+
Die Kinder erarbeiten mit Dramaturgen kleine Geschichten rund um Emotionen und Gesten.

Offenbach

Die Tür zur Kultur öffnen

  • schließen

Theaterpädagogen der Bad Vilbeler Burgfestspiele machen Workshops für Kitas. 

Wir wollen Kindern ein Türchen zur Kultur aufmachen“, sagt Claus-Günther Kunzmann, Intendant der Bad Vilbeler Burgfestspiele. Vor Ort, in der Burgruine, gibt es deshalb ein breites Angebot für Kinder und Jugendliche, aber die Burgfestspiele haben auch ein aufsuchendes Konzept: Mit dem Projekt „Thea-Kita“ besuchen Theaterpädagogen und Dramaturgen Kitas in der Region.

Der Schwerpunkt des Projekts liegt dabei in Offenbach. Schließlich haben 63,8 Prozent der Einwohner einen Migrationshintergrund. „Gerade bei unserem Bevölkerungsmix in der Stadt ist es wichtig, Kindern frühzeitig in Sachen Sprache zu fördern“, sagt Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne).

Und so werden sprachliche Kreativität, aber auch Gestik und Mimik der Kinder mit dem Projekt gefördert. Theaterpädagogen und Dramaturgen, die als Honorarkräfte bei den Burgfestspielen verpflichtet sind, besuchen über zehn Wochen verschiedene Kitas und erarbeiten in jeweils zweistündigen Workshops kleine Theaterstücke mit den Kindern. „Anfangs dachten wir nur an Kostüme, Masken und Ähnliches, aber darauf kommt es bei den Stücken gar nicht an“, sagt Jeanette Zulauf-Thum, die Leiterin der Kita 1 in der Friedensstraße.

Das Projekt „Thea-Kita – Theater für Kita-Kinder“ wird vom Programm „Kultur macht stark – Bündnisse für Bildung“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) und dem Deutschen Bühnenverein gefördert.

Kooperationspartner für Kitas der Region sind die Burgfestspiele Bad Vilbel. Das dortige Projektvolumen beträgt rund 24 000 Euro.

Dramaturgen und Theaterpädagogen der Burgfestspiele bieten für 15 Kitas jeweils zehnwöchige Workshops an, in diesem Jahr in zehn Offenbacher, drei Frankfurter und zwei Bad Vilbeler Kitas. 

www.kultur-bad-vilbel.de/burgfestspiele

Statt einem Stück mit vorgegebenem Text und Regieanweisungen erarbeiten die Kinder unter Anleitung eigene kleine Szenen. Vieles entstehe dabei durch Improvisation, sagt Dramaturgin Ruth Schröfel. So werden Themen wie Freundschaft oder wie man Langeweile begegnet aufgegriffen und mit Mitteln des Theaters umgesetzt. „Wir bieten auch an, dass die Gruppen eines unserer Stücke bei den Festspielen besuchen und darüber etwas Eigenes erarbeiten“, sagt sie. So haben die Kinder der Kita 25 etwa die Aufführung von „Peter Pan“ in Szenen zum Thema „mutige Kinder“ verarbeitet.

„Leider wird nur noch in wenigen Familien vorgelesen, die Imaginationskraft ist daher bei den Kindern gering“, sagt eine Erzieherin. Das Projekt sei eine gute Möglichkeit, die Vorstellungskraft der Kinder anzuregen. Und ganz nebenbei wird auch der Gruppenzusammenhalt gestärkt. Dabei muss am Ende nicht immer eine öffentliche Vorführung stehen: Bei einigen Kitas haben die Kinder entschieden, dass ihr Stück nur für sie selbst sei. „Auch das ist völlig in Ordnung“, sagt Schröfel.

„Wir zeigen den Kindern, dass es mehr gibt, als nur vor der Glotze zu sitzen“, sagt Kunzmann. Gleichzeitig wird auch die Konzentration der Kinder trainiert. „Sie lernen auch einmal, ruhig zu sein, sich auf etwas zu konzentrieren“, sagt er. Auch Ursula Veith, Leiterin des Eigenbetriebs Kindertagesstätten, ist voll des Lobes für das Projekt. „Für unsere Fachkräfte gibt es Anregungen zu neuen Wegen der Vermittlung, und bei vielen Kindern ist es spannend zu sehen, welche Talente da in ihnen schlummern. Da werden wirklich verborgene Schätze gehoben“, sagt sie.

In diesem Jahr sind zehn Kitas am Projekt beteiligt, Stadträtin Groß hofft, dass es in Zukunft an allen städtischen Kitas angeboten werden kann.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare