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Der Flugzeuglärm muss draußen bleiben: Filmkomponist Peter W. Schmitt in seinem schalldichten Studio in Offenbach.

Musik

So klingt Käpt’n Blaubär

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Das ist wahr: Ein Offenbacher hat die Musik zu den Lügenbär-Episoden komponiert.

Als er zwölf war, träumte Peter W. Schmitt von einer Musikerkarriere. Mit dem Jentsch-Quintett durfte der Teenager 1967 im „Talentschuppen“ auftreten, der ersten Castingshow in Deutschland. Die Lokalzeitung jubelte und empfahl ihren Lesern, für ein klares Fernsehbild die Antenne um 90 Grad nach Westen zu drehen.

Aus den forschen Plänen wurde nichts. Karriere hat der Offenbacher dennoch gemacht. Als Filmkomponist. Eine Rolle dabei spielten der Fernseh- und Kinofilmregisseur Rolf Silber und Walter Moers, für dessen Kultsendung „Käpt’n Blaubärs Seemannsgarn“ er die Musik schrieb. Am 14. April können Fans des Lügenbärs in Frankfurt die Uraufführung der „Käpt’n Blaubärs Seemanns- Suite“ erleben.

Lange sah es nicht so aus, als könnte aus der Liebe zur Musik ein Beruf werden. Zwar war Schmitt, der singt, Klavier und Akkordeon spielt, als Jugendlicher mit der Band Colloquium 54 einmal sogar im Sinkkasten aufgetreten. Das war’s dann. „Wir haben mehr im Keller geprobt als auf der Bühne gestanden“, erzählt er. Schmitt studierte Sozialarbeit und war dann viele Jahre in der Bildungs- und Drogenarbeit tätig. Über ein Kulturprojekt zu gewerkschaftlichem Engagement lernte er den Filmemacher Rolf Silber und über dessen Ehefrau, die beim Eichborn-Verlag arbeitete, Walter Moers kennen.

Silber hatte 1982 sein Erstlingswerk „Kassensturz“ abgedreht. Er sei unzufrieden mit der Filmmusik, sagte er zu Schmitt. Keck antwortete der junge Mann: „Das kann ich vielleicht besser machen.“ Mit seiner Band ging er für ein Wochenende ins Tonstudio. Das Ergebnis gefiel dem Regisseur. Aber seine Komödie konnte die Musik nicht retten. Der Film sei etwas langatmig und oberflächlich, urteilte ein Kritiker.

19 88 erfand der Cartoonist und Autor Walter Moers den Lügenbären, der zunächst im „Sandmännchen“ und später durch die „Sendung mit der Maus“ berühmt wurde. Die Musik für die mehr als 180 vom WDR produzierten Folgen schrieb Schmitt. Seine Komposition halte sich an keine Formensprache oder Regeln. „Sie ist so sprunghaft wie die Wendungen in den Erzählungen des Käpt’n Blaubär“, heißt es im Programmheft zur Uraufführung.

Schmitt lernte den öffentlichkeitsscheuen Walter Moers Anfang der 1990er Jahre kennen. Der Autor wollte eine Blaubär-Folge über ein Musical drehen. Schmitt sollte ihm Tipps geben. Man traf sich in seiner Offenbacher Wohnung, Man unterhielt sich, Schmitt improvisierte am Klavier. Die beiden verstanden sich, es war der Beginn einer langen Zusammenarbeit.

Hobby zum Beruf gemacht

Für eine Käpt’n Blaubär-CD mit Schlagerparodien, die 1999 bei Warner Music erschien, sollte Schmitt die Musik schreiben. „Hast Du ein Faxgerät“, wollte der in Hamburg lebende Moers wissen. Hatte er nicht. „Besorg Dir eins“, drängte Moers. Kaum war das Gerät angeschlossen, ratterte ein Text nach dem anderen heraus. „Im Nu war die Thermorolle alle.“ Schmitt musste eine neue kaufen. Als nächstes kam eine Zeichnung mit Sprechblase: „Ich kann nicht mehr aufhören“, schrieb Moers zu der verzweifelt dreinschauenden Figur.

Nic ht auf der CD ist eine Verhohnepipelung des Heino-Songs „So blau, blau, blau blüht der Enzian.“ Moers wollte Hein Blöd stattdessen „Bin so blöd, bin so blöd wie der Enzian“ singen lassen. Sie fragten beim Urheber des Enzian-Songs, Adolf von Kleebsattel, um Erlaubnis. Der wollte eine Textprobe sehen. „Die haben wir ihm geschickt und nie mehr von ihm gehört“, so Schmitt.

1990 macht der Offenbacher das Hobby zum Beruf. Er wagt den Schritt in die Selbstständigkeit, auch weil ihm seine Chefin bei der Volkshochschule Dietzenbach, wo er in einem sozialen Brennpunkt arbeitet, den Job für ein Jahr freihält. Finanziell sieht es gut aus, „denn durch die ‚Blaubär’-Folgen flossen die Tantiemen“.

Sc hmitt zieht um und richtet sich in einer ehemaligen Lederwarenfabrik an der Oberhofstraße ein Studio mit schalldichtem Raum ein. Das ist wichtig. Denn in seinem früheren Studio unterm Dach konnte er längstens anderthalb Minuten am Stück aufnehmen. „Dann kam schon der nächste Flieger angerauscht.“

Sc hmitt, der an der HfG in Offenbach Filmmusik unterrichtet, kann an seinen Computern alle Instrumente einspielen. Er nimmt aber auch Kompositionen mit großen Orchestern auf. An das erste Mal kann er sich gut erinnern. Für die Komödie „5 Zimmer, Küche, Bad“, in dem der noch unbekannte Christoph Waltz mitspielte, arbeitete er mit dem HR-Rundfunkorchester zusammen. Der Dirigent fragte, wie ihm die Probe gefallen habe. Schmitt meinte, die Querflöte könnte fröhlicher klingen Die Flötistin reagierte mit Spott: Soll ich dabei lächeln? Da wusste Schmitt, der Seiteneinsteiger: „Es wird schwierig.“

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