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Die Antworten sind via QR-Code abrufbar.

Offenbach

Islam uff Hessisch

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Ein Verein will mit Bierdeckeln zur Diskussion über ein heikles Thema anregen. 25.000 Untersetzer wurden mit Fragen bedruckt, Antworten gibt’s via QR-Code oder Link.

Es klingt nach einer veritablen Schnapsidee. Ausgerechnet mit Fragen zum Islam auf Bierdeckeln will das Orient-Netzwerk den interreligiösen und interkulturellen Dialog in Offenbach und Umgebung fördern. Die Mitglieder des Vereins mit Sitz in Freiburg meinen es aber ernst mit ihrem Projekt „Islam uff Hessisch“.

Zehn Fragen wurden in Mundart verfasst und auf Untersetzer gedruckt, um Menschen in ihrem Stammlokal anzuregen, mit anderen über das heikle Thema Islam ins Gespräch zu kommen. „Wie hawwes die Moslems mittem Äppelwoi?“, lautet eine Frage. Eine andere: „De Mohammed – was war dann des eischendlisch für aaner?“ Die Antworten, auch wieder in Mundart, sind via QR-Code oder Internetlink abrufbar.

25.000 Getränkeuntersetzer wurden für die Stadt Offenbach gedruckt, weitere 12.500 für den Landkreis, der sich dem Projekt später angeschlossen hat. Sie werden an Gaststätten, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Vereine verteilt. Die Bierdeckel können Interessierte kostenfrei über die Vereins-Homepage www.orient-netzwerk.de bestellen.

Die Druckkosten belaufen sich nach Angaben des Projektverantwortlichen Raban Kluger auf einen niedrigen vierstelligen Betrag. Finanziert wird das Projekt von der Partnerschaft für Demokratie der Stadt Offenbach im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“.

Pilotprojekt  in Freiburg erfolgreich

In Freiburg sei das Pilotprojekt „Islam uff Badisch“ sehr erfolgreich gewesen. Von den 25.000 Bierdeckeln sind laut Kluger nur noch knapp 2000 übrig. Nach seinen Angaben entstand die Idee zu der Kampagne schon 2013 unter den Studierenden des orientalischen Seminars, die die gängigen Fragen zum Islam auch dem Normalbürger verständlich beantworten wollten. Als ideales Verbreitungsmedium erschien den jungen Leuten der Bierdeckel. Vom Dialekt erhofften sie sich Aufmerksamkeit für die Aktion, die Wissen und Witz vereinen will.

Islam- und Religionswissenschaftler hatten die maximal 2200 Zeichen langen Texte geschrieben. Das Problem: Die Antworten waren zu akademisch. Also mussten Kluger und seine Mitstreiter sie in ein verständliches Hochdeutsch übertragen, bevor ein Experte sie ins Badische übersetzen konnte.

Offenbach hatte über „Demokratie leben“ von dem Projekt erfahren und angefragt, ob der Verein bereit wäre, eine hessische Variante zu erarbeiten. Das war 2017. Bei der Gestaltung der Deckel wäre den Freiburgern beinahe ein fataler Fehler bei der Gestaltung der Deckel unterlaufen. Sie wollten die Skyline von Frankfurt abdrucken. „Da hieß es: ,Um Gottes willen. Das geht gar nicht‘“, erinnert sich Kluger an entsetzte Reaktionen der Offenbacher.

Texte enthalten viele Bezüge zu Offenbach

Die Texte enthalten zahlreiche Offenbach-Bezüge. Auf die Frage, „Gibt’s vom Islam verschiedene Sorde?“ antwortet ein fiktiver Schorsch mit einem Hinweis auf „de Wochemarkt uffem Wilhelmsplatz, wo mer Einheimische, Eigeplackte, Fremde trifft. Und wo Kallheinz aach Weiwer trifft, die er net kennt, die durch ihre schwarze Klamotte und Koppdüscher uffalle. Nonne? Naa.“ Dann fällt ihm ein: „Des sinn Weiwer, die der Relischion des Islam aagehör’n.“ Und so geht es weiter bis zum „grooße Unnerschied, wie de Islam in Saudi-Arabien gelebt werd oder in Maroggo“.

Bisher, so Kluger, ist das Interesse in Offenbach an der Aktion „schleppend“. Es seien erst 2000 Untersetzer verteilt worden. „Das dürfte auch daran liegen, dass wir nicht vor Ort sind“, sagt er. Auf Briefe hätten die Gastwirte nicht reagiert. Er vermutet, es gebe eine Unsicherheit, dass sich Gäste über die Bierdeckel-Aktion beschweren oder denken könnten, man wolle sie missionieren. „Das ist aber absolut nicht unsere Intention“, sagt Kluger und betont, gemeinsam mit Kooperationspartnern das Projekt auf weitere Regionen ausweiten zu wollen. “Islam auf Sächsisch“ sei in der Entwicklung.

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