Am Ende des Sprachprojektes kochten geflüchtete Frauen ihre Lieblingsrezepte.
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Am Ende des Sprachprojektes kochten geflüchtete Frauen ihre Lieblingsrezepte.

Offenbach

Kulinarisch schreiben

  • Silvia Bielert
    vonSilvia Bielert
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Ein besonderes Sprachprojekt des Bildungsträgers Starthaus will das Selbstbewusstsein geflüchteter Frauen durch Kreativität fördern. Am Ende geht es darum, sie für den Job fit zu machen.

Was hat Kulinarik mit dem Erlernen einer fremden Sprache zu tun? Was die Kunst des schönen Schreibens mit dem – ersten – Einstieg in den deutschen Arbeitsmarkt?

Ganz viel, dachten sich die Mitarbeiter des Bildungsträgers Starthaus in Offenbach und luden geflüchtete Frauen, die vom Jobcenter des Landkreises Offenbach betreut werden, ein, an einem besonderen Sprachprojekt teilzunehmen: Frauen lernen kulinarisch schreiben.

Sie stammen aus Afghanistan und Syrien, dem Irak und Pakistan, Somalia und Eritrea. In ihrer Zusammensetzung war die Gruppe stark heterogen, erzählt Lena Hartwig, Projektleiterin bei Starthaus. Die Frauen sind unterschiedlichen Alters, haben verschiedene Bildung. „Die meisten können das lateinische Alphabet nicht, ein oder zwei können nicht lesen und schreiben“, erzählt Hartwig, die die Frauen während des zweieinhalb Monate dauernden Projektes begleitet hat. Manche der Frauen waren vor ihrer Flucht Hausfrauen und haben noch nie einen Beruf ausgeübt. Trotzdem sollen sie perspektivisch ins Arbeitsleben integriert werden. Das ist das Ziel des Kreis-Jobcenters Pro Arbeit.

„Wir haben überlegt: Was haben all diese Frauen gemeinsam? Was machen sie gern und vermittelt ihnen daher vielleicht Sicherheit?“, erzählt Hartwig über die Entstehung der Idee zum Sprachprojekt, für das der Bildungsträger vom Verein Weiterbildung Hessen Fördergelder erhält.

Lieblingsgericht gekocht

So waren die Frauen aufgerufen, ihr Lieblingsgericht vorzustellen (und später auch zu kochen), um darüber miteinander sowie mit der beteiligten Ökotrophologin ins Gespräch zu kommen. Es gab eine Hygieneschulung beim Ordnungsamt mit Zertifikat und Besuche bei Einrichtungen wie Pro familia oder Frauen helfen Frauen – damit die Frauen wissen, wo sie bei Problemen Hilfe finden, sagt Hartwig. Auch eine Lehrkraft für Deutsch als Fremdsprache war in das Projekt eingebunden.

Das war noch nicht alles. Denn zusammen mit der Kalligrafin Tanja Leonhardt und dem Klingspor-Museum übten sich die Frauen auch in der Kalligraphie – schließlich ist Sprache auch Schrift –, im Stempeln und Sticken. Kreativität und Selbstständigkeit waren keine Grenzen gesetzt. Am Ende gab es für jede Teilnehmerin ein Buch mit allen Lieblingsrezepten aus den Heimatländern, garniert mit Schriftkunst und Fotos. „So konnten wir den Frauen etwas mitgeben, das ihnen zeigt, was sie schaffen können“, sagt Hartwig. Das gibt Selbstbewusstsein. Eine wesentliche Voraussetzungen dafür, dass die Frauen eines Tages einer Arbeit nachgehen können.

Auf dem Weg dorthin ist das nächste große Zwischenziel schon definiert: der Integrationskurs.

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