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Julien Ted Riganti, Gründer von 8000watt.
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Julien Ted Riganti, Gründer von 8000watt.

Full Force voraus

„Immer großes Blatt, 8000watt“: Wer ist eigentlich dieser Julien Ted Riganti?

  • Moritz Serif
    vonMoritz Serif
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Mehr als nur eine Brand: Für Julien Riganti ist der Slogan „Immer großes Blatt, 8000watt“ zu seinem Lebensmotto geworden. Ein Portrait.

Offenbach – Sie sind in der ganzen Stadt verteilt. Am Marktplatz. In der S-Bahn-Station des Ledermuseums. Oder auch am Hauptbahnhof. Sticker, die für mehr stehen, als der Schein es im ersten Moment vermuten lässt. Der Hintergrund dieser Aufkleber ist in ein sattes Neongelb getaucht. Drei Ladebalken symbolisieren den Akkustand. Die Aufschrift: „8000watt“. Doch was genau hat es damit auf sich?

Spurensuche in Offenbach. Julien Ted Riganti, Gründer von 8000watt, lädt zu einem Treffen in seine Altbauwohnung ein. Kaum angekommen, steckt Julien bereits in einem Call fest. Er ist groß, schlaksig, trägt lockiges, dunkles Haar und natürlich einen lilafarbenen Pulli, seines eigenen Labels, das gleichzeitig als Online-Shop fungiert. „Bin gleich fertig, mach es dir schon mal gemütlich“, sagt er.

Hausbesuch bei 8000watt-Gründer Julien Ted Riganti

Gesagt getan. Ab in die Küche. Keine drei Minuten später kommt Riganti hinzu. Es gibt einen Espresso zu trinken, der stark, aber überaus lecker schmeckt. Wir wechseln den Raum und machen es uns im Wohnzimmer gemütlich. Dort stehen zwei Technics-Plattenspieler und ein monströser Rodec-Mixer. „Das gehört in Offenbach zur Standardausrüstung. Die Clubs müssen ja sehr früh schließen und dann kann man noch ‚ne Afterhour machen“, sagt Riganti und lacht.

Seine Ausbildung hat der junge Mann in Frankfurt bei Artus Interactive absolviert. Konzeption und Visualisierung. „Dort habe ich gelernt, Social Media zu bedienen“, fügt Julien hinzu. Eine seiner größten Leidenschaften. Die Vermarktung für den 8000watt Store findet nämlich fast ausschließlich auf Instagram statt.

„Immer großes Blatt, 8000watt“ ist zu seinem Lebensmotto geworden

Dort teilt der junge Mann Storys und Videos von sich, die ihn beim Radeln und Trainieren zeigen. Gerne ist Julien mit seinem Gravel Bike unterwegs, das vor allem für Kies und Schotter geeignet ist. Außerdem führt Riganti Interviews mit Profi- und Nachwuchsfahrer:innen – und sonst teilt er Routen für die Community, die er selbst gefahren ist. Knapp 22.000 Menschen folgen ihm bei Instagram. Schnell zeigt sich, dass der Slogan „Immer großes Blatt, 8000watt“, zu seinem Lebensmotto geworden ist.

Alles begann mit dem Rennrad des Vaters

Apropos. 2014 bekam Julien das Rennrad von seinem Vater geschenkt und begann dem Sport nachzugehen. „Mit meinem Rad bin ich dann jeden Tag nach Frankfurt zur Arbeit gefahren“, erzählt er. Kurze Zeit später lud Riganti den DJ Philipp Berg zu seiner Streaming-Plattform „L‘oreille Offenbach“ ein, wo dieser ein Set auflegte. Beide verstanden sich gut. Daraufhin nahm Berg Julien zu einer Tour durch den Taunus mit. Das sei sehr kräftezehrend gewesen. Doch Riganti packte der Ehrgeiz.

„Weil mir das so gut gefallen hat, habe ich beschlossen regelmäßig zu trainieren und mit den Jungs öfters zu fahren. So bin ich zu dem Radfahren gekommen“, sagt er. Kurz darauf nahm Julien schließlich an einem Trainingslager teil. Dort ging es vor allem um „Wattzahlen“. „Da habe ich mir sofort gedacht: Junge, was ist denn hier los?“, erzählt Riganti und lacht. Mit Wattzahlen kann man nämlich relativ genau die Stärke eines Fahrers berechnen. Abhängig von Gewicht und Größe lässt sich so vorhersagen, wie lange man braucht, um beispielsweise einen Berg zu erklimmen.

