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Ein Schulanfänger blickt auf das Alphabet. Viele Schüler aus Offenbach haben mit Übergewicht und Sprachdefiziten zu kämpfen. (Symbolbild)
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Ein Schulanfänger blickt auf das Alphabet. Viele Schüler aus Offenbach haben mit Übergewicht und Sprachdefiziten zu kämpfen. (Symbolbild)

Offenbach

Jeder sechste Erstklässler zu dick

  • Agnes Schönberger
    VonAgnes Schönberger
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Der Schuleingangstest zeigt: Nur 32 Prozent der Zuwandererkinder sprechen fehlerfrei Deutsch, Jungen schneiden schlechter ab als Mädchen.

Viele Offenbacher Kinder bringen schlechte Voraussetzungen für den Start ins Schulleben mit. Wie die Schuleingangsuntersuchung 2016 zeigt, haben insbesondere Kinder aus Migrantenfamilien mit Übergewicht und Sprachdefiziten zu kämpfen. 16,8 Prozent der Zuwandererkinder waren übergewichtig oder sogar krankhaft dick, bei Schulanfängern ohne Migrationshintergrund waren es 12,8 Prozent. Der Durchschnittswert von 15,8 Prozent lag fast sechs Punkte über dem hessischen Wert.

Auch bei den Deutschkenntnissen, der sprachlichen Kompetenz und bei der Motorik stellten die Schulärzte erhebliche Defizite fest. Dies betraf vor allem Jungen. Sie waren mit 31 Prozent fast doppelt so häufig sprachauffällig wie Mädchen. Sie schnitten auch bei den Deutschkenntnissen wesentlich schlechter ab.

Positiv wirkt sich offensichtlich der Kitabesuch aus. Je länger die Mädchen und Jungen die Einrichtung besuchen, desto besser sprechen sie Deutsch. Allerdings ist seit 2011 die Zahl der Kinder mit Migrationshintergrund, die fehlerfrei Deutsch sprechen, deutlich zurückgegangen. Damals lag ihr Anteil bei über 40 Prozent. Jetzt sind es nur noch 32 Prozent.

Mehrere Gründe für Übergewicht

In Offenbach werden alle Grundschüler seit 2006 vor dem ersten Schultag nach einem besonderen Verfahren zur Erfassung von Entwicklungsstörungen untersucht. In Hessen wurden die Tests 2007 eingeführt. 1291 Erstklässler wurden 2016 in Offenbach auf Herz und Nieren geprüft. 73 Prozent hatten mindestens einen Elternteil mit Migrationshintergrund. In der Gesamtbevölkerung liegt der Anteil der Zuwanderer bei 61 Prozent.

Nach Ansicht von Barbara Schneider, Ärztin Stadtgesundheitsamt, gibt es mehrere Gründe für die Übergewichtigkeit der Kinder. Kulturelle Besonderheiten, niedriger Bildungsstatus und Sprachbarrieren spielten eine Rolle. Zwar gebe es mit dem Arbeitskreis Jugendzahnpflege, der in Kitas und Krabbelstuben wertvolle Arbeit leiste, sowie mit dem Kurs „Mama lernt Deutsch“, dem Nachhilfeprojekt „Deutschsommer“ und weiteren Initiativen viele Angebote, um sprachliche oder motorische Fähigkeiten der Kinder zu verbessern. Doch sie reichten offenbar nicht aus.

Der Beratungs- und Therapiebedarf könne nicht gedeckt werden. Zudem fehle es an wohnortnahen und bezahlbaren Bewegungsangeboten, sagt Schneider. Besonders die Innenstadt biete hier im Vergleich zu anderen Stadtteilen wenig Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten.

Überdeutlich ist nach ihren Worten der Geschlechtsunterschied. Jungen zeigten sowohl fein- als auch grobmotorisch erheblich größere Defizite als Mädchen. Schuld daran ist laut Schneider der teilweise extreme Medienkonsum. Eine normale motorische Entwicklung finde dann mangels Übung nicht statt, sagt Schneider. Nach ihren Angaben gibt es bei der Motorik keine Unterschiede zwischen Kindern aus deutschen oder Zuwandererfamilien.

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