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Lärmpausen sind möglich

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Von: Madeleine Reckmann

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Fluglärm am Offenbacher City Tower.
Fluglärm am Offenbacher City Tower. © Monika Müller

Der Flughafenexperte Faulenbach da Costa erinnert an frühere Vorschläge der Stadt, um die Bürger zu schonen. Seiner Ansicht nach sind Lärmpausen durchaus möglich.

Dass die Bürger von den Lärmpausen nichts mitkriegen, wundert Dieter Faulenbach da Costa nicht. „Lärmpausen müssen vorhersehbar und für alle Bürger sein und dürfen keine Ausnahmen haben“, sagt der Flughafenexperte. Das seien die im April von der Landesregierung eingeführten siebenstündigen Lärmpausen, die nur bei Westwind funktionieren, nicht. Denn die Menschen im Süden Offenbachs haben kaum etwas davon.

Faulenbach da Costa ist als Mann bekannt, der mit seiner Meinung nicht hinterm Berg hält. Als Flughafenplaner kennt der 70-Jährige sich mit den Details zu Flugrouten, Pistenerfordernissen und Abfertigungen wie kaum ein Zweiter aus. Deshalb lässt es aufhorchen, wenn er sagt, dass Lärmpausen, die spürbar Entlastung bringen, möglich seien, und zwar mit dem sechsstündigen Nachtflugverbot.

Routierend bekämen alle Kommunen um den Airport acht Stunden Ruhe am Stück an zwei Wochen im Monat und unabhängig von der Windrichtung. Faulenbach erläutert der FR zwei Varianten, die die Stadt im Planfeststellungsverfahren zum Flughafenausbau 2007 vorgetragen hatte. Er war damals städtischer Flughafenberater, heute ist er persönlicher Flughafenberater von Bürgermeister Peter Schneider; an die Vorschläge erinnert er als Privatmann.

Weniger Flüge in den Nachtrandstunde

Voraussetzung für eine Lärmpause sei, die Zahl der Flugbewegungen in den Nachtrandstunden auf unter 70 zu senken. Zurzeit sind maximal 150 erlaubt. Sie werden in der vom früheren Wirtschaftsminister Dieter Posch (FDP) so genannten Planklarstellung geregelt. Wie viele Jets in der Stunde vor und nach dem sechsstündigen Nachtflugverbot gestattet sind, ist aktuell in der Diskussion: Am Donnerstag hat der Hessische Verwaltungsgerichtshof über die Klage der Stadt gegen die Planklarstellung zu entscheiden. Offenbach möchte, dass die Anrainerkommunen mitbestimmen. Sollte das Gericht Offenbach Recht geben, könnte die Zahl gesenkt werden. Und sie sei in der Flughafen-Betriebserlaubnis festzuhalten, für Faulenbach ohnehin eine Bedingung für weniger Lärm. Dann gebe es endlich verpflichtende Regeln.

Die eine Variante sieht vor, mit maximal 70 Flugbewegungen in den Nachtrandstunden im Wochenwechsel die Nordwestbahn und die als eine Bahn zu behandelnde Center- und Südbahn stillzulegen. Bedingung ist, drei Flugzeugtypen, die derzeit auf der Nordwestbahn nicht landen dürfen, die Landeerlaubnis zu erteilen.

Für die zweite Variante müssten alle Lande- und Startbahnen für Landungen und Starts in beide Richtungen geöffnet werden. Dann stünden drei vollwertige Pisten zur Verfügung, von denen auf je einer wochenweise der Verkehr abgewickelt werden könnte. Die anderen Pisten würden jeweils zwei Wochen nicht benutzt.

Faulenbach da Costa bringt noch eine dritte Variante ins Spiel. Sie sieht den Bau weiterer Pisten vor. Je mehr Bahnen, desto besser lässt sich der Lärm verteilen, sagt er. Dass er dies nicht für erstrebenswert hält, macht er erst auf die Frage deutlich, ob er gerne provoziere. Er sagt: „Die Leute sollen darüber nachdenken, ob dies der richtige Standort ist.“

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