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Bürgerinitiative Rumpenheim

Kämpfer für Schloss und Stadtteil

  • Sigrid Aldehoff
    VonSigrid Aldehoff
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Die Bürgerinitiative Rumpenheim besteht seit 40 Jahren und setzt sich seitdem für den Denkmalschutz ein.

Fährt man die Bürgeler Straße in Richtung Main, fallen die alles überragenden Hochhaustürme sofort ins Auge. Rund um die Betonblocks erinnert eine kümmerliche Grünanlage noch daran, dass hier einst der alte Schlosspark gestanden hat. Von der Existenz eines Schlosses aus dem 17. Jahrhundert zeugt nur noch ein Seitenflügel zwischen 23-geschossigen Wohntürmen.

Dieses Szenario für Rumpenheim war in den 70er Jahren durchaus mehr als ein Planspiel. Dass die Hochhäuser nicht gebaut wurden, das Schloss noch steht und ein Schmuckstück nicht nur für den Stadtteil, sondern für ganz Offenbach ist, ist Verdienst der vor 40 Jahren gegründeten Bürgerinitiative Rumpenheim (BIR). Ihr Ziel: Das Schloss wiederaufzubauen.

Das verfallende Gebäude war für die Stadt nur Ballast: Die Seitenflügel waren durch Wetter und Vandalismus schwer beschädigt, vom Haupttrakt stand nach einem Bombentreffer im Zweiten Weltkrieg nur noch eine Ruine, die für den Abriss bestimmt war. Ein Investorenwettbewerb sollte 1972 eine sinnvolle und gewinnbringende Nutzung des Geländes am Main aufzeigen.

„Hochhäuser waren damals das stadtplanerische Leitbild“, sagt Markus Eichberger, Leiter des Stadtplanungsamts. Entsprechend setzte auch jeder der damals eingereichten Entwürfe auf Betonklötze. Dank des vehementen und ausdauernden Einsatzes der BIR wurde dies verhindert. Sie wollte ein „Schloss für Demokraten“, wie es der erste, langjährige Vorsitzende Willi Heberer formulierte: Ein öffentliches Kommunikationszentrum mit Jugendhaus, Gesundheitszentrum, einem Hotel garni, Räumen für die Kultur, Arztpraxen, Kegel- und Bowlingbahnen.

Diese Idee äußerte der Vorstand, in dem auch Horst Klepzig, der Pfarrer Michael Röhrig, der Arzt Kurt Stein, der Architekt Günther Potschke und Herbert Müller saßen, in einer lebhaften öffentlichen Anhörung im Bürgerhaus mit mehr als 300 Menschen, die fast alle den Erhalt des Schlosses forderten.

Der Abriss war danach vom Tisch, die Pläne der BIR erwiesen sich aber als zu teuer. Immerhin schaffte sie es, 1975 im Ostflügel für fünf Jahre ein Kinderhaus mit Nachmittagsangebot einzurichten, das aber nach einem Brand aufgegeben wurde.

Das Schloss verfiel weiter, schließlich rief die BI R 1986 zu einer Entrümpelungsaktion auf. „Die Seitenflügel wurden schließlich von uns und Kaufinteressenten zu Wohnungen umgebaut“, erinnert sich Heinz Meier-Ebert, der bis 2012 Vorsitzender der BI war. Er selbst zog 1978 nach Rumpenheim. „Das war damals ein Geheimtipp, aber wenn da Hochhäuser gestanden hätten, wären wir nicht hergezogen.“ Auch der verfallende Marstall sei während des Ausbaus der Seitenflügel erhalten worden, weil der Architekt dort sein Büro einrichtete.

Die BIR organisierte schon damals Vorträge, etwa über Denkmalschutz, und mischte sich politisch ein. So trug sie dazu bei, dass Mitte der 90er Jahre ein Golfplatz auf den Feldern zwischen Rumpenheim und Mühlheim verhindert wurde. In dieser Zeit war Offenbachs Bürgermeister Peter Schneider (Grüne) im Vorstand der BIR, bis 2000 als Vorsitzender. Er nennt noch eine weitere Aufgabe des Vereins: „Die Bürgerinitiative hatte Integrationskraft innerhalb von Rumpenheim, sie war der Kitt zwischen den Alteingesessenen und den in den 60er, 70er und 90er Jahren zugezogenen Neubürgern, die sich gemeinsam für den Stadtteil einsetzten.“

Das Schloss ist inzwischen komplett mit Eigentumswohnungen aus- und aufgebaut und seit rund zehn Jahren bewohnt. Die BIR setzt sich weiter für den Erhalt des verfallenden Schlossparks ein und kämpft auch gegen den seit Eröffnung der Nord-West-Landebahn zusätzlichen Fluglärm. „Wir arbeiten weiter in Sachen Denkmalschutz und bieten kulturelle Termine an“, sagt Uwe Becker, der seit 2012 Vorsitzender ist. Die BIR berate etwa die Besitzer von Fachwerkhäusern über die fachmännische und energetische Sanierung. „Die Bürgerinitiative hat auch bei den Altrumpenheimern viel Bewusstsein für den Ort geweckt, denn was man an Werten vor der Hautür hat, nimmt man ja oft nicht so wahr wie ein Zugezogener.“

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