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In Parks oder auf Grünflächen hessischer Städte kommt das umstrittene Pflanzenschutzmittel Glyphosat teils nicht mehr zum Einsatz. Foto: dpa

Politiker in Hessen für Verzicht auf umstrittenen Unkrautvernichter

Kein Glyphosat in Offenbach

Landespolitiker in Hessen drängen auf einen Verzicht von Glyphosat. In Offenbach ist der Einsatz auf allen städtischen Flächen verboten.

Offenbach/Frankfurt – Auch die ESO Stadtservice GmbH setze das Mittel nicht ein. Entsprechend wird außerdem bei der Vergabe von Arbeiten auf städtischen Grünflächen an Fremdfirmen in den Verträgen explizit darauf hingewiesen, dass keine Herbizide oder andere Mittel zur Bekämpfung von unerwünschtem Bewuchs eingesetzt werden dürfen. Unerwünschte Pflanzen werden beim Stadtservice manuell mit der Hacke entfernt. 

Für Hanau erklärte die Fachabteilung für Grundstücke, „dass das Thema Glyphosat-Verbot in den alten Pachtverträgen noch nicht verankert ist und derzeit keine neuen Verträge anstehen“, so die Stadt. Zudem: Die für Grünflächen zuständige Abteilung erprobe gerade ein Heißwassergerät, das mit Temperaturen nahe dem Siedepunkt arbeite, um auf Pflasterflächen und auf Wegen des Unkrauts Herr zu werden. „Hier gilt hessenweit in Kommunen ohnehin seit Längerem ein Glyphosat-Verbot durch das hessische Umweltministerium.“

Auch in größeren Städten wie Frankfurt, Wiesbaden, Kassel, Darmstadt oder auch Fulda, kommt das Mittel teils seit Jahren schon nicht mehr zum Einsatz, wie eine Umfrage ergab. Anders ist das in der Landwirtschaft. „Glyphosat ist noch zugelassen“, sagte der Sprecher des hessischen Bauernverbandes, Bernd Weber. Und da müsse sich ein Landwirt auch drauf verlassen können.

Glyphosat: Umstrittenes Herbizid

Der Wirkstoff wurde von der heutigen Bayer-Tochter Monsanto als Herbizid auf den Markt gebracht und ist hochumstritten. Eine Unterbehörde der Weltgesundheitsorganisation (WHO) stufte Glyphosat 2015 als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Andere Behörden und Studien kamen zum Schluss, dass Glyphosat bei sachgemäßer Handhabung sicher sei. Nach der EU-Pflanzenschutzverordnung ist Glyphosat noch bis Ende 2022 erlaubt.

„Wir setzen das nicht mehr ein“, sagte Gießens grüne Stadträtin Gerda Weigel-Greilich. Auch in Darmstadt ist das Mittel nach Angaben der Stadt schon seit mehr als 20 Jahren kein Thema. Bei der Straßenreinigung in Frankfurt wurden nach Angaben des Umweltamtes noch nie chemische Mittel zur Unkrautvernichtung eingesetzt. Dies sei immer in Handarbeit erledigt worden. In Parks und Grünanlagen würden schon seit Anfang der 90er Jahre kein Glyphosat oder andere Herbizide mehr eingesetzt. Und auch in Kleingärten sei das kein Thema. Der Einsatz chemischer Pflanzenvernichtungsmittel sei nach der Kleingartenverordnung verboten. Im Bereich von Schottergleisen sei das Mittel 2017 letztmalig eingesetzt worden. Bei den landwirtschaftlich genutzten Pachtflächen gebe es indes kein Glyphosatverbot.

In Kassel wird der Unkrautvernichter in Grün- und Parkanlagen nicht mehr eingesetzt. Auf den verpachteten landwirtschaftlichen Flächen würden die Verträge bereits vorsehen, dass der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel nach Möglichkeit zu vermeiden ist. Wiesbaden hat in Pachtverträge eigenen Angaben zufolge aufgenommen, dass kein Glyphosat eingesetzt werden darf. 

ku/dpa

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