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Die Leitende Restauratorin Jutta Goepfrich bearbeitet in der Restaurationwerkstatt Hausschuhe die Anfang des 19. Jahrhunderts für Ulrike von Levetzow gefertigt wurden.

Ledermuseum Offenbach

Die Pantoffeln Goethes letzter Liebe

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Das Team des Deutschen Ledermuseums in Offenbach bereitet sich auf die Jubiläumsfeier im Jahr 2017 vor. Zum 100-jährigen Bestehen ist eine Festausstellung geplant.

Das Reinigen der vielen Tausend Perlchen ist für Jutta Göpfrich eine meditative Arbeit. Mit einem leicht angefeuchteten Wattestäbchen reibt die Restauratorin des Deutschen Ledermuseums in Offenbach jede einzelne ab. Die Perlen gehören zum Festtagsgewand einer Frau aus dem Stamm der Dakota-Indianer. An einem Stück am Ärmel ist der Unterschied zwischen gesäuberten und nicht gesäuberten Perlen zu erkennen. Die einen haben eine kraftvolle Farbe, über den andern liegt ein Grauschleier. „Man muss mit Demut an das Objekt herangehen“, sagt die Restauratorin, die seit 1977 im Ledermuseum arbeitet.

Das 1850 entstandene Kleid ist eines der Exponate, die auf der Festausstellung zum 100. Jubiläum des Ledermuseums im September 2017 präsentiert werden sollen. Man könnte sagen, dass Göpfrich bis dahin noch Zeit hat, wären da nicht die anderen Ausstellungsstücke, die fertig werden müssen. Hundert sollen es werden, passend zum Jubiläum.

„Wir planen eine Überblicksausstellung, um zu zeigen, welcher Schatz hier liegt“, sagt Museumsleiterin Inez Florschütz, die gerne das Alleinstellungsmerkmal des Offenbacher Museums betont, weil es als einziges in Deutschland das Material Leder thematisiert. Noch stehen nicht alle Objekte für die Präsentation fest. Florschütz und ihr Team sind dabei, ihre Kataloge und Depots zu sichten. Die Stücke sollen eine spannende Entstehungsgeschichte, einen speziellen Bezug zu einem dieser hundert Jahre von 1917 und 2017 oder einen besonderen Stellenwert für die drei Sammlungen des Deutschen Ledermuseums – Schuhmuseum, Ethnologisches Museum und Museum für angewandte Kunst – haben. Natürlich soll aus allen dreien auch etwas dabei sein.

Dass das Kleid der Dakota-Frau gezeigt wird, gilt als ausgemacht. Eine Handtasche aus der früheren Offenbacher Taschenfabrikation Comtesse soll auch in die Ausstellung gehen. Welche, ist noch nicht entschieden. Vielleicht wird auch der mit Eberleder bezogene Elefant, ein exklusives Kinderspielzeug des französischen König Louis XV, dafür von der jetzigen Sonderausstellung „Leder – Begleiter durchs Leben“ in die Jubiläumspräsentation wechseln. Um die Exponate sicher und ansprechend darzustellen, soll ein weiterer Raum im Museum neu hergerichtet werden und eine moderne Großraumvitrine erhalten, wie es sie für die Sonderausstellung bereits gibt. Florschütz möchte nach und nach das gesamte Museum mit diesen begehbaren Vitrinen und moderner LED-Leuchten ausstatten, um die Werke besser zur Geltung zu bringen.

Die Pantoffeln von Johann Wolfgang Goethes letzter großen Liebe, Ulrike von Levetzow (1804 bis 1899), möchte Florschütz ebenfalls zeigen. Zu den Hausschuhen aus grünem und mit Perlen besticktem Samt wird Florschütz den Reiselederkoffer Goethes stellen. Ob der Dichter, der sich im Alter von über 70 Jahren während eines Kuraufenthalts in Marienbad in die blutjunge Ulrike verliebte, genau mit jenem Koffer verreist war – wer weiß? „Wie sich unsere Objekte zu Geschichten formen, muss sich noch ergeben“, sagt Florschütz.

Göpfrich, die Restauratorin, wird den einen der zierlichen Schuhe Ulrikes sorgsam stabilisieren müssen, denn er ist etwas eingesunken; zudem ist das Inlet der Ferse defekt. Dazu wird Göpfrich ihre Hand wie ein Bügeleisen benutzen, um kleine, mit einem wärmeempfindlichen Klebstoff bestrichene Seidenstücke an das Innenteil zu heften. Für solche Arbeiten hält sie manchmal den Atem an, um eine ruhige Hand zu haben. Ihre Aufgabe sei es nicht, zu reparieren, sondern das Objekt mit seiner Geschichte samt Gebrauchsspuren zu erhalten. Göpfrich wird also bis zur Jubiläumsfeier die Arbeit nicht ausgehen. Gebrauchsspuren haben Ulrikes Pantoffeln nur wenige. Das Mädchen wird die Kostbarkeit nur selten getragen haben.

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