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Dem Fahrgast, der sich mit dem neuen Fahrplan nicht zurecht fand, wurde geholfen.
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Dem Fahrgast, der sich mit dem neuen Fahrplan nicht zurecht fand, wurde geholfen.

ÖVNP-Fahrplan

Kunden aus falschem Bus gefischt

  • Annette Schlegl
    VonAnnette Schlegl
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Mitarbeiter der Offenbacher Verkehrsbetriebe helfen den Fahrgästen, sich bei den Fahrplanänderungen zurechtzufinden. So mancher Busfahrer muss zehn Prozent seiner Fahrgäste an den Kollegen verweisen.

Der Bus ist da, doch die ältere Dame an der Haltestelle schaut verunsichert. Ist das nun die richtige Linie zur Senefelder Straße? Gott sei Dank ist an diesem Montagvormittag kompetente Hilfe nicht weit: Vier Mitarbeiter der Offenbacher Verkehrs-Betriebe (OVB) haben sich an der Digitaltafel mit den Abfahrtszeiten platziert, um in genau solchen Fällen zu helfen. Sie haben einiges zu tun. Der neue ÖPNV-Fahrplan, der seit Sonntag gültig ist, sorgt immer wieder für Verwirrungen.

Menschliche Infotafeln

„Wir sind die menschliche Infotafel“, sagt Disponent Alexander R., der wie seine anderen drei Kollegen nicht mit vollem Namen genannt werden möchte. Schon seit 5.15 Uhr steht das Quartett an der Haltestelle Marktplatz in der Kälte, um den Fahrgästen weiterzuhelfen. „Wir gehören zur Frühschicht, die bis 12.30 Uhr im Einsatz ist“, erklärt Verkehrsmeister Andreas E. „Danach ist bis 19.30 Uhr die Spätschicht dran.“

An ihren dunkelblauen Anoraks und an der dunkelblauen Mütze mit der OVB-Aufschrift ist das Hilfspersonal unschwer zu erkennen. Die drei Männer und die Frau werden fleißig angesprochen. „Jeder von uns hatte 150 Flyer mit den neuen Fahrplänen einstecken. Die sind jetzt alle schon weg“, sagt Busfahrer Harald M., der an diesem Tag wie seine Kollegin Andrea K. nicht hinter dem Steuer sitzt, sondern den Fahrgästen an der Haltestelle Rede und Antwort steht. Rund 200 Fahrgäste hätten sich an jeden von ihnen gewandt, erklärt das Quartett übereinstimmend, und freut sich, dass es jetzt, gegen 10.30 Uhr, etwas ruhiger wird, „weil der Berufsverkehr schon durch ist.“ „Aufreger“ gibt es an diesem Morgen nur wenige, dafür aber viel Lob. „Super Service“ hätten sich die Fahrgäste über die geballte Fahrplan-Kompetenz an der Haltestelle geäußert, erzählt Harald M. „Toller neuer Service“ sagt auch Alexander R., der das Ohr an den kleinen gelben Kasten an der Säule der Infotafel hält. Beim Drücken der i-Taste sagt dort eine Stimme Informationen für Blinde an.

Sein Kollege spricht von einigen „Irrläufern“ in den Bussen der Linie 105, die zum Klinikum fahren wollten. Sie konnten im Bus „bekehrt“ werden. Gerade die 105 sei eine neuralgische Linie, sagt der Verkehrsmeister. Sie habe bisher den Hauptbahnhof bedient, fahre diese Station nun aber nicht mehr an. Dafür fährt der Gelenkbus nun das Ring Center an, und löst den kleinen Solowagen der Linie 104 ab, der immer überbesetzt war. „Wir sind auch in die Busse hineingegangen und haben die Falschfahrer herausgeholt“, sagt Betriebsrat Zacharias Leis, der gerade des Weges kommt, an der Haltestelle nach dem Rechten sieht – und binnen einer halben Stunde fünf Leute aus dem falschen Bus fischt.

Glück im Unglück

Und auch Busfahrer Klaus Kaiser, der in einem der „neuralgischen“ Busse hinterm Steuer sitzt, erklärt, er habe etwa zehn Prozent seiner Fahrgäste wieder hinausgeschickt. Glück im Unglück hatten gestern Morgen die Fahrgäste, die normalerweise mit der S-Bahn S 9 zur Arbeit kommen. Mitten im Berufsverkehr war an der Station Offenbach-Ost unter einer S-Bahn Rauch aufgetreten. Die Strecke zum Flughafen war blockiert – und hinterließ zahlreiche ratlose Pendler. „Da waren wir Anlaufstelle für die, die nach Frankfurt und nach Mühlheim oder Heusenstamm wollten“, sagt Andreas E. – obwohl das eigentlich gar nicht Aufgabe des Quartetts gewesen wäre. „Wir haben den Pendlern die Linie 103 zur Offenbacher Stadtgrenze empfohlen und von dort die Straßenbahnlinien 15 und 16 zur Frankfurter Innenstadt.“ In umgekehrter Richtung wurden die Fahrgäste in die Linien 120 und 103 gelotst.

Die Fahrpreiserhöhung, die mit der Fahrplanänderung einherging, ist am gestrigen Morgen kein Thema. „Das ist für die Fahrgäste doch normal, weil es am 15. Dezember immer so ist“, sagt Harald M. Trotzdem hatten einige Kinder frühmorgens zu wenig Geld in der Tasche, um den neuen regulären Preis zahlen zu können. „Die hatten für die Kinder-Tageskarte nur 2,55 Euro dabei statt 2,65 Euro“, sagt Alexander R. Die Busfahrer hätten aber ein Auge zugedrückt – obwohl sie mit diesem Entgegenkommen in ihrer Schicht gut und gerne fünf Euro „Miese“ machten. Es liege nämlich im Ermessen des Fahrers, ob er diese Kunden mitnimmt.

Da die Busfahrer schon bisher nicht nur auf einer bestimmten, sondern auf allen Linien eingesetzt werden, hatten sie mit der neuen Routenführung keinerlei Probleme. Zudem zeigt der Bordcomputer im Bus den Streckenverlauf an. Darüber hinaus seien sie eingehend geschult worden, sagt Leis.

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