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Ruben Talberg ist Bildhauer, Maler und Fotograf.
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Ruben Talberg ist Bildhauer, Maler und Fotograf.

Offenbach

Künstlermuseum in Offenbach feiert Jubiläum

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Das Künstlermuseum von Ruben Talberg in Offenbach besteht seit zehn Jahren.

Künstlermuseen sind in der Regel Orte, wo die Werke bereits verstorbener Menschen ausgestellt sind. Orte der Konservierung, der Ernsthaftigkeit. So empfindet es zumindest Ruben Talberg. Sein Museum ist das Gegenteil davon. Wenn Menschen in das vor zehn Jahren eröffnete Haus in der Ludwigstraße 151 in Offenbach kommen, findet ein lebendiger Austausch statt. „Und der Künstler lebt noch“, sagt der 57-Jährige und schmunzelt. Von diesen Künstlermuseen gibt es in ganz Europa nur wenige.

Vor knapp zwölf Jahren hat der Deutschisraeli, der in Heidelberg geboren wurde, das Backsteinhaus samt Vor- und Hintergarten gekauft. Aus der ehemaligen Schreinerei ist unten im Gebäude seine Produktionsstätte geworden, im Erdgeschoss seine Ausstellungsfläche, oben befindet sich sein Büro. Seine Motivation, ein eigenes Museum zu eröffnen, war zum einen, dass die eigene Kunst ihn weit überdauern soll. Zum anderen wollte er ein jüdisches Museum mit großer Strahlkraft in der Region und darüber hinaus etablieren.

Ruben Cornelis Talberg ist Bildhauer, Maler, Fotograf und versteht sich als Alchemist. Er ist Mitglied der Jüdischen Gemeinde in Offenbach und zählt laut der Webseite Jewish Places zu den zehn wichtigsten lebenden jüdischen Künstlern der Welt. „Ich habe viel jüdische Klientel aus Frankreich, Spanien oder Italien“, berichtet Talberg. „Die werden dann zum Teil auch zu Sammlern.“ Über 200 internationale Sammler:innen besitzen Werke von ihm. Neben kleineren Werken sind sein Markenzeichen die sogenannten Manifolds, die in der Dauerausstellung zu sehen sind.

Es sind Skulpturen mit vielen Falten, wie der englische Name schon suggeriert, die er mit „alchemischen Zutaten in einem Zwölfschritteprozess produziert.“ Alles Unikate, für die er mehrere Wochen braucht, da er immer wieder Trocknungsprozesse abwarten muss.

Als 20-jähriger hatte Talberg im italienischen Bellagio einige lebensgroße Skulpturen entdeckt, die in Tunikafalten gewickelt waren. Dort stehend, hatte er ein Déjà-vu-Erlebnis aus seiner Kindheit, wie er in Falten weicher Stoffe gewickelt war. „Von diesem Moment an war ich von Falten besessen.“ In seinem Leben will er insgesamt 888 dieser Manifolds produzieren. 888, weil die Zahl im chinesischen als absolute Glückszahl gilt. Wie viele Talberg bis heute produziert hat, will er nicht genau verraten. Mehr als 300, sagt er nur.

Finis Coronat Opus Magnum. Das Ende krönt das Große Werk. Das ist der Leitspruch von Talberg. „Die Manifolds sollen den Betrachter entschleunigen und die Zeit verlangsamen“, sagt er. „Je länger der Betrachter davor steht, desto mehr fließen die Energien hin und her.“ Er arbeitet mit Kunstberatern zusammen, die seine Manifolds auf Reisen durch die ganze Welt mitnehmen, ausstellen und anbieten. Seine Werke verkauft er für Preise zwischen 30 000 und 50 000 Euro.

Besucht wird das Talberg-Museum von sehr vielen Neuoffenbacher:innen und Kunstinteressierten. Die Führungen macht er zwar nicht selbst, aber er steht für Gespräche zur Verfügung. Mit der Zeit hat sich ein Freundeskreis des Museums etabliert und die Einrichtung wird vom privaten bürgerschaftlichen Engagement und den Kunstverkäufen getragen. Bis heute hat er keinerlei Subventionen aus öffentlicher Hand erhalten. Das gibt Ruben Talberg die nötige Freiheit und Unabhängigkeit, die er als Künstler braucht. Seit einer Dekade mit eigenem Museum.

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