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Wegen der Fassade bezeichnet Architekt Jan Schulz das Gebäude als „schwarzen Schwan“. 

Offenbach

Kreative bauen für Kreative

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Zehn Privatleute errichten das Geschäftshaus Molenpark auf der Hafeninsel. Die Fertigstellung ist für Ende 2020 geplant.

Was für andere ein Schreckenszenario wäre, haben zehn Privatleute einfach zur großen Chance umgedeutet: Als 2015 der Entwickler für das fertig geplante Geschäftshaus Molenpark auf der Hafeninsel absprang, stand das Projekt eigentlich vor dem Aus. Das Haus existierte nur auf dem Papier, an möglichen Mietinteressenten herrschte aber kein Mangel. Also trommelte Architekt Jan Schulz vom Frankfurter Büro „bb22“ Interessenten zusammen und schlug vor, das Gebäude einfach selbst zu bauen.

In der kommenden Woche sollen die Arbeiten auf dem rund 830 Quadratmeter großen Grundstück östlich der Walter-Spiller-Brücke beginnen, der Rohbau soll von Juni an errichtet werden. „Wir planen die Fertigstellung des Hauses Ende 2020“, sagt Lukas Dudek. Er ist einer der insgesamt zehn Bauherren, die sich zur „Ahoi GmbH“ zusammengeschlossen haben, um das 9-Millionen-Projekt zu verwirklichen.

„Die Stadt und Jan Schulz sind an uns herangetreten und haben uns das Projekt Molenpark vorgestellt“, sagt Dudek, einer der Geschäftsführer der Werbeagentur „taste!“. Für ihn kam der Vorschlag gerade zum richtigen Zeitpunkt; er suchte neue, größere Räume für seine Agentur. „Als wir die Agentur vor 17 Jahren in Offenbach gründeten, hatten wir zu große Räume – inzwischen ist alles viel zu klein“, sagt er. „Größere waren allerdings in der Stadt nicht zu finden.“

Fast schon seien er und Günther Nessel, ebenfalls Geschäftsführer von „taste!“, mit der Firma nach Frankfurt in den trendigen Westhafen gezogen. „Im Herzen sind wir aber Offenbacher und wollten hier bleiben“, betont Dudek.

Schulz’ Entwürfe überzeugten sowohl Dudek und Nessel wie auch weitere Geschäftsleute, und gemeinsam beschlossen sie die Umsetzung ohne Projektentwickler. „Dass Architekten für sich selbst, dass Kreative für Kreative bauen, kommt nicht so häufig vor“, sagt Schulz. Schwierigkeiten, räumt er ein, habe es noch genug gegeben: Der ursprünglich geplante Einzugstermin zum 1. April 2018 war nicht zu halten, das Projekt verzögerte sich. „Nun liegt aber endlich die Baugenehmigung vor, und es kann losgehen“, sagt Dudek.

Fünf Stockwerke plus ein Staffelgeschoss wird das loftartige Gebäude umfassen, rund 2480 Quadratmeter Mietfläche sind geplant. Die Agentur „taste!“ wird mit ihren 80 Mitarbeitern in die drei oberen Stockwerke einziehen. Auch das Erdgeschoss ist schon verplant: Hier wird Tom Bock, der ebenfalls zu den Bauherren zählt, eine Gastronomie eröffnen. Bock hat bereits am Frankfurter Deutschherrnufer und in Mannheim Objekte mit Gastronomienutzung entwickelt. Laut Schulz ist eine hochwertige Gastronomie auf der Hafeninsel geplant.

Zu den weiteren Bauherren zählen unter anderem Till Schneider, Michael Schumacher und Joachim Wendt vom Frankfurter Architekturbüro Schneider + Schumacher, die das geplante Nachbargebäude auf der Inselspitze entworfen haben.

Auch eine Wohnung ist in dem Lofthaus geplant. „Die ist nur nach Süden möglich, nach Norden geht das wegen des Industriebetriebs in Frankfurt nicht“, erläutert Dudek. Für die zwei noch nicht belegten Etagen gebe es bereits zahlreiche Interessenten aus dem kreativen Bereich. Mit der Heyne-Fabrik und dem geplanten HfG-Neubau soll der Molenpark ein weiterer Anziehungspunkt für Kreative werden.

Wo heute noch eine kleine Halle östlich des Grundstücks steht, soll ein kleiner Park angelegt werden, um das Freigelände des Restaurants und das gesamte Areal aufzuwerten.

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