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Geht am liebsten zu Kammermusik-Konzerten: Irmgard Dennert.

Offenbacher Studio-Chor

Die Musik als Rückzugsort

20 Jahre lang leitete Irmgard Dennert den Offenbacher Studio-Chor, bis sie genug hatte. Von der Musik an sich wird sie jedoch nie genug haben: Sie singt mittlerweile in drei Chören, gibt Gesangsunterricht und nutzt jede Gelegenheit, um zu Kammermusik-Konzerten zu gehen.

Von Laura Eßlinger

Man könnte sagen, dass es gar nicht anders hätte kommen können. Denn die Begeisterung für Musik und Gesang ist in Irmgard Dennerts Familie Tradition. Schon ihre Großmutter war professionelle Sängerin im Mannheimer Opernchor. Ihr Vater sang beim berühmten Dirigenten Karl Richter im Münchener Bach-Chor, ihre Mutter jahrelang im Kirchenchor. Dennert setzt diese Tradition fort: Seit ihrer Kindheit singt sie, mittlerweile in drei Chören. Bis vor kurzem leitete sie den Offenbacher Studio-Chor - insgesamt 20 Jahre lang. Das sei jetzt lang genug gewesen, sagt sie und hat ihr Ehrenamt an Sängerkollege Gerd Jesek abgegeben.

1988 trat die heute 67-Jährige dem Studio-Chor bei, als ihr Sohn „gerade alt genug war, dass man abends auch mal weggehen konnte“. Begeistert war sie vom damaligen Leiter, dem Musikwissenschaftler und Chorleiter Winfried Kirsch. Einen so professionellen Leiter zu haben, sei toll gewesen, schwärmt sie. „Es war ein Chor mit Niveau“. Seinen Vorsitz übernehmen, das wollte Dennert zunächst nicht. Aber: Hätte sich niemand für den Vorsitz gefunden, wäre er aufgelöst worden. Also ließ sie sich überreden – zum Glück, denn bereut hat sie es nicht. Und das, obwohl es am Anfang nicht leicht war, diese organisatorisch anspruchsvolle Aufgabe zu meistern.

Aufgewachsen ist die Wahl-Offenbacherin in Westfalen bei Münster. Dort hatten ihre Eltern nach dem Krieg ein großes Bauernhaus bezogen. Der Klang im Haus war so gut, dass allwöchentlich der Kirchenchor zum Proben vorbeikam, in dem auch Dennerts Eltern sangen. Lachend erzählt die ehemalige Krankenschwester, wie sie und ihre drei Brüder nachts den Proben auf der Treppe lauschten. „Heimlich natürlich, eigentlich hätten wir schon längst im Bett sein sollen“.

Schon früh hat sich bei der Sängerin ein harmonisches Gehör und eine gute Stimme entwickelt. Zu verdanken hat sie ihre Musikalität auch dem langjährigen Klavierspielen. Mit fünf Jahren fing sie an, übte zwei Stunden täglich. „Die Musik war mein Rückzugsort und hat mich innerlich gestärkt“, erzählt sie, „immer wenn ich Ruhe vor meinen wilden Brüdern haben wollte, habe ich mich ans Klavier gesetzt.“

Duett mit dem Ehemann

Und noch einen Vorteil brachte ihr die musische Begabung: In der Schule bekam sie in Musik immer eine Eins, „damit konnte ich die etwas schlechteren Noten ausgleichen“. Ein Naturtalent am Klavier sei sie dennoch nicht gewesen, beteuert die ehemalige Chor-Vorsitzende bescheiden. Dann schon eher im Singen. „Das war mir näher.“ Trotz des Ehrgeizes und ihrer Begeisterung, professionell singen wollte sie nie. Denn:„Profi-Singen ist Leistungssport. Nach einem intensiven Gesangsunterricht geht man nassgeschwitzt raus“, sagt Dennert.

Wenn sie nicht am Klavier sitzt oder Gesangs- und Stimmbildungsunterricht nimmt, recherchiert die Alt- und Mezzosopran-Sängerin im Internet nach neuen Noten für die Chorproben und nach Lebensläufen bekannter Musiker. Es ist nicht zu übersehen: Dennert liebt die Musik. Sie nutzt jede Gelegenheit, um auf Kammermusik-Konzerte zu gehen, „am liebsten in kleinen Sälen, da ist die Atmosphäre eindringlicher“.

Ihr Mann teilt die Liebe, er spielt selbst Instrumente. Manchmal treten sie sogar im Duett auf.

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