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Licht nach düsteren Jahren: Atemberaubend leicht und hell ist das 1952 erbaute Foyer der Bundesmonopolverwaltung für Branntwein in Offenbach.

Tag des Offenen Denkmals

Kathedrale der Verwaltung

Eigentlich ist die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein nur eine Behörde - doch was hier nach den finsteren Jahren der NS-Diktatur in den Trümmern der Friedrichschule neu entstand, zeugt vom Aufbruchswillen der 50er.

Von Jörg Muthorst

Eine Eingangshalle wie eine Kathedrale. Vier Etagen hoch ragt das Foyer des denkmalgeschützten Bürogebäudes im Offenbacher Friedrichsring 35 in die Höhe. Aus echtem Kathedralglas ist auch die riesige Glaskunstfassade von Hans Leistikow, durch die das Licht ins Innere dringt und den großen Raum durchflutet. Eine weit geschwungene Wendeltreppe erschließt die umlaufenden Galerien in den drei Stockwerken und führt zu den rund 270 Bürozimmern.

Die Bundesmonopolverwaltung für Branntwein (BfB) ist ein herausragendes Beispiel für die luftig-leichte Architektur der 50er Jahre. Am Sonntag, 12. September, dem europaweiten Tag des offenen Denkmals, kann das üblicherweise nicht für die Öffentlichkeit zugängliche Gebäude von 11 bis 16 Uhr besichtigt werden.

Insgesamt vier bauhistorische Zeugnisse werden zum aktuellen Jahresthema „Kultur in Bewegung – Handel, Reisen und Verkehr“ präsentiert. Orte, die für Mobilität im weitesten Sinne stehen, von Menschen wie von Gütern. Neben dem Hafenkran der EVO sind das der Hauptbahnhof, der ehemalige Schlachthof, durch den Offenbachs Denkmalpfleger Helmut Reinhardt führt, und eben die Bundesbehörde BfB.

60 Jahre alt ist sie geworden. Zu ihren Hauptaufgaben gehört die staatlich subventionierte Vermarktung von Hochprozentigem. Das deutsche Branntweinmonopolgesetz, einzigartig in Europa, geht auf das Jahr 1919 zurück. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die staatliche Monopolverwaltung 1950 neu gegründet und in Bad Homburg angesiedelt. 1954 bezog sie den Neubau im Offenbacher Grüngürtel.

Die Behörde wird abgewickelt, die Arbeitsplätze bleiben erhalten

Dort ist sie inzwischen ein Auslaufmodell. Weil das Bundesmonopol gegen EU-Recht verstößt, soll die Behörde schrittweise bis 2017 abgewickelt werden. Ersatzweise wolle das Bundesfinanzministerium die Zuständigkeit der ebenfalls im Haus angesiedelten Beschaffungsstelle für die Zollverwaltung auf weitere Bundesämter ausweiten, sagt BfB-Präsident Eberhard Haake. Die derzeit 200 Arbeitsplätze blieben so erhalten.

Wie auch der nach Offenbach gelockte Deutsche Wetterdienst waren die Standorte von Bundesbehörden vor dem Hintergrund, dass Frankfurt in der Nachkriegszeit als Bundeshauptstadt im Gespräch war, Rhein-Main-weit umworben. Das noch in Ruinen liegende Rumpenheimer Schloss sollte sogar ein Ministerium aufnehmen, sagt Reinhardt.

Offenbach warb die Branntwein-Monopolisten mit einem kostenlosen Grundstück. Der 1,4 Millionen Mark teure Neubau entstand aus Spargründen auf den hufeisenförmigen Sandsteinfundamenten der kriegszerstören Friedrichschule und trägt die Handschrift des Offenbacher Stadtbaurats Adolf Bayer. Die markante Eingangshalle sei dann wohl auf dem ehemaligen Pausenhof entstanden, vermutet Prof. Gerd Weiß, Präsident des Landesamts für Denkmalpflege.

Mit seinen 520 Fenstern, dem frisch sanierten zweigeschossigen Sitzungssaal und der durch viele Farben und Materialien aufgelockerten Fassade strahle der Bau ein neues Lebensgefühl aus, sagt Weiß. Mit einer Architektur wie dieser habe die junge Bundesrepublik sich von der Monumentalistik der 30er Jahre abgesetzt und eine neue Offenheit und Transparenz gezeigt.

Dies lässt offenbar durchaus verschiedene Assoziationen zu. Mitarbeiter des Hauses erinnert die Halle eher an das US-Gefängnis von St. Quentin. Von 8 bis 16 Uhr stehen die Bürotüren immerhin offen. „Da haben wir Ausgang“, scherzt Präsident Haake.

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