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Keine Unterkunft parat

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Von: Christoph Manus

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Stadt kann nur Grundstücke stellen, auf denen Flüchtlinge leben könnten

Kurzfristig wird die Stadt Dietzenbach keine Flüchtlinge unterbringen können. Das ist nach einer gemeinsamen Sitzung aller Ausschüsse des Stadtparlaments klar. Die Kreisstadt kann dem Kreis Offenbach, der händeringend auf der Suche nach neuen Gemeinschaftsunterkünften für die steigende Zahl von Asylbewerbern ist, lediglich zwei Grundstücke anbieten, die dieser dann mit Gebäuden bestücken könnte. Rasch könnte das allerdings in beiden Fällen nicht geschehen.

Die seit Jahren brachliegenden Tennisplätze am Europahaus sind im regionalen Flächennutzungsplan als Sportgelände ausgewiesen, ein Grundstück in der Nähe eines Lastwagen-Händlers an der Ober-Rodener-Straße als Festplatz. Sechs Monate werde es dauern, die Gelände zu bebauen, schätzte Erster Stadtrat Dietmar Kolmer (CDU) am Donnerstagabend. Der Kreis Offenbach habe ohnehin erst im März oder April Geld für die Neubauten zur Verfügung, sagte der Kreisbeigeordnete Carsten Müller (SPD). Eigentlich aber brauche der Kreis Immobilien, die er „von jetzt auf gleich“ nutzen könne. Denn der Druck steige von Sekunde zu Sekunde.

Alle 370 Betten in den Sammelunterkünften sind bereits belegt, 70 Asylbewerber in Hotels untergebracht, schon am Montag kämen aber 28 neue Flüchtlinge, die der Kreis unterbringe müsse. Eigentlich sollen die Menschen, die aus Eritrea, dem Sudan, Syrien, dem Irak oder Pakistan geflohen sind, nur übergangsweise in Gemeinschaftsunterkünften leben, danach in normale Wohnungen einziehen können. Doch auch Wohnungen finde der Kreis nicht, sagte Müller. Die Städte und Gemeinden hat er deshalb schon vor zwei Wochen aufgefordert, selbst Unterkünfte zu organisieren und gedroht, der Kreis werde ihnen sonst direkt einen Teil der Flüchtlinge zuweisen. Das sei allerdings „nur die ultima ratio“, sagte Müller gestern.

Wie schwer sich die Stadt Dietzenbach mit der Suche nach Unterkünften tut, zeigt, dass selbst der Umbau des leer stehenden Traditionslokals „Zur Linde“ in eine Flüchtlingsunterkunft erwägt wird. Sie sei nicht „aus dem Geschäft“, sagte Sozialdezernent Kolmer auf Frage von Barbara Cárdenas (Linke).

Denn auch die einzigen beiden Vorschläge der Stadtverwaltung kamen nicht allzu gut an. Für die SPD-Fraktion etwa machten Fraktionschefin Ulrike Alex und Cengiz Hendek klar, dass sie die abgelegenen Tennisplätze als Standort einer Unterkunft für ungeeignet halten. Auch alle 125 Wohnungen der Wohnungsgesellschaft Dietzenbach seien vermietet, sagte deren Geschäftsführer Walter Fontaine. Bei Fluktuation könnten Wohnungen aber an Flüchtlinge vergeben werden.

Harald Nalbach, Fraktionschef von WIR-Bürger für Dietzenbach, schlug vor, auch die Umwidmung von Flächen im Gewerbegebiet zu erwägen. Er denke etwa an das Gelände hinter dem Globus-Markt und eines in Nähe der Sauna Garten Eden.

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