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Die Statue in einer historischen Ansicht

Offenbach

Die Jagdgöttin soll zurückkehren

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Ein Gönner stiftet eine Replik der Artemis-Statue für den Schlosspark Rumpenheim.

Im Pariser Louvre kann das Original bewundert werden, bis 1965 stand eine Replik auch im Rumpenheimer Schlosspark: Die „Artemis mit Hirsch“ gehört zu den bekanntesten antiken Statuen. Die griechische Göttin der Jagd ist mit Hirsch dargestellt, ihre rechte Hand greift nach einem Pfeil aus dem Köcher auf ihrem Rücken, in der linken hält sie Überreste eines Bogens in Höhe des Hirschgeweihs.

Bald soll sie auch wieder den Schlosspark Rumpenheim schmücken: Ein Gönner, der anonym bleiben möchte, hat der Stadt angeboten, die Kosten für die Anschaffung der Replik zu übernehmen. In ihrer Sitzung vergangenen Woche haben die Stadtverordneten das Angebot einstimmig angenommen.

Zur Zeit des Klassizismus wurden zahllose Kopien angefertigt, mal in Originalgröße, mal verkleinert als Schmuck für Tisch und Kaminsims. Eine Replik der Figur in Parks aufzustellen, gehörte zum guten Ton zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Und so wurde auch in Rumpenheim die Statue aufgestellt. Hier wurde sie unter ihrem römischen Namen als „Diana von Rumpenheim“ bekannt.

Als die Stadt 1965 die Schlossruine und den Park von der Kurhessischen Hausstiftung (heute Hessischen Hausstiftung) erwarb, wurde nicht nur das Mausoleum geräumt, auch die Statue verschwand aus dem Park. Wo sie nun steht, ist umstritten. „Im Park von Schloss Fasanerie bei Eichenzell steht eine Diana-Statue, die ich selbst gesehen habe“, sagt Jürgen Eichenauer, Leiter des Hauses der Stadtgeschichte. „Der Rumpenheimer Heimatforscher Helmut Hill geht aber davon aus, dass bei Eichenzell nur eine Kopie steht und das Original nach Schloss Panker in Schleswig-Holstein gebracht wurde, das ebenfalls der Hessischen Hausstiftung gehört.“

Dass den Park wieder eine Figur zieren soll, freut Eichenauer. „An der Figur kann man gut die Geschichte des Schlossparks sichtbar machen“, sagt er, „insbesondere die Verrohung der Sitten nach dem Zweiten Weltkrieg.“ Denn pfleglich gingen Bürger und Stadt nicht mit Schloss und Park um in dieser Zeit: Das Hauptgebäude des Schlosses wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört, in den erhaltenen Seitenflügeln wurde Flüchtlinge aus den ehemaligen Ostgebieten untergebracht. Der Park war Vandalismus ausgesetzt, Zeitungen schrieben von illegalen Motorradrennen, die dort abgehalten wurden. „Von Lebensgefahr für Fußgänger ist in den Berichten die Rede“, sagt Eichenauer. Auch die Statue wurde beschädigt, dem Hirschen schlugen Unbekannte die Vorderläufe ab. Mit dem Erwerb durch die Stadt sollten bekanntlich Schlossruine und Park weichen, Hochhäuser waren für das Areal vorgesehen. Dass es anders kam, ist der Bürgerinitiative Rumpenheim zu verdanken, die noch heute aktiv ist und besonders am Erhalt des Schlossparks Anteil nimmt.

Der Stifter – in Rumpenheim wird vermutet, er stamme aus dem Umfeld der Bürgerinitiative – stellt 82 635,25 Euro für die Wiederbeschaffung der Figur zur Verfügung. Für 18 000 Euro wird die Stadt Fundament und Sockel errichten. „Die Figur selbst wird in Paris beim Louvre angefertigt“, sagt Stadtsprecher Fabian El-Cheikh.

An ihrem historischen Ort, in Verlängerung des Ehrenhofs des Schlosses in Richtung Schloßgartenstraße auf der Wiese in Höhe der Schlosskirche, soll die Figur wieder aufgestellt werden. Momentan sei die Stadt dabei, Angebote von Steinmetzen für den Sockel einzuholen. Im günstigsten Fall könnte die Figur noch in diesem Jahr aufgestellt werden. Dann wäre 2019 für den Schlosspark ein bedeutendes Jahr, denn im Frühjahr soll auch die neue Wegeführung durch den Park eröffnet werden. So kann auch wieder die historischen „Zarenlinde“ problemlos erreicht werden.

Wer es aber gar nicht erwarten kann, bis die Statue im Schlosspark aufgestellt wird: Eine rund 20 Zentimeter große Nachbildung des Originals „Artemis mit Hirsch“ ist mit wenigen Klicks in diversen Online-Shops gekauft. Oder man fährt eben nach Paris und besucht das Original im Louvre.

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