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Michael Schmidtmann und Lisa Nürnberger im Ausstellungsraum.
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Michael Schmidtmann und Lisa Nürnberger im Ausstellungsraum.

Offenbach

Kunst und Musik statt Pralinen

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Studierende der Hochschule für Gestaltung in Offenbach haben die ehemalige Bonbonniere gemietet und einen Ort für Kreative geschaffen.

An die verwunderten Blicke haben sich Michael Schmidtmann und Lisa Nürnberger gewöhnt. Immer wieder bleiben die Menschen in der Frankfurter Straße vor der ehemaligen Bonbonniere stehen oder kommen mal rein und schauen auf die verschiedensten Kunstwerke, die hier hängen oder auf dem Boden stehen. „So nach dem Motto: ,Hä, hier ist wieder was?‘“, erzählt Nürnberger. Die 24-Jährige studiert an der Hochschule für Gestaltung (HfG) Offenbach und hat sich auf experimentelle Räume spezialisiert.

Ein Experiment ist auch die Anmietung der seit knapp zehn Jahren leerstehenden Ladenfläche durch eine Gruppe von Studentinnen und Studenten. Im März haben sie das ehemalige Schokoladen- und Pralinengeschäft als Pop-up-Fläche vom Liegenschaftsamt bekommen. Zunächst mussten sie die Tapeten von den Wänden reißen und den alten Boden entfernen. Die erste Ausstellung war ein Kartenhaus aus dem Laminat.

„Wir finanzieren das aus eigener Tasche“, sagt Schmidtmann, der sich vor allem mit Fotografie, Aktionskunst und Bildhauerei beschäftigt. Durch den Verkauf eines handgebundenen Magazins zum Thema Streichhölzer ist die Miete bis Ende Juni gesichert. Es war eine bewusste Entscheidung, etwas außerhalb des Hochschulkontextes zu machen und frei zu arbeiten. „Das bekommt auch mehr Aufmerksamkeit als die Sachen an der Uni“, sagt Nürnberger. Vor einiger Zeit konnten die Studierenden mal drei Wochen lang im Offenbacher Hauptbahnhof ausstellen. „Wir hatten aber schon immer den Wunsch, eine Art Laden zu haben“, sagt der 24-jährige Schmidtmann. Bezahlbare Räume für Künstler:innen sind überall Mangelware.

Bonbonniere

Weitere Infos und Bilder gibt es auf Instagram: bonbonniereoffenbach. Die ehemalige Bonbonniere befindet sich in der Frankfurter Straße 56 in Offenbach.

Der vordere Bereich ist ein Ausstellungsraum, im hinteren wird gemalt, aber es steht auch ein Klavier im Raum. „Die Treppe ins obere Stockwerk hat uns jemand verputzt, der reingekommen ist und gesagt hat: Ich mach euch das für einen Kasten Bier“, erzählt Nürnberger. Der Bodenbelag in der oberen Etage besteht aus Knäckebrot. „Es ist ein Spielfeld für uns, wo wir auch mit den Erwartungen der Leute spielen“, sagt Schmidtmann.

Kreativ sein, sich ohne Druck ausprobieren, aber gleichzeitig auch netzwerken – das ist den Künstlerinnen und Künstlern wichtig. Gerade in Offenbach, wo viele leerstehende Räume im Zentrum von Kunstschaffenden genutzt werden und sehr viel Kunst auch im öffentlichen Raum ausgestellt wird, nimmt die Bevölkerung das einfach hin, hat Schmidtmann festgestellt. „Ich habe manchmal das Gefühl, dass eigenartige Sachen passieren und die Leute auf eine ganz interessante Art zusammentreffen.“

Auch wenn sie aufgrund der Coronavirus-Pandemie keine Werbung machen konnten, komme viel Laufkundschaft. Zwei Leute dürfen gleichzeitig drin sein, der Rest wartet draußen. „Wir haben hochfrequentiert gearbeitet“, sagt Schmidtmann. Vier Ausstellungen gab es schon, darunter auch von Künster:innen, die nicht zur Studierendengruppe gehören. Im Juni sollen drei weitere folgen. Unter der Woche ist der Laden dreimal geöffnet, dazu am Wochenende. „Man kann uns auch bei Instagram einfach anschreiben“, sagt Nürnberger.

Wie es danach weitergeht, ist noch offen. Die Studierenden haben sich um Förderungen bemüht und wollen ein Crowdfunding starten, damit die Menschen auch im Juli noch verwundert in die ehemalige Bonbonniere schauen.

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