„8000watt, der Name meiner Brand, ist im Endeffekt aus einem Joke entstanden“

„8000watt, der Name meiner Brand, ist im Endeffekt aus diesem Joke entstanden“, erklärt Julien. Während Riganti spricht, sitzt er entspannt und zurückgelehnt in einem Ledersessel. Sein hessischer Akzent wirkt offen und sympathisch. Obendrein wirkt die Brand wie ein Katalysator. Über 8000watt kam Julien nämlich in Kontakt mit Influencern aus dem Radsport. Ein Bekannter stellte einen Draht zu Rick Zabel, Sohn des ehemaligen Rennradfahrers Erik Zabel, her. Zusammen haben die beiden einen Kaffee in Kooperation mit 19grams an den Start gebracht. „8000watt - Full Force voraus und Rick Zabel, das passt“, sagt Julien. „Full Force voraus“ ist übrigens eine von vielen Eigenwortkreationen Rigantis.

Mit Zabel sei er mittlerweile auch privat sehr gut befreundet. „Der Kaffee kommt super an, die Leute sind geflasht und haben Bock“, bilanziert er. Übrigens: Im diesjährigen Tour de France Magazin fand sich sogar Werbung für das Produkt. Nicht die einzige Verbindung zur Frankreichrundfahrt. 2017 war Julien als Social Media Reporter für die Tour de France auf Instagram tätig. „Ich hatte eine coole Zeit, konnte mein Ding machen und durch Frankreich ballern“, erklärt Riganti.

Social Media Reporter für die Tour de France und Continental

Zwei Jahre später fragte Continental den Social Media Experten an. Julien, der die Conti selbst gerne fährt, sagte zu. „2019 hatte ich viel mehr Freiheiten und konnte den 8000watt Style bedienen. Denen war es nämlich wichtig, dass ich authentisch bleibe. Auch das sei eine „sehr geile Zeit“ gewesen. 2020 hätte Riganti ebenfalls als Social Media Reporter für Continental bei der Tour de France arbeiten können. Doch dieses Mal lehnte Julien ab.

„In Zeiten von Corona und Maskenpflicht war es für mich undenkbar, durch Paris zu fahren und mit 150 Menschen zu sprechen. Ich habe ja auch eine Vorbildfunktion“, sagt er. Das wirkt reif und erwachsen. Die Absage hat 8000watt im Übrigen nicht geschadet. Aktuell verkauft Julien CBD-Öl über den Shop. „Das ist ein Liebhaberprojekt von Freunden aus Frankfurt, die in Berlin wohnen“, erklärt Riganti.

Studium an der HfG half beim Aufbau von 8000watt

Zwischendurch klingelt immer wieder das Smartphone. Beim Brand-Aufbau kommt Julien auch ein Studium an der Hochschule für Gestaltung (HfG) in Offenbach zugute. Vor allem die dortige Schneiderei hat es ihm angetan. „Wenn ein Projekt ansteht, dann entwerfe ich nicht irgendein Poster für ein fiktives Weingut, sondern für ein Projekt, dass ich gerade selbst verfolge und das praxisnah ist“, sagt Julien.

Auch für Live At Robert Johnson hat Julien bereits Fashion entworfen. Vor allem Rigantis Pomodori-Shirts gingen dort weg wie heiße Semmeln. Dadurch wurde der berühmte Rapper Yung Hurn auf Mr 8000watt aufmerksam. „Yung Hurn fand mein Shirt cool und hatte mich deshalb auf Instagram angeschrieben. Daraufhin habe ich mich mit ihm getroffen. Er brauchte nämlich Merchandise für seine Tour. Dann habe ich das durchgeballert und das kam so raus“, erzählt Julien. Nicht schlecht!

Rigantis Pomodori Longsleeve, den er auch auf seinem Online-Shop verkauft.

Offenbach oder Berlin? Mr. 8000watt hadert

Doch was kommt als Nächstes? „Ich wohne seit sieben Jahren in Offenbach, komme ursprünglich aus Wiesbaden. Ich schätze es, dass man hier seine Ruh‘ hat. Und wenn man mal Bock auf Action hat, gibt es mit dem Robert Johnson einen sehr guten Club“, erzählt Riganti. Doch auch Julien bemerkt, dass immer mehr Kreative die Region verlassen.

„Seit ein paar Monaten bin ich ehrlicherweise am Hadern. Mein halber Freundeskreis ist mittlerweile in Berlin aus wirtschaftlichen Gründen und auch wegen der Lebensqualität. Dort ist alles internationaler“, sagt er. In der Heimat gebe es vielerorts feste Strukturen. „In manche kommt man rein, in andere nicht – das sättigt relativ schnell“, sagt er. Auch Juliens Freundin wohne dort. Eine Entscheidung hat Riganti allerdings noch nicht getroffen. (Moritz Serif)

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