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Integrative Kita: Beratung von Eltern wird immer wichtiger

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Von: Timur Tinç

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Maya spielt mit Erzieher Sascha May.
Maya spielt mit Erzieher Sascha May. © Michael Schick

Die integrative Kindertagesstätte Martin-Luther-Park in Offenbach betreut seit 25 Jahren Kinder mit und ohne Behinderung. Die Kita hat sich ein großes Netzwerk aufgebaut.

Maya gluckst fröhlich, als Sascha May sie auffängt und in die Luft hebt. „Nochmal“, sagt die Sechsjährige. Der Erzieher und stellvertretende Leiter der integrativen Kindertagesstätte Martin-Luther-Park in Offenbach setzt sie erneut auf die Rutsche und fängt sie nach dem Vergnügen wieder auf. Maya kann nämlich nicht alleine auf die Rutsche klettern. Sie benötigt im Alltag einen kleinen Rollator, mit dem sie sich fortbewegt. Sie ist eines von 32 Kindern in der Kita, das eine körperliche und oder geistige Behinderung hat. „Es gibt kaum eine Einrichtung in Hessen, die so viele Kinder hat wie wir“, sagt Leiterin Ulrike Bach.

Seit 1996 ist die Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Träger der Kita am Martin-Luther-Park. Sie ging hervor aus einer Sonderkindertagesstätte, die 1971 vom Verein zur Förderung und Betreuung spastisch Gelähmter und anderer Körperbehinderter ausschließlich für Kinder mit Behinderung eröffnet wurde. Vor 25 Jahren entschied man sich für einen integrativen Ansatz. Weitere Kitas der Behindertenhilfe gibt es in Hainburg und Dietzenbach. Eine zweite Kita in Offenbach soll Ende 2023 An den Eichen eröffnet werden.

„Was uns auszeichnet ist, dass wir kleine Gruppen und individuelle Gruppenkonzepte haben“, betont Bach. Denise Kühn, stellvertretende Leiterin, ergänzt, dass es mittlerweile einen klaren Bildungsauftrag gebe, der so früher nicht definiert gewesen sei. In den fünf 15er-Gruppen haben mindestens jeweils fünf eine Behinderung. „Integrativ heißt ja, ich finde in der Einrichtung jemanden, der ist so wie ich“, sagt Bach.

Die einrichtung

Die integrative Kindertagesstätte Martin-Luther-Park in Offenbach betreut 75 Kinder über 3 Jahre und 30 Kinder unter 3 Jahre.Träger der Einrichtung ist seit 1996 die Behindertenhilfe in Stadt und Kreis Offenbach.

Weitere Informationen unter: www.behindertenhilfe-offenbach.de. FR

Dazu kommen 30 Kinder in U3-Gruppen, die in einem Anbau betreut werden. Dazwischen gibt es einen großen Spielplatz für die Kinder. Jeder Raum hat ein eigenes Badezimmer. Eine Köchin bereitet individuell den Bedürfnissen der Kinder entsprechend die Mahlzeiten zu. Ein Fahrdienst sowie Therapiemöglichkeiten sind ebenfalls angeschlossen. Auch in der Corona-Pandemie war dank guter Konzepte und Kooperation mit dem Jugendamt die Betreuung vieler Kinder möglich. „Die Stadt Offenbach ist echt dicht an ihren Leuten dran. Die finden schnell, praktische Lösungen, die auch Sinn machen“, sagt Bach.

Im Vergleich zu früher ist die Beratung und Begleitung der Eltern viel wichtiger geworden. „Man ist mehr in den Familien drin und viel stärker involviert, Netzwerke für die Kinder zu knüpfen“, berichtet Bach. „Das Netzwerk wächst mit jedem Kind, das uns eine neue Aufgabe stellt.“ Im Vorfeld gibt es viele Gespräche mit den Eltern, um herauszufinden, was das Kind benötigt. Daraus ergeben sich Kooperationen mit ambulanten Diensten, Pflegediensten und Fachdiensten. „Was nicht in unserem Arbeitsfeld liegt, dafür holen wir uns Hilfe“ sagt May. Zum Beispiel, wenn es darum geht, einen Katheter zu wechseln oder eine Absaugung vorzunehmen. Es gibt auch Kinder, die den ganzen Tag in der Kita von einer Pflegekraft betreut werden, weil es zu lebensbedrohlichen Situationen kommen kann.

„Die Krankheitsbilder werden exotischer, die Diagnosen werden präziser“, sagt Bach. Außerdem würden Kinder auch immer früher ins Leben geholt und hätten dementsprechende Behinderungen. „Wir sind einiges gewohnt, aber man kommt auch an seine Grenzen, wenn man die Schicksale erfährt“, erzählt May. Es gäbe Kinder, die plötzlich eine Leukämie oder sogar Blasenkrebs entwickeln. Am schlimmsten sei jedoch, wenn man vom Tod eines Kindes erfahre. „Es ist eine emotional unglaublich herausfordernde Arbeit. Zusammen ist man da weniger allein“, sagt Bach.

Einer speziellen Ausbildung, um mit behinderten Kindern zu arbeiten, bedarf es nicht. Es gibt aber interne Fortbildungen und Schulungen, etwa wie die Insulingabe funktioniert. „Die meisten Kollegen sind zehn Jahre oder länger hier. Es wird aber immer schwieriger, gute Leute für offene Stellen zu finden“, berichtet Bach. Die Kita möchte deshalb weiterhin Erzieher:innen und Heilerziehungspfleger:innen ausbilden sowie das Anerkennungsjahr für Studierende im Dualen Studium ermöglichen, um den hohen pädagogischen Standard trotz Fachkräftemangel in der Einrichtung aufrechtzuerhalten.

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