitz. Er und seine Frau betreiben das Landhaus Hotel Waitz samt Gastronomie in vierter Generation, haben schon viele nationale und internationale Fußballer, Politiker, Künstler und Musiker beherbergt. „Dieser Schritt ist schwer für uns, aber meinen Eltern, die das Hotel groß gemacht haben, fällt das alles noch deutlich schwerer“, sagt er.

Landhaus Hotel Waitz: Keine Insolvenz oder Kurzarbeit

28 Mitarbeiter verlieren zum 31. Oktober ihren Job, werden aber laut Waitz bis zum letzten Tag voll bezahlt. „Ich habe die längstmögliche Kündigungsfrist gewählt, das sind sieben Monate“, sagt der 45-Jährige. Er strebe keine Insolvenz oder Kurzarbeit an, „wenn es sein muss, finanziere ich das Gehalt für die Mitarbeiter bis zum letzten Tag auch privat“. Den Angestellten stehe es aber frei, das Unternehmen jederzeit zu verlassen; man werde ihnen Empfehlungsschreiben mit auf den Weg geben.

Es ist nicht die Corona-Krise, die das Landhaus gebeutelt hat. Das Virus sei „nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat“. Der Entschluss, den Geschäftsbetrieb komplett einzustellen, habe schon lange vorher festgestanden – und zwar aus vielerlei Gründen.

Die Lage im kleinen Stadtteil Lämmerspiel habe sich für das Vier-Sterne-Haus als immer nachteiliger erwiesen. „Man kann die Augen nicht davor verschließen, dass wir halt nicht in Frankfurt-City liegen“, sagt Waitz. Dass in Frankfurt und Offenbach in den vergangenen Jahren immer mehr Hotels eröffnet haben und auch noch eröffnen werden, macht es für das hochpreisige Haus an der Peripherie zunehmend schwieriger.

Tagungsräume im Landhaus Hotel Waitz stehen meist leer

Der Verkauf der insgesamt 75 Zimmer werde mehr und mehr zum Basar, es seien keine befriedigenden Preise mehr zu erzielen. Die Energie- und Entsorgungskosten sowie die Preise für die Bedarfsartikel würden steigen, könnten aber nicht auf die Zimmerpreise umgelegt werden. Ähnlich verhält es sich mit den Kosten im Restaurantbereich, die ebenfalls nicht auf Speisen und Getränke aufgeschlagen werden können. Dass Lieferdienste immer beliebter werden, raubt der Hotelgastronomie Kunden. Die „Geiz-ist-geil-Mentalität“ tue ihr Übriges dazu.

Außerhalb von Messezeiten würden zu viele Hotelzimmer leerstehen, so Waitz. Und weil die Firmen zunehmend auf Online-Konferenzen und Videochats bauen, leidet auch das Tagungsgeschäft. „Das war schon vor Corona so“, sagt er. Die 14 Tagungs- und Veranstaltungsräume stehen meist leer.

Noch ist das Landhaus Hotel Waitz geöffnet

Die behördlichen Auflagen seien für den Familienbetrieb kaum mehr zu stemmen, sagt Waitz. „Der Brandschutz wird deutlich strenger, Bestandsschutz wird nicht mehr anerkannt.“ Jedes Jahr habe man Bäder und Zimmer renoviert, Telefonanlagen modernisiert und das Haus verschönert, aber nun überlege man sich, ob es sinnvoll sei, noch mehr Geld in die Hand zu nehmen. „Bevor wir anfangen, irgendwann unser Privatvermögen einzubringen, schließen wir lieber“, so der Geschäftsführer.

Noch ist das Hotel aber geöffnet – wenn auch wegen der Corona-Anordnungen derzeit „nicht für touristische Gäste“. Aber immerhin seien einige Handwerker, Monteure und Firmenmitarbeiter da. Die Hotelbediensteten arbeiten alle noch. „Sie räumen aus, putzen, sortieren und desinfizieren“, sagt Waitz. Ein paar hätten auch Urlaub genommen.

Landhaus Hotel Waitz: Bertreiberpaar hat keine Zukunftssorgen

Der gelernte Koch und studierte Hotelmanager garantiert seinen Gästen, dass bis zum 31. Oktober in dem Haus noch Hochzeiten, Feiern, Veranstaltungen und Tagungen stattfinden können – wenn das Land Hessen die Restriktionen aufhebt.

Und was passiert nach dem Datum mit dem Hotel, dem Restaurant und dem Veranstaltungsort Ed-Vino auf dem 10.000 Quadratmeter großen Gelände? Er habe schon einige Anrufe bekommen, sagt Waitz. Aber er habe keinen Druck, „das Sahneschnittchen im Rhein-Main-Gebiet“ zu verkaufen.

Das Ehepaar macht sich um seine Zukunft keine Sorgen. Sabine Waitz ist Prokuristin, wird wohl einen Job finden. Und er selbst? „Vielleicht schreibe ich erst mal ein Buch über meine Arbeit als Hotelier und was ich in 25 Jahren Gastronomie alles erlebt habe.“

Annette Schlegl

Die Weinbranche leidet unter der Schließung von Gaststätten. Händler stellen aber eine steigende Nachfrage von Privathaushalten fest. Wein wird inzwischen zunehmend online gekauft - die Gastronomie leidet

Keine Touristen, keine Kongresse und große Verunsicherung: Die Tourismusfachleute versuchen derzeit, mit Kunden in Kontakt zu bleiben und arbeiten an der Vermarktung nach der Corona-Krise.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare