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Inhaber Lothar Franck und Geschäftsführerin Helma Fischer. In diesem Frühjahr feiert die Steinmetz'sche Buchhandlung in Offenbach ihr 175-jähriges Bestehen. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts, als sie gegründet wurde, wurden die Bücher noch mit der Pferdekutsche angeliefert. 1891 wurde sie zur Großherzoglich Hessischen Hofbuchhandlung und 1896 zur Fürstlich Isenburg-Birstein´schen Hofbuchhandlung ernannt.

Steinmetz'sche Buchhandlung

Klein, fein, traditionell

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Die Steinmetz'sche Buchhandlung wird 175 Jahre alt - und ist nicht nur die älteste in Offenbach, sondern sogar eine der ältesten in Hessen. Auch ihr Besitzer ist hoch betagt. Lothar Frank wird 99.

Überschaubar bleiben und sich nicht in Abhängigkeiten begeben - diese Geschäftsstrategie verfolgt Inhaber Lothar Franck mit seiner Steinmetz´schen Buchhandlung seit 70 Jahren.

Weder interessierte er sich wie viele andere Wettbewerber für größere Verkaufsflächen noch für Fusionen und Filialen. "Ich bleiben" wollte er, aber auch "sich nicht schlucken lassen", sagt der 99-Jährige, der nicht mehr im Geschäft aktiv ist, die Entwicklungen auf dem Buchmarkt aber immer noch mit Interesse verfolgt.

Die Strategie Francks hat sich bewährt. Die kleine Buchhandlung in der Frankfurter Straße überstand die ökonomischen Zwänge der letzten Jahrzehnte ebenso wie schon die Nachkriegszeit und die Zwischenkriegszeit.

1891 wurde sie zur Hofbuchhandlung des Großherzogs

In diesem Frühjahr feiert sie ihr 175-jähriges Bestehen. In den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts, als sie gegründet wurde, wurden die Bücher noch mit der Pferdekutsche angeliefert. 1891 wurde sie zur Großherzoglich Hessischen Hofbuchhandlung und 1896 zur Fürstlich Isenburg-Birstein´schen Hofbuchhandlung ernannt.

Ein so hohes Alter erreichen nur wenige. In Hessen gibt es sieben Buchhandlungen, die 1837 oder davor gegründet wurden. Sie liegen meist in Kleinstädten, wo der Konkurrenzdruck weniger stark ist. "Das Publikum in Offenbach lässt so eine kleine Buchhandlung überleben, es ist ein treues, bürgerliches Publikum, das den anspruchsvollen Charakter der Buchhandlung liebt", lobt Geschäftsführerin Helma Fischer ihre Kunden.

Gegründet wurde die Buchhandlung nicht von ihrem Namensgeber Steinmetz. Der kauft den 1835 von Clemens Wächters- häuser gegründeten Laden erst zehn Jahre später. Traktate und Handbücher über die Wechselfälle des Lebens werden damals über den Ladentisch gegangen sein, gewiss auch Goethes "Briefwechsel mit einem Kinde", den der Dichter mit Bettina von Arnim führte. In Offenbach war 1830 die allgemeine Schulpflicht eingeführt worden, was die Nachfrage nach Büchern gewiss ansteigen ließ.

Theodor Steinmetz führt das Geschäft bis 1890. 1895 kauft Carl Schoeller die Buchhandlung, der in Stuttgart im Cotta-Verlag tätig war. Schoeller übernimmt die Geschäftsleitung mit seinem Schwager, dem Buchdrucker Alfred Franck, auch ein Stuttgarter, und weil Schoeller kinderlos stirbt, geht sie an Franck über.

"Eigentlich hatte mein Vater vor, das Geschäft zu verkaufen. Doch er fand Gefallen daran und ist aus Spaß geblieben", erinnert sich Franck, dessen leicht schwäbischer Akzent noch zu hören ist. 1937 übernahm er das Geschäft, aus gleichen Teilen aus Liebe zum Buch und Interesse am Kaufmännischen, wie er sagt. Nach der Zerstörung der Buchhandlung 1944 durch Fliegerbomben baute Lothar Franck es 1948 auf einer etwas verkleinerten Grundfläche wieder auf.

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